Gute Kinderbetreuung

Erzieher spielt Gitarre und singt mit Kita-Kindern
Mehr Qualität in der Kinderbetreuung© Bildnachweis: BMFSFJ / Andreas Schöttke

Eine gute Kinderbetreuung sowie frühe Förderung für alle Kinder gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben in Deutschland. Damit Kinder von hochwertigen Bildungsangeboten profitieren und Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können, sind bedarfsgerechte Betreuungsangebote, gute Qualität und Trägervielfalt wichtige Voraussetzungen.

Gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und Kommunen ist daher, bundesweit ein bedarfsgerechtes und qualitativ gutes Angebot an Betreuungsplätzen zu schaffen. Insbesondere der Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige wurde in den letzten Jahren vorangetrieben. Seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kita oder in der Kindertagespflege.

In den letzten Jahren hat der Bund bereits massiv in den Ausbau und die Qualität in der Kindertagesbetreuung investiert:

  • Mit dem Sondervermögen "Kinderbetreuungsausbau" werden in vier Investitionsprogrammen "Kinderbetreuungsfinanzierung" (2008-2013, 2013-2014, 2015-2018 und 2017-2020)  insgesamt mehr als 4,4 Milliarden Euro investiert.
  • Seit 2015 stellt der Bund den Ländern jährlich 845 Millionen Euro für Betriebskosten zur Verfügung, in den Jahren 2017 sowie 2018 steigt dieser Betrag auf 945 Millionen Euro (insgesamt 6,26 Milliarden Euro Betriebskostenzuschüsse von 2009 bis 2018).
  • Freigewordene Mittel durch den Wegfall des Betreuungsgeldes von rund 2 Milliarden Euro werden den Ländern von 2016 bis 2018 für die Förderung der Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt.

Mit dem vierten Investitionsprogramm können seit 2017 bis zu 100.000 zusätzliche Plätze in Kitas und in der Kindertagespflege für Kinder bis zum Schuleintritt geschaffen sowie qualitative Verbesserungen gefördert werden.

Die Anstrengungen von Bund und Ländern beim Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zeigen Wirkung: Die Betreuungsquote hat sich im Bundesdurchschnitt seit März 2006 von 13,6 Prozent auf 32,7 Prozent im März 2016 erhöht. Der Bedarf liegt aber noch höher: rund 44 Prozent der Eltern von Kindern unter drei Jahren möchten einen Betreuungsplatz für ihre Kinder.

Außerdem werden aktuell wieder mehr Kinder geboren und es gilt, die in den letzten Jahren neu ins Land gekommenen Kinder mit Fluchthintergrund so schnell wie möglich in die Kindertagesbetreuung zu integrieren. Deshalb sieht die Bundesregierung für die kommenden Jahre deutlich mehr Mittel für die Kindertagesbetreuung vor. 

Die Qualität der Kindertagesbetreuung hat sich im Zuge des Ausbaus nicht verschlechtert - so konnten die Personalschlüssel sogar leicht verbessert und die Qualifikation der Fachkräfte konstant gehalten werden. Dennoch sind gezielte Verbesserungen in der Qualität notwendig, um für alle Kinder im gesamten Bundesgebiet einen gleichwertigen Zugang zu hoher Qualität in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung sicherzustellen.

Bund, Länder und Kommunen haben einen mehrjährigen Prozess zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung initiiert. Im Ergebnis verständigte sich die Jugend- und Familienministerkonferenz am 19. Mai 2017 mehrheitlich auf Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz. Vorgesehen ist, dass die Länder entsprechend ihrer eigenen Entwicklungsbedarfe Handlungsziele auswählen und der Bund sich stärker und dauerhaft in die Finanzierung der Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung einbringt. Grundlage für das Eckpunktepapier war der zuvor von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden erarbeitete Zwischenbericht "Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern". Darin wurden erstmals gemeinsame Qualitätsziele benannt, Kostenabschätzungen vorgenommen und neue Finanzierungswege des Systems für eine stärkere Bundesbeteiligung geprüft. 

Mit mehreren Bundesprogrammen fördert das Bundesfamilienministerium die Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung: 

Gute Kindertagesbetreuung ermöglicht gleiche Chancen für alle Kinder. Bisher profitieren jedoch nicht alle Familien gleichermaßen von Kindertagesbetreuung als Form der frühen Bildung. Im April 2017 ist deshalb das Bundesprogramm "Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung" gestartet.

Mit dem Programm fördert das Bundesfamilienministerium niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereiten und unterstützend begleiten. An rund 150 geförderten Standorten werden dazu vielfältige Wege erprobt und umgesetzt. Diese vermitteln erste Einblicke in das System der Kindertagesbetreuung und informieren die Familien zum Beispiel über die Möglichkeiten der frühen Bildung in Deutschland. 

Die teilnehmenden Standorte erhalten dafür von 2017 bis 2020 eine Förderung für eine Koordinierungs- und Netzwerkstelle, Fachkräfte für die Umsetzung der Angebote sowie zusätzliche Projektmittel. 

Alle Kinder sollen von Anfang an von guten Bildungsangeboten profitieren. Im Januar 2016 ist das Bundesprogramm "Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" gestartet. Mit dem Programm fördert das Bundesfamilienministerium alltagsintegrierte sprachliche Bildung als festen Bestandteil in der Kindertagesbetreuung. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit.

Das Bundesprogramm "Sprach-Kitas" richtet sich an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Dabei baut es auf den erfolgreichen Ansätzen des Bundesprogramms "Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration" (2011-2015) auf und erweitert diese. Schwerpunkte des Bundesprogramms "Sprach-Kitas" sind neben der sprachlichen Bildung die inklusive Pädagogik sowie die Zusammenarbeit mit Familien. Die Sprach-Kitas werden zum einen durch zusätzliche Fachkräfte für sprachliche Bildung unterstützt, die direkt in der Kita tätig sind. Zum anderen werden sie kontinuierlich durch eine Fachberatung begleitet. Von 2016 bis 2020 stellt der Bund insgesamt eine Milliarde Euro für die Programme "Sprach-Kitas" und "Kita-Einstieg" zur Verfügung. Damit können rund 7000 zusätzliche halbe Fachkraftstellen in den Kitas und in der Fachberatung geschaffen werden. 

Das Bundesfamilienministerium unterstützt seit dem 1. Januar 2016 Familien mit dem Bundesprogramm "KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist". In Kindertageseinrichtungen, Horten und der Kindertagespflege werden zusätzliche Betreuungsangebote zu flexiblen Zeiten geschaffen. Das bedeutet nicht, dass Kinder länger betreut werden. Es geht darum, eine Betreuung anzubieten, die dem zeitlichen Bedarf der Familien gerecht wird. 

Das Kindeswohl steht dabei immer an oberster Stelle. Daher müssen die Kitas, Horte und Tagespflegepersonen, die am Bundesprogramm teilnehmen, ein qualitativ gutes pädagogisches Konzept vorlegen, das zum Beispiel einen festen Tagesablauf, einen Betreuungsrahmen, abgesprochene Bring- und Abholzeiten, Ausgleichszeiten und eine individuelle Eingewöhnungsphase festlegt. Auch ein enger Kontakt zur Familie ist wichtig und muss in die Konzeptionen einfließen. 

Das Programm richtet sich an Eltern, insbesondere Alleinerziehende und Schichtarbeitende, Berufsrückkehrende, Selbstständige sowie Berufsgruppen, deren Arbeitszeiten in den frühen Morgen- und späten Abendstunden, an Wochenenden oder Feiertagen liegen. Gleichzeitig profitieren auch junge Familien, in denen Mütter und Väter durch Ausbildung oder Studium zeitlich sehr eingespannt sind, vom Bundesprogramm. Grundsätzlich soll Eltern die Berufstätigkeit beziehungsweise die Aufnahme einer Berufstätigkeit besser ermöglicht werden. 

Der Bund stellt dafür von 2016 bis Ende 2018 insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung. Neben Personalmitteln kann unter anderem auch die Ausstattung, die für die Umsetzung des erweiterten Angebots erforderlich ist, gefördert werden. Seit Anfang 2017 werden außerdem bundesweit "Netzwerkstellen KitaPlus” bei den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe eingerichtet, um eine langfristige Verankerung des Programms in den Kommunen zu sichern.

Im Januar 2016 ist das Bundesprogramm "Kindertagespflege: Weil die Kleinsten große Nähe brauchen" gestartet. Es läuft noch bis Dezember 2018. Die Qualifizierung von Tagespflegepersonen weiterzuentwickeln ist angesichts der gesetzlichen Gleichrangigkeit der Kindertagespflege mit der Betreuung in Kitas unerlässlich. Das Deutsche Jugendinstitut hat deshalb ein "Kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege" (QHB) entwickelt, das einen Qualifizierungsumfang von 300 Unterrichtseinheiten zuzüglich Praktika und Selbstlerneinheiten vorsieht.

Mit den Programmmitteln im Umfang von bis zu 7,5 Millionen jährlich setzen rund 30 Kommunen einen regionalen Entwicklungsplan um. Dieser umfasst die Einführung des QHB beziehungsweise die Ergänzung bestehender Qualifizierungen sowie die Vertiefung von Kooperationen zwischen Kitas und Kindertagespflege. Daneben können die Fördermittel für unterschiedliche Module eingesetzt werden, zum Beispiel Inklusion in der Kindertagespflege, Qualifizierungen für Fachberaterinnen und Fachberater oder Qualitätsentwicklung in der Fachberatung.

Mit einer "Online-Beratung Kindertagespflege" besteht darüber hinaus ein Serviceangebot für Tagesmütter und Tagesväter, für Eltern und für diejenigen, die Fragen zur Umsetzung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kindertagespflege haben.

Mit dem Programm "Quereinstieg - Männer und Frauen in Kitas" werden Modellprojekte gefördert, die vergütete Ausbildungen von Erzieherinnen und Erziehern erproben und speziell auf Berufswechslerinnen und Berufswechsler zugeschnitten sind. Das Bundesprogramm hat zwei zentrale Ziele: Lebenslanges berufliches Lernen ohne Erwerbsunterbrechungen zu ermöglichen und den Beruf der frühkindlichen Erziehung stärker für Männer zu öffnen. Dafür stellt das Bundesfamilienministerium für den Zeitraum von Juni 2015 bis zum Ende des Schuljahres 2020 insgesamt fast 34 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung.

Ein Beratungstelefon berät am Quereinstieg interessierte Männer und Frauen zu den je nach Bundesland unterschiedlichen Ausbildungswegen und Möglichkeiten des Quereinstiegs.Die Beratung ist montags von 15:30 bis 19:00 Uhr, mittwochs von 15:30 bis 19:00 Uhr und freitags von 10:00 bis 13:00 Uhr unter der Nummer 030 - 501010-939 oder per E-Mail (quereinstieg@koordination-maennerinkitas.de) erreichbar.

Mit dem Programm "Qualität vor Ort" wird auch die Praxis in die Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung einbezogen: Das Programm bringt engagierte Menschen vor Ort – zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher, Eltern, Fachberaterinnen und Fachberater sowie Verwaltung – zusammen. Bundesweit fanden 50 Dialogveranstaltungen statt, bei denen direkt und pragmatisch die möglichen Stellschrauben für mehr Qualität diskutiert wurden. Zudem werden 150 Netzwerke für frühe Bildung auf kommunaler Ebene fachlich und methodisch unterstützt und 20 Modellkommunen auf ihrem Weg begleitet, ein ressortübergreifendes Konzept der frühen Kindheit zu erarbeiten und vor Ort zu implementieren.

Gute Qualität in Kitas wird vor allem durch die tägliche Praxis von Fachkräften in Kitas bestimmt. Sie ist aber auch das Ergebnis eines verantwortungsvollen Zusammenwirkens von Trägern, kommunalen Akteuren und weiteren Institutionen und Einrichtungen. Mit dem Deutschen Kita-Preis wird dieses Engagement im Mai 2018 erstmals gewürdigt. Der Preis wird in den beiden Kategorien "Kita des Jahres" sowie "Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres" verliehen.  

Der Deutsche Kita-Preis ist eine Initiative des Bundesfamilienministeriums und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Partnerschaft mit der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Karg-Stiftung und dem Didacta-Verband.