Frauen und Arbeitswelt Quote für mehr Frauen in Führungspositionen: Privatwirtschaft

Seit der Einführung des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) im Jahr 2015 hat sich in den Führungsetagen der Unternehmen in Deutschland viel bewegt. Doch die Fortschritte sind weiter zu langsam. Besonders bei der den Vorständen besteht Aufholbedarf: In den 2101 Unternehmen, die im Geschäftsjahr 2017 unter die FüPoG-Regelung fielen, betrug der Frauenanteil in den Vorständen 7,7 Prozent. Eine überwiegende Mehrheit der Unternehmen (1695 Unternehmen, 80,7 Prozent) hatte keine Frau im Vorstand. 78,2 Prozent der Unternehmen gaben sich entweder gar keine Zielgröße oder die Zielgröße Null für den Frauenanteil im Vorstand. Verbindliche Vorgaben sind daher ein wichtiges Instrument für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen. Zu diesem Ergebnis kommt auch ein unabhängiges Evaluationsgutachten zur Wirkungsweise des FüPoG.

Das Erste Führungspositionen-Gesetz - zwei Säulen für eine gleichberechtigte Teilhabe

Das FüPoG für die Privatwirtschaft basiert seit 2016 auf zwei Säulen.

1. Eine feste Geschlechterquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte

Werden Aufsichtsratsposten in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen neu besetzt, müssen sie mit einer Frau besetzt werden, wenn ihr Anteil unter 30 Prozent beträgt. In Deutschland trifft dies auf über rund 100 Unternehmen zu. Von der Quote erfasst sind in der Regel Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und einem von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite paritätisch besetzten Aufsichtsrat.

Wird die Quotenvorgabe bei einer Aufsichtsratswahl nicht beachtet, bleiben die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Plätze unbesetzt ("Leerer Stuhl"). Bisher ist jedoch noch kein Stuhl leer geblieben, weil die Unternehmen die Regeln eingehalten haben.

2. Zielgrößenverpflichtungen für Unternehmen

Das FüPoG verpflichtet rund 2000 Unternehmen in Deutschland, sich Zielgrößen für mehr Frauen in Führungspositionen - auch im Vorstand zu setzen. Die Unternehmen müssen für ihre Aufsichtsräte, Vorstände und obersten Management-Ebenen Ziele bestimmen und darüber öffentlich in ihrem Lagebericht informieren.

Eine Mindestzielgröße gibt es nicht. Vielmehr müssen Unternehmen eigene Ziele definieren. Allerdings darf die Zielquote nicht unter dem aktuellen Frauenanteil liegen - solange dieser noch unter 30 Prozent liegt. Die Unternehmen müssen sich auch Fristen zur Erreichung der eigenen Ziele festlegen. Für alle Fristen gilt ein maximaler Zeitraum von fünf Jahren.

Weiterentwicklung des Gesetzes

Um die bereits erreichten Fortschritte weiter auszubauen, hat die Bundesregierung im Januar 2021 eine Novelle des Gesetzes beschlossen. Das Ziel ist, den Anteil von Frauen in Führungspositionen, vor allem bei den Vorständen, weiter zu verbessern. Der Gesetzentwurf zur Ergänzung und Änderung der Regelungen für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen, das sogenannte Zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II), liegt dem Deutschen Bundestag zur Beratung vor. Das Gesetz soll noch 2021 in Kraft treten.

Die wichtigsten Punkte des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes

Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen müssen künftig mindestens eine Frau in den Vorstand berufen, wenn ihr Vorstand aus mehr als drei Personen besteht (Mindestbeteiligungsgebot). Von dieser Regelung werden rund 70 Unternehmen betroffen sein, von denen bei mehr als 30 aktuell keine Frau im Vorstand tätig ist.

  • Unternehmen werden künftig begründen müssen, wenn sie sich für den Vorstand null Frauen als Ziel setzen.
  • Wenn Unternehmen keine Zielgröße melden oder keine Begründung für die Zielgröße Null angeben, können sie härter sanktioniert werden. Bisherige Schlupflöcher werden geschlossen.

Außerdem will der Bund mit gutem Beispiel vorangehen und Männern und Frauen gleiche Führungs- und Aufstiegschancen ermöglichen.

  • Daher weitet das FüPoG II die feste Geschlechterquote von 30 Prozent auf Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes aus. Damit wird, Stand Januar 2021, die Aufsichtsratsquote künftig zusätzlich für 94 Unternehmen des Bundes gelten.
  • Für die Unternehmen mit einer Mehrheitsbeteiligung des Bundes wird eine Mindestbeteiligung von einer Frau in Vorständen mit mehr als zwei Mitgliedern eingeführt.
  • Auch in Körperschaften des öffentlichen Rechts wie den Krankenkassen und bei den Renten- und Unfallversicherungsträgern sowie bei der Bundesagentur für Arbeit wird eine Mindestbeteiligung von einer Frau in mehrköpfigen Vorständen eingeführt.

Verbindliche Vorgaben wirken, freiwillig tut sich nichts

Trotz des Entwicklungsbedarfes des seit fünf Jahren geltenden FüPoG zeigt sich: Verbindliche Vorgaben wirkten. Der Frauenanteil an Führungspositionen ist in den mehr als 100 Unternehmen, die unter die feste Geschlechterquote für die Aufsichtsräte fallen, deutlich schneller und höher gestiegen als in den Unternehmen, die sich nur freiwillige Zielgrößen setzen müssen.

Der aktuelle Frauenanteil in Unternehmen, die unter die Quotenregelung fallen, beträgt 35,4 Prozent. 2015 lag er bei nur 25 Prozent. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten ohne feste Quote, beträgt dagegen nur 19,9 Prozent. Auch haben sich die Quoten-Unternehmen vermehrt Zielgrößen gesetzt, die zudem ambitionierter ausfielen. All das zeigt die Vierte Jährliche Information der Bundesregierung.

Jährliches Monitoring

Die Bundesregierung überprüft die Umsetzung des Führungspositionen-Gesetzes und den Fortschritt der Unternehmen und informiert darüber transparent in jährlichen Monitoringberichten. Grundlage für die Auswertung der Privatwirtschaft bilden die von den Unternehmen selbst veröffentlichten Angaben in den Erklärungen zur Unternehmensführung nach dem Handelsgesetzbuch.