Berufliche Selbstständigkeit

Frauen und Arbeitswelt

Berufliche Selbstständigkeit

Die berufliche Selbstständigkeit von Frauen gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Laut Mikrozensus waren im Jahr 2017 34 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland Frauen. Auch der Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2018 verzeichnete mit 37 Prozent eine hohe Anzahl von Unternehmensgründungen durch Frauen.

Laut Statistischem Jahrbuch 2018 war der Anteil der beruflich selbstständigen Frauen im Jahr 2017 mit sieben Prozent der Erwerbstätigen dennoch nur etwa halb so hoch wie jener der erwerbstätigen Männer, von denen zwölf Prozent selbstständig waren. Ein zentrales Anliegen der Bundesregierung ist es daher, Frauen bei der Existenzgründung zu unterstützen.

Um Unternehmerinnen den Start in die selbstständige Erwerbstätigkeit zu erleichtern, hat das Bundesfrauenministerium gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die bundesweite gründerinnenagentur (bga) eingerichtet. Die bga bündelt Aktivitäten zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen in Deutschland und bietet branchenübergreifend Informationen und Dienstleistungen zu Existenzgründungen, Festigung, Wachstum und Unternehmensnachfolgen an.

Die bga ist mit Regionalverantwortlichen in allen 16 Bundesländern vertreten. Sie vermittelt Gründerinnen und Unternehmerinnen den Zugang zur Expertise von über 500 Beratungseinrichtungen für die Erst- und Orientierungsberatung, zu rund 1300 Fachleuten für die vertiefte Beratung sowie zu 350 Netzwerken.

Das Bundesfrauenministerium fördert darüber hinaus das bga-Projekt "Frauen Unternehmen Zukunft". In drei Projektbausteinen sollen Handlungsempfehlungen zu relevanten Zukunftsfeldern für Gründerinnen wie zum Beispiel Digitalisierung erarbeitet werden. Das Projekt läuft bis Ende 2021.

Im ländlichen Raum stehen Frauen ausbildungsadäquate Jobangebote nicht in gleichem Maße zur Verfügung wie in städtischen Gebieten. Eine selbstständige Erwerbstätigkeit kann deshalb eine Alternative zu abhängiger Beschäftigung sein.

Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) führt mit Unterstützung des Bundesfrauenministeriums das Projekt "Selbst ist die Frau - Existenzgründung als Einkommensperspektive für Frauen im ländlichen Raum" durch. Ziel ist, Ansprechpartnerinnen für Gründerinnen und gründungswillige Frauen im ländlichen Raum zu schulen und Netzwerke für Gründerinnen im ländlichen Raum zu etablieren. Dabei sollen die neuen Beraterinnen auch die Schnittstelle zu bereits vorhandenen Informations- und Beratungsangeboten für Gründerinnen bilden. Das Projekt läuft bis Ende 2020.

Bis zum Jahr 2022 planen über eine halbe Million Inhaber und Inhaberinnen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine Unternehmensnachfolge (KfW Research vom 23.01.2018). Damit Frauen bei Unternehmensübergaben künftig verstärkt zum Zuge kommen, hat die Bundesregierung die Kampagne "Nachfolge ist weiblich!" initiiert. Im Rahmen der Kampagne wird jährlich am 21. Juni der Nationale Aktionstag zur Unternehmensnachfolge durch Frauen durchgeführt mit regionalen Veranstaltungen und Aktionen bundesweit wie zum Beispiel Podiumsdiskussionen, Infotelefon, Beratungen und Live-Chats mit erfolgreichen Betriebsübernehmerinnen.

Das Projekt "Frauen mit Fluchterfahrung gründen" nimmt Gründerinnen mit Fluchterfahrung in den Fokus. Mit einer Laufzeit bis 2019 geht es neben der Vermittlung von Kenntnissen im Projektmanagement darum, die kommunikativen Kompetenzen von Gründerinnen zu stärken. Ein weiteres Ziel ist es, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Belange von Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung zu sensibilisieren. Mit der Präsenz von migrantischen Existenzgründerinnen in den (neuen) Medien entstehen wichtige Vorbilder. Um die Bedarfe der Zielgruppen besser zu erkennen, wird das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Im Vorgängerprojekt "MIGRANTINNEN gründen" unterstützte das Bundesfamilienministerium von 2015 bis 2016 Migrantinnen auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit. Die Erkenntnisse aus dem Modellprojekt sind im Handbuch "Leitfaden und praxisorientierte Vorschläge aus dem Projekt MIGRANTINNEN gründen" zusammengefasst.

Aktuell erfolgt jede vierte Gründung im Handwerk durch eine Frau, davon der überwiegende Teil im Friseur- und Kosmetikhandwerk. Die große Vielfalt der gewerblich-technischen Handwerksberufe ist viel zu wenig bekannt, obwohl gerade sie angehenden Handwerks-Chefinnen - zum Beispiel als Optikerin oder Hörgeräteakustikerin - gute Karrierechancen bietet. Weibliche Vorbilder sind hier jedoch noch selten.

Die Roadshow "Meine Zukunft: Chefin im Handwerk" zeigt am Beispiel von erfolgreichen Chefinnen im Handwerk Vorbilder, um junge Frauen dazu zu ermutigen, die Vision eines eigenen Handwerksunternehmens zu entwickeln und kreative Ideen umzusetzen. Die interaktive Ausstellung tourt seit 2011 durch Deutschland und wird in den Handwerkskammern, aber auch in Landes-, Bildungs- und kommunalen Einrichtungen und den Agenturen für Arbeit gezeigt. Die Roadshow ist ein Projekt des Bundesfamilienministeriums und Teil der untergesetzlichen Maßnahmen im Themenbereich "Frauen in Führungspositionen".