Dritter Engagementbericht Digitalisierung bereichert freiwilliges Engagement - nicht nur in Corona-Zeiten

Dr. Franziska Giffey: "Digitales Engagement hat viele Gesichter"© BMFSFJ


Das Bundeskabinett hat sich am 13. Mai mit dem vom Bundesfamilienministerium vorgelegten Dritten Engagementbericht befasst. Der Bericht besteht aus dem Gutachten einer unabhängigen Sachverständigenkommission und der Stellungnahme der Bundesregierung. Der Dritte Engagementbericht trägt den Titel "Zukunft Zivilgesellschaft: Junges Engagement im digitalen Zeitalter". Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich gesellschaftliche Teilhabe und freiwilliges Engagement durch die Digitalisierung verändern und welche Folgerungen sich daraus für die Engagementpolitik ergeben. Untersucht wurde, wie sich junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren auch digital freiwillig einbringen.

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey:

"Wie wertvoll und bereichernd digitales Engagement ist, sehen wir gerade in der gegenwärtigen Corona-Krise. Digitale Möglichkeiten helfen dabei, dass sich - vor allem auch junge - Menschen trotzdem für andere und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen können, indem sie zum Beispiel Nachbarschaftsinitiativen oder Einkaufshilfen digital organisieren oder aber Vereine verstärkt Online-Beratungen anbieten. Der Bericht zeigt, wie groß das Potential ist und dass es noch besser ausgeschöpft werden kann. Das digitale Engagement ersetzt die traditionellen Formen nicht, aber es kann sie wirksam ergänzen. Es geht deshalb auch darum, analoges und digitales Engagement besser miteinander zu verknüpfen. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt, die wir in diesem Jahr gründen, ist dafür wie geschaffen. Auch in Zukunft wird es auf das Engagement ankommen, denn es macht unsere Gesellschaft stärker und lebenswerter."

Digitale Möglichkeiten nutzen

Der jetzt vorgelegte Engagementbericht macht deutlich, welche Rolle die Digitalisierung im Engagement junger Menschen einnimmt und analysiert neue Themen, Praktiken und Typen des Engagements, die durch die Digitalisierung entstehen. Formuliert werden zudem konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Zivilgesellschaft.

Professorin Dr. Jeanette Hofmann, Vorsitzende der Sachverständigenkommission:

"Junge Menschen nutzen zunehmend digitale Medien für ihr Engagement, unabhängig davon, in welchen Organisationsformen sie sich einbringen. Viele junge Engagierte betrachten die Digitalisierung als eine gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Laut der Jugendbefragung des Dritten Engagementberichts verfolgen heute rund 30 Prozent der jungen Engagierten das Ziel, die digitale Welt zu einem besseren Ort zu machen."

Mitglieder der Sachverständigenkommission für den Dritten Engagementbericht

  • Professorin Dr. Jeanette Hofmann (Vorsitzende), Leiterin der Forschungsgruppe "Politik der Digitalisierung" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Forschungsdirektorin am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und Professorin für Internetpolitik an der Freien Universität Berlin
  • Professor Dr. Christoph Bieber, Universität Duisburg-Essen
  • Junior-Professor Dr. Sascha Dickel, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • Professor Dr. Martin Emmer, Freie Universität Berlin
  • Professorin Dr. Cathleen Grunert, FernUniversität in Hagen
  • Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln
  • Professorin Dr. Gesche Joost, Universität der Künste Berlin
  • Professor Dr. Heinz Reinders, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
  • Professorin Dr. Wibke Riekmann, MSH Medical School Hamburg

Der Dritte Engagementbericht bietet eine gute Wissensbasis zum Thema "Engagement und Digitalisierung" sowie Anregungen für die Engagementpolitik. Die Sachverständigenkommission empfiehlt unter anderem:

  • bessere Verbindung etablierter und digitaler Engagementformen und Wertschätzung des (jungen) digitalen Engagements,
  • Förderprogramme zur Entwicklung digitaler Beteiligungstools, damit Organisationen leichtere Einstiegswege für junge Menschen anbieten können,
  • Vermeidung von neuen Bildungsunterschieden und Abbau bestehender Spaltungen,
  • Verbindung von politischer Bildung mit Medienbildung und entsprechende Förderung der Akteure und Einrichtungen,
  • Beratungs- und Vernetzungsangebote für Organisationen bei Digitalisierungsprozessen.

Das Bundesfamilienministerium wird die Empfehlungen der Sachverständigenkommission bei der Planung künftiger engagementpolitischer Maßnahmen mit bedenken.

Digitalisierungsprojekte fördern

Bereits jetzt fördert das Bundesfamilienministerium eine Reihe von Maßnahmen und Projekten, die sich mit der Digitalisierung befassen, zum Beispiel das Programm "Zukunftssicherung der freien Wohlfahrtspflege - Digitalisierung" und mehrere Modellprojekte mit digitalem Schwerpunkt im Freiwilligen Sozialen Jahr.

Zusätzlich wird sich die von der Bundesregierung dieses Jahr errichtete Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt dieses Themas annehmen. Neben eigenen Angeboten wie etwa der Beratung und Qualifizierung im Bereich der Digitalisierung für freiwillig Engagierte oder Unterstützung im Kontext der Digitalisierung von Engagement-Organisationen kann die Stiftung Innovationen im Bereich des freiwilligen digitalen Engagements auch finanziell fördern.

Entwicklung des Engagements untersuchen

Die Bundesregierung ist durch Bundestagsbeschluss vom 19. März 2009 aufgefordert, in jeder Legislaturperiode dem Deutschen Bundestag einen wissenschaftlichen Bericht einer unabhängigen Sachverständigenkommission mit Stellungnahme der Bundesregierung vorzulegen, der auf einen Schwerpunkt konzentriert die Entwicklung des Engagements in Deutschland darstellt.

Der Dritte Engagementbericht inklusive der Stellungnahme der Bundesregierung ist jetzt dem Deutschen Bundestag zugeleitet worden.

Der Dritte Engagementbericht bildet den Auftakt einer Reihe von fünf Berichten, mit denen das Bundesfamilienministerium bis zum Ende der Legislaturperiode ein umfassendes Bild der Gesellschaft zeichnen wird: Im Sommer folgt der Altersbericht, im Herbst werden der Familienbericht und der Kinder- und Jugendbericht vorgestellt und im Frühjahr 2021 der Gleichstellungsbericht.