Chancen und Teilhabe für Familien

Alleinerziehende fördern und unterstützen

In Deutschland gibt es rund 8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Davon sind knapp 20 Prozent alleinerziehende Mütter oder Väter. In der Zeit von 1996 bis 2015 ist die Anzahl der Alleinerziehenden von 1,3 Millionen auf 1,6 Millionen angestiegen. Von den 12,9 Millionen Kindern unter 18 Jahren leben inzwischen 18 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil. In neun von zehn Fällen ist der alleinerziehende Elternteil die Mutter.

Studien zeichnen ein differenziertes Bild von Alleinerziehenden und räumen mit gängigen Vorurteilen auf: Viele alleinerziehende Mütter sehen ihre Lebenssituation überwiegend positiv, verfügen über ein hohes Selbstvertrauen und haben verschiedene Strategien, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Dabei ist das Alleinerziehen in vielen Fällen eine Phase, der andere Familienformen vorausgegangen sind. Etwa ein Drittel der Alleinerziehenden lebt mit einem (neuen) Partner oder einer (neuen) Partnerin zusammen, jedoch nicht im selben Haushalt.

Die Mehrzahl der Alleinerziehenden will ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. Mehr als zwei Drittel der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren (2015: 68 Prozent) waren aktiv erwerbstätig, davon 42 Prozent in Vollzeit. Auch viele nicht erwerbstätige Alleinerziehende würden gerne arbeiten. In der Regel haben sie aber größere Schwierigkeiten, sich auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt für die meisten Alleinerziehenden eine beträchtliche Herausforderung dar. Sie müssen den Alltag, die Haushaltsführung, Kindererziehung und das Einkommen allein organisieren. Rund 39 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sind derzeit auf staatliche Grundsicherungsleistungen (SGB II) angewiesen. Das sind 625.000 Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden (Stand 2015). Sie und ihre Familien sind besonders armutsgefährdet.

Damit Alleinerziehende durch Erwerbstätigkeit unabhängig sein können, sind sie auf ein gut funktionierendes Netz aus flexiblen Betreuungsangeboten für ihre Kinder und auf eine familienfreundliche Arbeitswelt angewiesen. Vom Ausbau der Kinderbetreuung durch das Kinderförderungsgesetz (KiföG) und den seit 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr profitieren insbesondere auch Alleinerziehende.

Netzwerke lokaler Akteure unterstützen Alleinerziehende dabei, ihren Alltag zu bewältigen und eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, beispielsweise durch Wegweiser oder auf die Bedarfe von Alleinerziehenden abgestimmte Angebote und Anlaufstellen. Das Online-Handbuch "Unterstützungsnetzwerke für Alleinerziehende" fasst zusammen, wie solche Unterstützungsnetzwerke aufgebaut werden und funktionieren können.

Eine Vielzahl von Familienleistungen, wie zum Beispiel Kindergeld und Elterngeld, tragen dazu bei, die finanzielle Situation für Alleinerziehende und ihre Kinder zu verbessern. Auch andere Sozialleistungen, wie beispielsweise das Wohngeld oder notfalls die Grundsicherungsleistungen unterstützen Alleinerziehende besonders.

Um alleinerziehende Familien gezielt zu unterstützen, können alleinerziehende Steuerpflichtige den sogenannten Entlastungsbetrag steuerlich geltend machen. Der Entlastungsbetrag liegt seit dem 1. Januar 2016 bei 1908 Euro. Zusätzlich wurde eine Staffelung von 240 Euro pro Kind ab dem zweiten Kind neu eingeführt. Der Entlastungsbetrag ist - wie die Ergebnisse der Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen gezeigt haben - eine besonders effiziente Leistung für Alleinerziehende. Sie erreicht rund 1,1 Millionen Haushalte, entlastet Alleinerziehende wirksam und erhöht die Attraktivität der Erwerbstätigkeit.

Als spezielle Leistung für Alleinerziehende, deren Kind nicht oder nicht regelmäßig oder nicht rechtzeitig Unterhalt vom anderen Elternteil erhält, bekommen Alleinerziehende für das Kind Unterhaltsvorschuss. Hierbei ist das Einkommen des alleinerziehenden Elternteils unerheblich.

Den Unterhaltsvorschuss gibt es für Kinder bis zum 12. Geburtstag. Wenn das Kind nicht auf Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) angewiesen ist oder der alleinerziehende Elternteil im SGB II-Bezug mindestens 600 Euro brutto verdient, kann der Unterhaltsvorschuss bis zum vollendeten 18. Lebensjahr des Kindes bezogen werden.

Im Service-Portal des Bundesfamilienministeriums, dem Familien-Wegweiser, finden Alleinerziehende wichtige Informationen zu Leistungen und Ansprechpartnern.