Frauen vor Gewalt schützen

Häusliche Gewalt

Opfer von Partnerschaftsgewalt sind zu über 81 Prozent Frauen. Fast die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Das zeigt die aktuelle Kriminalstatistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes. Demnach wurden 2018 insgesamt 140.755 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Knapp 114.393 Opfer waren weiblich. Die Statistik erfasste folgende versuchte oder vollendete Delikte gegen Frauen:

  • Vorsätzliche, einfache Körperverletzung: 68.500 Fälle
  • Gefährliche Körperverletzung: rund 12.100 Fälle
  • Bedrohung, Stalking, Nötigung: 28.700 Fälle
  • Freiheitsberaubung: 1612 Fälle
  • Mord und Totschlag: 324 Fälle

Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 88,5 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 77 Prozent der Opfer Frauen.

Die Kriminalstatistik zeigt, in welchem Umfang und mit welchen Ausprägungen Gewalt in Paarbeziehungen bei der Polizei bekannt wurde. Sie beschreibt also die bekannten Fälle von Partnerschaftsgewalt - das sogenannte Hellfeld.

Die 2004 veröffentlichte repräsentative Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" wurde so konzipiert, dass auch bestehende Dunkelfelder bestmöglich aufgedeckt werden können. Dieser Studie nach haben rund 25 Prozent der Frauen zwischen 16 und 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt. Zu einem vergleichbaren Ergebnis für Deutschland kommt auch die im März 2014 veröffentlichte repräsentative Studie der Europäischen Grundrechteagentur zum Ausmaß von Gewalt gegen Frauen in Europa.

Bei den körperlichen Übergriffen handelt es sich um ein breites Spektrum unterschiedlich schwerwiegender Gewalthandlungen. Die Übergriffe reichen von wütendem Wegschubsen und Ohrfeigen bis hin zum Schlagen mit Gegenständen, Verprügeln und Gewaltanwendungen mit Waffen. Die Angaben zu sexuellen Übergriffen beziehen sich auf eine enge Definition erzwungener sexueller Handlungen, das heißt Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Zwei Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen haben schwere oder sehr schwere körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlitten.

Frauen werden keineswegs nur in sozialen Brennpunkten von ihrem männlichen Partner geschlagen, vergewaltigt, beschimpft oder gedemütigt. Die Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen" aus dem Jahr 2009 belegt, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten Opfer von Gewalt werden. Zu den Risikofaktoren gehören neben Trennung oder Trennungsabsicht auch Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend.

Um gegen häusliche Gewalt vorzugehen, müssen alle Verantwortlichen in staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen eng zusammenarbeiten. In Kooperations- und Interventionsprojekten kommen daher Vertreterinnen und Vertreter der Einrichtungen, Institutionen, Projekte und Professionen einer Region zusammen, die gegen häusliche Gewalt arbeiten oder dafür gesellschaftliche Verantwortung tragen.

Nach den positiven Erfahrungen der Bundesmodellprojekte "Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt" (BIG) und "Kooperations- und Interventionskonzept für Schleswig-Holstein" (KIK Schleswig-Holstein) wurden in vielen Bundesländern Kooperations- und Interventionsprojekte eingerichtet. Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums wurden verschiedene Interventions- und Kooperationsprojekte gegen häusliche Gewalt wissenschaftlich begleitet.

Die Interventionsprojekte führten einen Perspektivenwechsel in der Diskussion über häusliche Gewalt herbei und neue täterorientierte Interventionsstrategien entstanden. "Wer schlägt, der geht!" wurde zu einem Leitmotiv veränderter staatlicher Intervention. Die Einführung des Gewaltschutzgesetzes 2002 und die schrittweise Erweiterung fast aller Polizeigesetze der Länder um die polizeiliche Befugnis einer Wegweisung des Täters aus der Wohnung sind Ausdruck dieser Veränderungen. Den Opfern wird nicht länger zugemutet, den Verlust der vertrauten Wohnung und Umgebung in Kauf nehmen zu müssen. Und den Tätern wird vom Staat gezeigt, dass Gewalt nicht toleriert, sondern bestraft wird.

Damit von Gewalt betroffenen Frauen besser geholfen wird, hat das Bundesfrauenministerium zusammen mit Kooperationspartnern die Initiative "Stärker als Gewalt" gestartet. Ihr Ziel ist, dass mehr betroffene Frauen ihre Scham überwinden und sich zur Wehr setzen. Die Initiative ist Teil des Aktionsprogrammes "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" der Bundesregierung.

Mit dem Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" gibt es unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016 Unterstützung und Hilfe bei allen Formen von Gewalt gegen Frauen. Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das Hilfetelefon ist rund um die Uhr erreichbar, die Beratung ist vertraulich, kostenlos und wird auf Deutsch und in 17 weiteren Sprachen angeboten.