Hilfe und Vernetzung

Frauen vor Gewalt schützen

Hilfesystem und Vernetzungsstellen

In Deutschland stehen gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern mehr als 350 Frauenhäuser sowie über 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6000 Plätzen zur Verfügung. Hinzu kommen 750 Fachberatungsstellen bei Gewalt gegen Frauen.

Für den Aufbau und den Erhalt eines möglichst flächendeckenden Netzes an Hilfsangeboten sowie für die Finanzierung der Infrastruktur zur Unterstützung gewaltbetroffener Frauen sind aufgrund des föderalen Systems die Bundesländer zuständig.

Fachberatungsstellen sind darauf spezialisiert, Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten. Frauenberatungsstellen beraten zu allen Formen von Gewalt, Frauennotrufe sind auf sexualisierte Gewalt spezialisiert, Interventionsstellen werden im Kontext von polizeilichem Schutz und dem Gewaltschutzgesetz tätig. Darüber hinaus gibt es Fachberatungsstellen für Opfer von Frauenhandel sowie weitere auf spezifische Gewaltformen wie zum Beispiel Zwangsverheiratung oder Stalking spezialisierte Fachberatungs- und Kooperationsstellen.

Viele Frauen, die sich aus einer gewalttätigen Beziehung lösen oder die vorübergehend Schutz vor Gewalt suchen, brauchen eine sichere und betreute Unterkunft für sich und ihre Kinder. Frauenhäuser und Frauenschutzwohnungen bieten solche Zuflucht. Jährlich finden rund 15.000 bis 17.000 Frauen mit ihren Kindern - das heißt etwa 30.000 bis 34.000 Personen - in Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen Schutz und Unterstützung. Durch das Gewaltschutzgesetz und durch die Polizeigesetze der Länder haben Opfer rechtlich auch die Möglichkeit, zum Beispiel einen gewalttätigen Partner aus der gemeinsamen Wohnung weisen zu lassen, damit sie selbst in der vertrauten Umgebung bleiben können. Jedoch bietet diese Möglichkeit den Gewaltopfern nicht immer ausreichenden Schutz. Sicherheitsgründe oder das subjektive Empfinden von Bedrohung und Angst können dagegen sprechen, dass die Frau in der Wohnung verbleibt. In solchen Fällen sind Frauen und Kinder darauf angewiesen, dass sie schnell und unbürokratisch Schutz in einem Frauenhaus finden können.

In vielen Bundesländern ergänzen sogenannte Interventionsstellen das Beratungsangebot. Sie beraten Opfer von Gewalt vor allem im Zusammenhang mit einem polizeilichen Einsatz und unterstützen auch im Hinblick auf rechtliche Verfahren nach dem Gewaltschutzgesetz. Die Mitarbeiterinnen gehen dabei auf die Betroffenen zu, stellen für Frauen und Kinder psychosoziale Unterstützungsangebote bereit und erstellen Sicherheitspläne zum Schutz der Opfer.

Am 6. März 2013 hat das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" seine Arbeit aufgenommen. Unter der Telefonnummer 08000 - 116 016 können Frauen, die von Gewalt betroffen sind, Unterstützerinnen und Unterstützer aus dem sozialen Nahraum und Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit der Thematik befasst sind, ein Hilfe- und Unterstützungsangebot nutzen, das bundesweit, kostenlos und rund um die Uhr zur Verfügung steht. Qualifizierte Beraterinnen beraten anonym und barrierefrei, geben Informationen und vermitteln bei Bedarf an Anlaufstellen vor Ort.

Hilfseinrichtungen für gewaltbedrohte und -betroffene Frauen sind bundesweit vernetzt. Das Bundesfrauenministerium unterstützt die Vernetzungsstelle der Frauenhäuser (Frauenhauskoordinierung), die Vernetzungsstelle des Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sowie die Vernetzungsstelle der Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel - KOK), die den Austausch, die enge Kooperation und die Netzwerkbildung von Einrichtungen und Projekten fördern. Dadurch werden der Erhalt und die Weiterentwicklung professioneller und qualifizierter Unterstützungs- und Beratungsangebote für weibliche Gewaltopfer sichergestellt.

Die Vernetzungsstellen bündeln die Expertise und Fachkompetenz der Einrichtungen zur Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen in Deutschland und bringen diese in die politische Diskussion, die Öffentlichkeit und die Gesetzgebung ein. Sie unterstützen auf Bundesebene ihre Mitglieder in ihrer fachlichen und gesellschaftlichen Zielsetzung und leisten Hilfestellungen in rechtlichen Belangen. Darüber hinaus tragen die Vernetzungsstellen zur Schaffung von Strukturen bei, die ein nachhaltig effizientes und wirtschaftliches Handeln der Unterstützungseinrichtungen vor Ort unterstützen sollen.

Durch Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungsangebote zum Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen informieren die Vernetzungsstellen über die Angebote ihrer Mitglieder und sensibilisieren die Öffentlichkeit sowie verschiedene relevante Berufsgruppen für das Thema.