Familien in Bewegung

Der Familienreport 2017: Veränderungen, Entwicklungen, politische Implikationen

Der Familienreport 2017 informiert auf Grundlage aktueller Daten, wissenschaftlicher Studien und repräsentativer Bevölkerungsbefragungen über Lebenslagen und Einstellungen von Familien in Deutschland. Er gibt einen Überblick über die Maßnahmen, mit denen Familienpolitik die Familien unterstützt.

Familie ist in Deutschland weiterhin das Wichtigste im Leben: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (79 Prozent) betrachtet die Familie als den wichtigsten Lebensbereich.

Die Familie ist der wichtigste Lebensbereich* 

Kreisdiagramm: für 79 Prozent der Befragten ist die Familie das wichtigste im Leben
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe. Quelle: IfD Allensbach 2016: Familie 2030. Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 11058

Die gewachsene Vielfalt der Familien wird von weitgehender gesellschaftlicher Wertschätzung getragen. Die Wertschätzung von Familie zeigt sich auch darin, dass mehr Kinder geboren werden. Die Geburtenrate hat im Jahr 2015 mit 1,5 Kindern je Frau den höchsten Wert der letzten 25 Jahre erreicht. Drei Viertel der Kinder wachsen mit mindestens einem Geschwisterkind auf. Die realisierten Kinderzahlen bleiben dabei weiterhin hinter den Kinderwünschen zurück - mehr als in anderen Ländern.

Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer ("Geburtenrate") 1990 – 2015, Deutschland

Verlaufdiagramm der Geburtenrate in Deutschland zwischen 1990 und 2015
*ab 2011 Ergebnis des Zensus 2011 berücksichtigt, 2011: Auf Basis der Bevölkerung zum Zensusstichtag 09.05.2011. Quelle: Statistisches Bundesamt (2017), Statistik der Geburten

Den meisten Familien geht es wirtschaftlich gut, aber nicht alle nehmen an der derzeit positiven Entwicklung des Wohlstandes teil. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von Familien ist zwischen 2004 und 2014 um knapp 23 Prozent gestiegen. Allerdings liegt das Armutsrisiko von Kindern - je nach Datenquelle - zwischen 14,6 und 21,1 Prozent. Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist viermal so hoch wie bei Paarfamilien mit einem oder zwei Kindern.

Armutsgefährdungsquote nach Haushaltstyp gemessen am Bundesmedian, in Prozent

Verlaufdiagramm: Alleinerziehende mit Kindern sind am stärksten armutsgefährdet
Quelle: Ergebnisse des Mikrozensus. Ab 2011 basiert die Hochrechnung auf den fortgeschriebenen Ergebnissen des Zensus 2011. IT.NRW, Tabelle A 1.1.0 Deutschland

Um das Armutsrisiko zu senken und Familien wirtschaftlich zu stärken, hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode die finanzielle Unterstützung erhöht. Beim Kindergeld, beim Kinderzuschlag, beim steuerlichen Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende und beim Unterhaltsvorschuss kam es zu deutlichen Verbesserungen. Die staatlichen Mittel für die Kindertagesbetreuung - wesentliche Voraussetzung für die Erwerbstätigkeit der Eltern und nachweislich von Vorteil für die Entwicklung der Kinder - sind zwischen 2006 und 2015 von etwas mehr als 11 Mrd. Euro auf knapp 24,6 Mrd. Euro gestiegen.

Dennoch bleibt noch viel zu tun. Eine weitere Maßnahme zur Verbesserung der Chancen von Kindern aus Familien mit kleinen Einkommen kann in der Weiterentwicklung des Kindergeldes liegen, das mehr armutsgefährdete Kinder erreichen würde. Familien mit kleinen Einkommen könnten ein höheres Kindergeld erhalten, das sich mit zunehmendem eigenem Einkommen der Familie reduziert. Ein solches Konzept genießt bei Eltern und Bevölkerung große Zustimmung:

Säulendiagramm zeigt die Zustimmung der Bevölkerung zu einer einkommensabhängigen Erhöhung des Kindergelds

Der Familienreport berichtet zudem über neueste Erkenntnisse zum Trend einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung von Familie und Beruf von Müttern und Vätern. Erstmals sind in einer vom Bundesfamilienministerium geförderten Befragung des Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) die Kinder selbst ausführlich zu Wort gekommen. Im Zentrum stand die Frage, wie die Kinder selbst es erleben, wenn beiden Eltern die Lebensbereiche Beruf und Familie gleich wichtig sind. Die Befragung zeigt, dass diese Kinder ihre Mütter und Väter als gleichwertige Bezugspersonen erleben und schätzen - und dass dies den Bindungen in den Familien zugutekommt. 

Dennoch fallen Wunsch und Wirklichkeit bei der partnerschaftlichen Aufgabenteilung für die meisten Familien weiterhin noch stark auseinander. Väter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern und Mütter wollen in größerem Umfang erwerbstätig sein. Der Wunsch nach Partnerschaftlichkeit zeigt sich auch nach einer Trennung oder Scheidung: Heute wünscht sich die Hälfte der Trennungseltern eine annähernd gleichmäßige Aufteilung der Kinderbetreuung, wie eine aktuelle Befragung zeigt. 64 Prozent der Trennungseltern finden, dass der Staat sie stärker unterstützen sollte - besonders die Mütter. Dabei steht der Wunsch nach einer finanziellen Unterstützung an erster Stelle.

Balkendiagramm: Finanzielle Unterstützung finden Trennungseltern am wichtigsten

Unternehmen in Deutschland stellen sich auf die familienbezogenen Wünsche ihrer Beschäftigten immer mehr ein. Die Unternehmenskultur hat dabei ebenfalls Einfluss darauf, ob und wie eine gewünschte Partnerschaftlichkeit von Eltern gelebt werden kann. Familienfreundlichkeit ist auch angesichts des Fachkräftemangels für Unternehmen wichtiger geworden. Personalverantwortliche erwarten, dass Väter zukünftig vermehrt vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen in Anspruch nehmen. Digitalisierung bietet dabei neue Chancen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Beschäftigten zu unterstützen. 90 Prozent der Beschäftigten, die zumindest zeitweise im Homeoffice tätig sind, sagen, dass das Arbeiten von zu Hause aus die Vereinbarkeit erleichtere. Befragungen der Beschäftigten zeigen zugleich, dass aus ihrer Sicht weiter mehr getan werden könnte, damit sie Familie und Beruf besser miteinander in Einklang bringen.

Dabei steht nach vielfältigen Berechnungen fest: Für Unternehmen wie für die Gesellschaft insgesamt lohnt es sich, in die Vereinbarkeit von Familien und Beruf zu investieren. Gerade Investitionen in Betreuungsinfrastruktur zahlen sich vielfältig aus. So sorgt zum Beispiel die Nachmittagsbetreuung von Schulanfängern dafür, dass mehr Mütter eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder ihre Erwerbstätigkeit ausweiten. Die langfristigen Mehreinnahmen durch Investitionen in Kitas und Ganztagsschulen überwiegen die Kosten bei Weitem. Doch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird für viele Eltern mit der Einschulung mangels passender Angebote heute häufig noch verschärft zum Problem.

Entsprechend steht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterhin ganz oben auf der Wunschliste der Bevölkerung an die Politik: 71 Prozent der Familien wünschen sich dies. 61 Prozent sind der Auffassung, der Staat sollte die Voraussetzungen dafür verbessern, dass beide Elternteile gleichermaßen berufstätig sein können.

Familienpolitische Agenda der Bevölkerung

Balkendiagramm: Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte Schwerpunkt von Familienpolitik sein

Mit diesen und vielen anderen Erkenntnissen zeigt der Familienreport 2017: Es bleibt die Aufgabe, Familien auf der Höhe der Zeit zu begleiten und zu unterstützen.