Familienreport 2020 und Corona-Eltern-Befragung

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Familienleben in Deutschland: Familienreport 2020 und Corona-Eltern-Befragung

Porträt von Franziska Giffey

Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

"Die Familie ist für die meisten Menschen der wichtigste Lebensbereich. Sie kann Liebe geben, Halt und Sicherheit. In der Pandemie haben Familien ganz besondere Herausforderungen zu meistern. Der Familienreport 2020 zeigt, wie sie das machen und dass viele Eltern in Deutschland diese Verantwortung gemeinsam stemmen. Diese Entwicklung unterstützen wir mit einer Familienpolitik, die auf Partnerschaftlichkeit und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt. Und wir haben im Frühjahr gesehen, viele Unternehmen stärken die bei ihnen beschäftigten Mütter und Väter mit mehr Flexibilität und neuen familienbewussten Maßnahmen im Betrieb. Das wünsche ich mir auch für diesen Winter."


Familie heute. Daten. Fakten. Trends - Familienreport 2020: Veränderungen, Entwicklungen, Vergleiche

Der Familienreport 2020 informiert auf Grundlage aktueller Zahlen und Daten über Familienformen, Kinderwünsche, Geburten, Eheschließungen und Ehescheidungen, über die wirtschaftliche Situation sowie über die Maßnahmen, mit denen Familienpolitik die Familien unterstützt. Neu im Vergleich zu früheren Ausgaben sind umfangreiche Vergleiche mit anderen Ländern sowie die Erkenntnisse darüber, wie es Familien im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 ergangen ist.

Familie ist in Deutschland für die meisten weiterhin das Wichtigste im Leben: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (77 Prozent) betrachtet die Familie als den wichtigsten Lebensbereich. Die hohe Bedeutung von Familie geht in Deutschland und Europa überwiegend mit einer hohen Zufriedenheit mit dem Familienleben einher. Mehr als sieben von zehn Befragten in jedem EU-Mitgliedstaat sagen 2017, sie seien glücklich mit ihrem Familienleben, im EU-Durchschnitt sagen dies 91 Prozent. In Deutschland sagen 94 Prozent der Befragten, dass sie "total glücklich" mit ihrem Familienleben seien.

Was steht für die Menschen in Deutschland an erster Stelle?

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Partnerschaftlichere Vereinbarkeit durch veränderte Rollenbilder und familienorientierte Unternehmen

Die Einstellungen zur Aufgabenteilung zwischen den Eltern haben sich geändert und der Anteil an familienorientierten Arbeitgebern steigt. Knapp drei Viertel (71 Prozent) der Deutschen lehnten 2017 die Aussage ab, dass es die wichtigste Aufgabe einer Frau sei, sich um Haushalt und Familie zu kümmern. Damit lag Deutschland deutlich über dem EU-Durchschnitt (54 Prozent Ablehnung). Auch Unternehmen in Deutschland stellen sich auf die familienbezogenen Wünsche ihrer Beschäftigten immer mehr ein. Der Anteil der Geschäftsleitungen und Personalverantwortlichen, für die familienfreundliche Maßnahmen wichtig sind, ist seit 2015 um knapp sechs Prozentpunkte auf über 83 Prozent (2018) gestiegen. Besonders in den Bereichen flexible Arbeitszeiten und Förderung aktiver Väter haben die Unternehmen aufgeholt. In der Corona-Krise hat das mobile Arbeiten zusätzlich einen Schub erhalten.

Die Erwerbstätigkeit von Müttern nimmt weiter zu

In der Mehrheit der Paarfamilien (65 Prozent) waren 2018 beide Eltern erwerbstätig. Die Müttererwerbstätigkeit steigt seit 2006 kontinuierlich an. Im Jahr 2018 waren 69 Prozent der Mütter minderjähriger Kinder insgesamt erwerbstätig (2006 waren es noch 60 Prozent). 64 Prozent der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren sind in Deutschland erwerbstätig. Damit liegt Deutschland im EU-Durchschnitt (64 Prozent).

Realisierte Erwerbstätigkeit von Müttern pro Woche im Jahr 2018

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Familien mit kleinem Einkommen und Alleinerziehende mehr unterstützen

Vor der Corona-Pandemie zeigte sich: Die Mehrheit der Familien empfand ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sogar sehr gut. Den meisten Familien ging es wirtschaftlich gut. Aber nicht alle nahmen an der positiven Entwicklung des Wohlstandes teil. Daher stehen Familien mit kleinen Einkommen regelmäßig ganz oben auf der Liste derjenigen, die aus Sicht der Bevölkerung vom Staat besser unterstützt werden sollten. 2019 sprach sich eine Mehrheit von 84 beziehungsweise 79 Prozent der Gesamtbevölkerung für eine stärkere staatliche Unterstützung von Alleinerziehenden und Familien mit kleinen Einkommen aus. Mit dem Starke-Familien-Gesetz (Juli 2019) wurde der Kinderzuschlag neu gestaltet und die Leistungen für Bildung und Teilhabe wurden verbessert. Durch die Reform des Kinderzuschlags im Jahr 2019 erhalten aktuell mehr Familien mit kleinen Einkommen bessere Unterstützung und Kinder faire Chancen auf Teilhabe. Mit der Erhöhung des Kindergeldes zum 1. Januar 2021 steigt auch der Kinderzuschlag noch einmal deutlich - auf bis zu 205 Euro pro Monat pro Kind. Zusätzlich zum Starke-Familien-Gesetz wurden mit dem Gute-KiTa-Gesetz (Januar 2019) alle Eltern, die Kinderzuschlag, Leistungen aus dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) oder Wohngeld beziehen, von Kita-Gebühren befreit. Alleinerziehende, die für ihr Kind keinen oder nicht regelmäßig Unterhalt erhalten, können außerdem Unterhaltsvorschuss beantragen. Auch dieser wird zum neuen Jahr angehoben.

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Potenziale der Digitalisierung für Familien besser nutzbar machen

Digitalisierung kann ein Schlüssel zu einem aktiven, vorsorgenden Sozialstaat sein. Digitale Vernetzung und Kommunikation können gezielter eingesetzt werden, um Familien bei der Inanspruchnahme von ihnen zustehenden Leistungen zu unterstützen. 88 Prozent der Eltern bewerten die Möglichkeit, Anträge auf Leistungen wie Elterngeld oder Kindergeld online und papierlos zu stellen, als große Hilfe für die Familie.

Unterstützen sollen hierbei digitale Zugänge in Form von digitalen Antragsassistenten zu allen familienbezogenen Leistungen. Im Oktober 2018 startete neu und bisher einmalig in dieser Form der digitale Antragsassistent "ElterngeldDigital". Mit "Kinderzuschlag Digital" (KiZDigital) steht seit Januar 2020 ein weiterer digitaler Antragsassistent für eine Familienleistung zur Verfügung. Das Digitale-Familienleistungen-Gesetz ermöglicht es zukünftig, vier wichtige Familienleistungen in einem digitalen Kombiantrag zusammenzufassen.

Das Infotool Familie bietet Müttern, Vätern und werdenden Eltern eine gute Übersicht über verschiedene finanzielle Leistungen. Damit können sie in wenigen Schritten individuell ermitteln, auf welche Familienleistungen und Unterstützungsangebote sie voraussichtlich Anspruch haben.

Diese digitalen Möglichkeiten für Familienleistungen wünschen sich Familien

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"'Familie heute. Daten. Fakten. Trends - Familienreport 2020' zeigt eindrucksvoll, wo unser Land familienpolitisch steht und welche Bedeutung eine moderne Familienpolitik hat: Sie ist ein zentrales Handlungsfeld für einen vorsorgenden und aktivierenden Sozialstaat."

Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

Rückblick: Familien in der ersten Corona-Welle. Herausforderungen, Erfahrungen und Bedarfe

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Die Corona-Pandemie stellt die gesamte Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, aber auch alle Einzelnen immer noch vor sehr große Herausforderungen. Von den weitreichenden Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens in der frühen Phase der Pandemie, insbesondere von der Schließung von Kitas, Schulen oder Sporteinrichtungen, waren Familien in besonderer Weise betroffen. Um zu ermitteln, wie sich die Beschränkungen im Frühjahr 2020 auf Familien auswirkten, wie sie mit diesen umgingen, welche Erfahrungen Eltern mit ihren Arbeitgebern und der Kinderbetreuung machten und welche Unterstützung sie sich gewünscht hätten, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamilienministeriums im April und Mai 2020 eine repräsentative Online-Befragung unter Eltern durchgeführt.

Die hier vorgestellten ausgewählten Ergebnisse zeigen, was sich für Eltern mit Kindern unter 15 Jahren etwa anderthalb Monate nach der Schließung von Betreuungseinrichtungen im Beruf und Alltag verändert hatte. Sie verdeutlichen einerseits, wie unterschiedlich Familien durch die Zeit großer Beschränkungen gekommen sind und andererseits, welche Faktoren sich als bedeutsam erwiesen haben, um diese Zeit gut zu bewältigen.

Die Bewältigung der Corona-Krise im Frühjahr 2020 lief für Eltern unterschiedlich:

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Bewältigung der Corona-Beschränkungen

Familien waren unterschiedlich stark von den Auswirkungen der Beschränkungen und Folgen der Pandemie betroffen und haben diese Zeit unterschiedlich gut bewältigt. Eine gute Bewältigung gelang vor allem dort, wo es günstige Voraussetzungen gerade im Betrieb und damit auch für die wirtschaftliche Lage der Familien gab, wo Arbeitgeber sich flexibel und Väter sich engagiert zeigten und die Kinderbetreuung zu Hause gut funktionierte.

Kinderbetreuung in der Zeit der Corona-Beschränkungen

Viele Familien waren von den Schul- und Kitaschließungen betroffen, und damit von der Notwendigkeit, die damit weggefallene Betreuung von Kindern selbst übernehmen zu müssen. Die plötzliche Neuorganisation der Kinderbetreuung war vor allem für Paare und Alleinerziehende mit höheren Erwerbsumfängen schwierig.

Erfahrungen mit betrieblicher Vereinbarkeit und berufliche Auswirkungen

Wenn Eltern mit ihren Arbeitgebern sprachen, um Lösungen für die Kinderbetreuung zu finden, erlebten sie mehrheitlich Verständnis und vielfach Hilfe. Viele Unternehmen bemühten sich um bessere Vereinbarkeit in den Betrieben und Familien nutzten diese Angebote häufig. In vielen Betrieben wurden Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ergriffen oder bestehende Möglichkeiten stärker genutzt. Etwa die Hälfte der Eltern hat in der Phase der Beschränkungen wenigstens eine betriebliche Verbesserung für die Vereinbarung von Familie und Beruf erlebt (48 Prozent).

Neuorganisation der Kinderbetreuung nach der Schließung von Kita und Schule war...

Neuorganisation der Kinderbetreuung nach der Schließung für Eltern Prozentuale Verteilung ...

Aufgabenteilung in den Familien und Engagement von Vätern

Eltern sind in der Corona-Zeit mehrheitlich nicht in traditionelle Rollen "zurückgefallen". Meist blieb die Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen den Elternteilen unverändert, in etwa jeder fünfter Familie wurde die Aufteilung gleichmäßiger, in ebenso vielen Familien aber auch ungleichmäßiger. Die zusätzlich anfallenden Betreuungsaufgaben haben Mütter und Väter vielfach gemeinsam geschultert.

Erfahrungen mit der Betreuung und Förderung von Kindern im Familienalltag

Eltern haben die Betreuung zu Hause unterschiedlich erlebt. Trotz großer Herausforderungen und vielfachen Belastungen funktionierte die Betreuung zu Hause für fast die Hälfte der Eltern gut. Verbreitet waren jedoch Sorgen um die Förderung der Kinder sowie mögliche langfristige Nachteile durch die fehlende institutionelle Förderung - vor allem unter Eltern, die sich bei der Förderung zu Hause wenig zutrauen. Hier zeigen sich starke Unterschiede nach Bildung und Einkommen von Eltern.

Unterstützung für Familien in der Corona-Pandemie

Die Bundesregierung hat eine Reihe von Maßnahmen, die Familien in der Corona-Pandemie schnell und unmittelbar geholfen haben, auf den Weg gebracht. Dazu gehören ein Entschädigungsanspruch für erwerbstätige Eltern, die wegen der Betreuung ihrer Kinder nicht arbeiten gehen können, den Kinderbonus von 300 Euro und die Ausdehnung des Kinderkrankengel-des. Der Kinderzuschlag wurde mit den Regelungen zum "Notfall-KiZ" krisenfest gemacht. Auch das Elterngeld wurde angepasst.

Veränderungen in der Aufteilung der Kinderbetreuung bei Eltern in Paarbeziehungen:

Veränderungen in der Aufteilung der Kinderbetreuung bei Eltern in Paarbeziehungen Prozentuale Verteilung ...

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine nachhaltige Familienpolitik ist - für Eltern und ihre Kinder, die Gesellschaft, die Wirtschaft und den Sozialstaat. Es geht daher darum,

  • die Betreuungsstruktur für Kinder auszubauen: Eine verlässliche und gute Betreuungsinfrastruktur ist das Rückgrat für das Funktionieren von Familien, der Wirtschaft und einer guten Förderung von Kindern.
  • die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Unternehmen zu stärken: Eltern sind auf eine gute Vereinbarkeit angewiesen und gute betriebliche Vereinbarkeitsbedingungen haben sich gerade in der Krise bewährt.
  • die partnerschaftliche Vereinbarkeit zu fördern: Mütter wie Väter können so Familie in jeder Hinsicht gemeinsam schultern, Krisenzeiten gut bewältigen und sind besser gesichert.
  • die zielgenauen Leistungen für Familien zu verbessern: Passgenaue Unterstützungen können in Krisenzeiten schnell angepasst werden und helfen Familien in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen wirtschaftlich stabil zu sein.
  • Informationen über und Beantragung von Leistungen zu vereinfachen: Eltern erfahren so Entlastung und die Unterstützung kommt dort an, wo sie gebraucht wird.
Titelseite Familienreport 2020

Familie heute. Daten. Fakten. Trends. Familienreport 2020

Der Report enthält unter anderem aktuelle Daten zum Familienleben und eine umfassende Darstellung von Leistungen, Wirkungen und Trends rund um Familie und Familienpolitik.

Titelseite: Familien in der Corona-Zeit

Familien in der Corona-Zeit: Herausforderungen, Erfahrungen und Bedarfe

Ergebnisse einer repräsentativen Elternbefragung im April und Mai 2020