Dein Spiegel

Manuela Schwesig: Es ist für viele immer noch zu schwierig, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen

Dein Spiegel: Im Vergleich zu manchen Kollegen sehen Sie ja sehr hübsch aus. Ist das in der Politik ein Vor- oder ein Nachteil?

Manuela Schwesig: Danke! Das ist das erste Mal, dass ich mich über dieses Kompliment freue. Ehrlich gesagt: Am Anfang fand ich es total nervig. Weil das immer danach klingt, als wäre ich zwar hübsch, hätte aber nichts im Kopf. Ich hatte das Gefühl, ich muss mehr beweisen als andere. Mittlerweile sehe ich das entspannter.

Dein Spiegel: Sie fordern den gleichen Lohn für Frauen und Männer. Bekommen Sie selbst genauso viel Gehalt wie die anderen Minister?

Manuela Schwesig: Ja, das müsste das Gleiche sein. Aber ich habe das noch nie verglichen. Mein Gehalt ist ja gar nicht das Problem. Ich bin nicht der Maßstab. Aber viele andere Frauen, die auch hart arbeiten, werden einfach schlecht bezahlt. Altenpflegerinnen oder Erzieherinnen zum Beispiel. Das möchte ich ändern.

Dein Spiegel: Wie wollen Sie das anstellen?

Manuela Schwesig: Indem man diese typischen Frauenberufe besser bezahlt. Außerdem planen wir ein Gesetz. Dann müssen Betriebe kontrollieren, dass sie Frauen und Männer für die gleiche Arbeit auch gleich bezahlen.

Dein Spiegel: Sie haben jetzt Ihre Ideen für die Frauenquote vorgestellt. Was ist das genau?

Manuela Schwesig: In den Chef-Etagen der Wirtschaft sollen zukünftig mehr Frauen sitzen, mindestens ein Drittel. Dafür bereite ich ein Gesetz vor. Ganz viele Mädchen machen Abi und studieren, aber sie kommen in den Top-Jobs nicht an. In großen Unternehmen sind fast alle Chefs Männer. Bei zehn Chefs gibt es oft nur eine Frau oder gar keine. Glaubt ihr, dass Frauen in Deutschland so schlecht sind und nicht auch das Zeug zur Chefin haben?

Dein Spiegel: Natürlich nicht. Aber würden Sie mit einem Gesetz nicht den guten Männern den Arbeitsplatz wegnehmen?

Manuela Schwesig: Na ja, für die guten Männer bleiben noch zwei Drittel. In den Chef-Etagen geht es um viel Macht, viel Geld, viel Einfluss. Deswegen wird es auch viel Diskussion um dieses Gesetz geben. Da macht nämlich niemand freiwillig Platz.

Dein Spiegel: In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. Warum ist das so?

Manuela Schwesig: Die Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Klar ist: Viele wünschen sich eigentlich Kinder, verzichten dann aber doch darauf. Es ist einfach immer noch zu schwierig, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Dein Spiegel: Was wollen Sie denn tun, um junge Eltern zu unterstützen? Können Sie Ihre drei wichtigsten Punkte kurz erklären?

Manuela Schwesig: Eltern brauchen Zeit für ihre Familie und deshalb familienfreundliche Arbeitszeiten. Eltern brauchen mehr Geld für ihre Kinder, gerade die armen Familien. Und Eltern brauchen für ihre Kinder gute Ganztagskitas und Ganztagsschulen. Wenn diese drei Sachen in Deutschland gut sind, dann ist es für Familien viel leichter.

Dein Spiegel: Und woher soll das Geld dafür kommen?

Manuela Schwesig: Das Geld ist da. Es muss nur endlich auch für die Kinder und Familien ausgegeben werden.

Dein Spiegel: Sie sind Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Was davon ist Ihnen am wichtigsten? Können Sie eine Reihenfolge machen?

Manuela Schwesig: Die Kinder, doch die kommen gar nicht extra im Namen vor. Aber die Reihenfolge ist schon richtig, es fängt ja mit Familie an.

Dein Spiegel: Aber gewählt werden können Sie nur von den Senioren, nicht von uns. Ist dann nicht klar, dass Sie sich viel mehr für die einsetzen als für uns?

Manuela Schwesig: Nein. Ältere wollen ja auch gute Politik für Kinder. Ich fände es aber richtig, wenn Eltern für ihre Kinder wählen gehen dürften, das nennt man Familienwahlrecht. Doch das ist in Deutschland sehr umstritten.

Dein Spiegel: Haben Sie noch viel Zeit für Ihre Familie?

Manuela Schwesig: Ich nehme mir die Zeit. Nehmen wir beispielsweise den Mittwoch: Da trifft sich immer die Regierung. Danach fahre ich direkt nach Hause, falls nicht noch ein wichtiger Termin ist. Dann hole ich meinen Sohn von der Schule ab. Ich mache das Handy aus, gucke keine Nachrichten, lese keine Zeitung, nichts. Dann spielen wir Federball, Fußball oder Playmobil. Das ist gerade angesagt bei ihm.

Dein Spiegel: Wird Ihr Sohn besser behandelt, weil Sie Ministerin sind?

Manuela Schwesig: Nein. Von dem Rummel um meine Person bekommt mein Sohn gar nicht viel mit. Ich versuche, ihn da rauszuhalten. Er geht auf eine ganz normale staatliche Schule. Und ich möchte, dass er dort ein Schüler von vielen ist und auch so behandelt wird.