Integration und Existenzgründung

Erfolgreich als Gründerin mit Fluchterfahrung

Eine Gruppe mit Teilnehmerinnen des Projekts Frauen mit Fluchterfahrung gründen
Projekt-Teilnehmerinnen und weitere Akteurinnen und Akteure bei der Fachtagung "Frauen mit Fluchterfahrung gründen" im Haus der Deutschen Wirtschaft © jumpp/Kerstin Jana Kater

Wie geflüchtete Frauen zu erfolgreichen Unternehmerinnen werden können, war am 1. November Thema einer Tagung in Berlin. Mehr als ein Drittel der Geflüchteten in Deutschland ist weiblich, aber nur sechs Prozent sind erwerbstätig. Um ihnen den Weg in die berufliche Selbstständigkeit zu erleichtern, hat das Bundesfrauenministerium seit 2017 das dreijährige Modellprojekt "Frauen mit Fluchterfahrung gründen" gefördert. Auf der Abschlusstagung, die in Kooperation mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) durchgeführt wurde, haben Expertinnen und Experten, aber auch Teilnehmerinnen des Projektes Bilanz gezogen und die Ergebnisse diskutiert.

In dem Modellprojekt des Vereins "jumpp - Ihr Sprungbrett in die Selbständigkeit - Frauenbetriebe e.V." konnten Frauen mit Fluchterfahrung Mentoring, Coaching, Hospitationen und Veranstaltungen nutzen, um ihre Gründungsideen voranzubringen. Damit das gelang, wurden ihnen nicht nur Kenntnisse vermittelt, die unmittelbar mit der Gründung zu tun haben, sondern auch Traumata und Gewalterfahrungen berücksichtigt. Denn die Teilnehmerinnen haben häufig nicht nur Flucht, sondern auch Krieg, Unterdrückung und Verfolgung erlebt. Mit seinen Angeboten leistete das Projekt "Frauen mit Fluchterfahrung gründen" Pionierarbeit, weil es für geflüchtete Frauen bisher kaum spezialisierte Angebote gibt.

Insgesamt haben sich 100 Frauen aus dem Rhein-Main-Gebiet für das Programm interessiert. Ihre vielfältigen Geschäftsideen reichten von der Gastronomie über Interieur Design und einer Kochschule bis hin zum Apothekenbetrieb oder Online-Handel. 54 Teilnehmerinnen befanden sich in einer Orientierungs- und Aktivierungsphase, 46 Frauen in der Phase eine Geschäftsidee zu entwickeln. Davon haben sechs bereits ein Unternehmen gegründet, drei starten in Kürze.

Durch das Modellprojekt wurden zudem wichtige Akteure und die Öffentlichkeit für die Belange von Unternehmerinnen mit Fluchterfahrung sensibilisiert. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung sind systematisch und zum ersten Mal Erkenntnisse zur Existenzgründung geflüchteter Frauen zusammengetragen worden.

Das Modellprojekt "Frauen mit Fluchterfahrung gründen" wurde von "jumpp - Ihr Sprungbrett in die Selbständigkeit - Frauenbetriebe e.V." im Auftrag des Bundesfamilienministeriums von 2017 bis 2019 durchgeführt. Es baute auf Erfahrungen mit dem Mentoringprojekt "MIGRANTINNEN gründen" auf, das der Verein jumpp e.V. bereits 2015 und 2016 für das Bundesfrauenministerium durchgeführt hat. Das Projekt wurde durch das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim wissenschaftlich begleitet.