Kriminalstatistische Auswertung

Dr. Franziska Giffey stellt neue Zahlen zur Partnerschaftsgewalt 2017 vor

Dr. Franziska Giffey und weitere Teilnehmerinnen einer Pressekonferenz
Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey stellt die Kampagne für das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" vor© BMFSFJ

Am 20. November hat Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey die "Kriminalstatistische Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2017" veröffentlicht. Erstellt wurde die Auswertung durch das Bundeskriminalamt. Außerdem stellte Dr. Franziska Giffey die neue Kampagne zum Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" vor. Das Hilfetelefon ist beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) angesiedelt.

Die Auswertung wurde gegenüber den beiden Vorjahren erweitert und an die neue Gesetzeslage angepasst. Die Zahlen zeigen, in welchem Umfang und mit welchen Ausprägungen versuchte und vollendete Gewalt in Paarbeziehungen bei der Polizei in 2017 bekannt geworden sind. Deutlich wird, in welcher Beziehung Täter und Opfer zueinander stehen und welche Delikte passiert sind.

Dr. Franziska Giffey:

"Die Zahlen sind schockierend, denn sie zeigen: Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort - ein Ort, an dem Angst herrscht. Häufiger als jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. 2017 starben insgesamt 147 Frauen durch sogenannte Partnerschaftsgewalt. Das ist für ein modernes Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung. Es geht um Straftaten, die geahndet werden und für die die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssen. Genauso wichtig ist, den Frauen Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Dazu haben wir ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen gestartet und einen Runden Tisch von Bund, Ländern und Kommunen eingerichtet, der abgestimmte Gegenmaßnamen erarbeiten wird."

Im Jahr 2017 wurden durch ihre Partner oder Ex-Partner insgesamt 138.893 Personen Opfer versuchter und vollendeter Taten. Zu den Delikten gehören Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Insgesamt waren 113.965 Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen. Die Auswertung des Bundeskriminalamtes zeigt: Es sind zu über 82 Prozent Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen sind. Fast die Hälfte (49,1 Prozent) von ihnen lebte in einem Haushalt mit dem Tatverdächtigen.

Um von Gewalt Betroffene zu ermutigen, sich Hilfe zu holen, stellte Dr. Franziska Giffey gemeinsam mit der Leiterin des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen", Petra Söchting, die neue Öffentlichkeitskampagne des Hilfetelefons vor.

Jetzt rede ich - der erste Schritt aus der Gewalt

Mit starken, entschlossenen Persönlichkeiten will die Kampagne noch mehr Frauen ermutigen, sich bei Gewalt Hilfe zu holen. Obwohl jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erfährt, suchen nur 20 Prozent der Betroffenen Unterstützung. Unterstützende Botschaften sollen betroffenen Frauen Mut machen, ihr Schweigen zu brechen.

Dr. Franziska Giffey:

"'Du bist doch selber schuld.' 'Dir glaubt doch eh' keiner.' 'Die Familie wird dich verstoßen.' Es sind Sätze wie diese, mit denen gewaltbetroffene Frauen eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht werden sollen - in Deutschland, Tag für Tag, quer durch alle Gesellschaftsschichten. Doch die Frauen in der Kampagne lassen sich nicht mundtot machen. 'Aber jetzt rede ich.' lautet ihre Antwort. Diese Frauen setzen der Gewalt etwas entgegen, indem sie nicht länger schweigen. Reden ist für viele Frauen der erste Schritt aus der Gewaltspirale. Mit der neuen Kampagne 'Aber jetzt rede ich' wollen wir noch mehr Betroffenen Mut machen, sich Hilfe zu holen und Unterstützungsangebote wahrzunehmen."

Acht Kampagnen-Motive greifen die Vielfalt der Betroffenen auf und zeigen Frauen, die mutig, selbstbestimmt und entschlossen sind, einen Weg aus der Gewalt zu finden. Es sind Frauen, die die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln. Denn, so belegen Studien und so zeigt auch die Erfahrung beim Hilfetelefon, Gewalt kann jede Frau treffen - unabhängig von Alter, sozialem oder kulturellem Hintergrund. Materialien zur neuen Kampagne können hier bestellt werden.

Dem neuen Kampagnen-Spot leiht die Schauspielerin Alina Levshin ihr Gesicht. Die Bambi-Preisträgern, bekannt aus dem Spielfilm "Kriegerin", engagiert sich dafür, dass das Thema Gewalt gegen Frauen in der Öffentlichkeit wahr- und ernstgenommen wird. Sie betont, dass jede Frau, die körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt, dies nicht länger dulden und sich beim Hilfetelefon melden sollte. Das Thema brauche öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die es zur Sprache bringen.

Eine besondere Rolle bei der Bekanntmachung der neuen Kampagne kommt den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten zu. Sie kämpfen vor Ort gegen Gewalt an Frauen und machen das Angebot des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" flächendeckend bekannt.

In den fünf Jahren seit seiner Gründung verzeichnet das bundesweite Beratungsangebot kontinuierlich steigende Beratungszahlen. 143.020 Mal wurden Ratsuchende per Telefon, Chat oder E-Mail zwischen März 2013 und Dezember 2017 beim Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" beraten.

Ob Gewalt in der Partnerschaft, Mobbing, Stalking, Zwangsheirat, Vergewaltigung oder Menschenhandel - das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" steht betroffenen Frauen rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr zu allen Formen von Gewalt zur Seite. Unter der Rufnummer 08000 116 016 und über die Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de können sich Betroffene, aber auch Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte beraten lassen - anonym, kostenlos, barrierefrei und auch in 17 Fremdsprachen. Auf Wunsch vermitteln die Beraterinnen an eine Unterstützungseinrichtung vor Ort.