Patenschaften

Menschen stärken Menschen

Patenschaften

Eine junge Frau und ein Mädchen sitzen gemeinsam am Tisch und lösen eine Aufgrabe
Patenschaften unterstützen Menschen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und ihre Potenziale zu entfalten© iStock/Deborah Cheramie

Schon lange unterstützen Freiwillige in ganz Deutschland junge Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund erfolgreich durch Lesepatenschaften, Hausaufgabenhilfe oder gemeinsame Freizeitaktivitäten. Auch den Übergang von der Schule in die Ausbildung oder in den Beruf begleiten zahlreiche Projekte. Im Bereich Patenschaften und Mentoring sind daher bereits wertvolle Erfahrungen und Strukturen vorhanden, auf denen weiter aufgebaut werden kann. Das Bundesfamilienministerium setzt mit dem Bundesprogramm "Menschen stärken Menschen" genau hier an und unterstützt neben Patenschaften für Geflüchtete seit 2018 auch Patenschaften für Menschen, die sich in benachteiligenden Lebenssituationen befinden.

Patenschaften sollen diese Menschen unterstützen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und ihre Potenziale entfalten zu können. Menschen, denen eine Perspektive für die Zukunft fehlt, werden unterstützt, damit sie gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Geflüchtete Menschen werden begleitet, damit sie die Anforderungen des Alltags selbstständig besser bewältigen können. Eine zentrale Rolle spielen dabei Patinnen und Paten. Sie leisten mit ihrem Einsatz als Tandempartner oder Tandempartnerin einen Beitrag zur nachhaltigen Stärkung Bürgerschaftlichen Engagements.

Die zahlreichen existierenden Ansätze und Programme im Bereich von Patenschaften und Mentoring unterstützt der Bund mit dem Patenschaftsprogramm "Menschen stärken Menschen". Es soll den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, Teilhabechancen verbessern und mehr Bildungsgerechtigkeit ermöglichen. Durch Vernetzung, Wissenstransfer und die Stärkung der lokalen Engagementlandschaft wird bürgerschaftliches Engagement nachhaltig gefördert. Das Programm beinhaltet folgende Maßnahmen:

  • Aufbau, Qualifizierung und Begleitung von Patenschafts-Tandems
  • Förderung eines systematischen Wissenstransfers zwischen den Programmträgern
  • Weiterentwicklung und Umsetzung von Qualitätsstandards für Patenschaftsprogramme

Das Patenschaftsprogramm "Menschen stärken Menschen" wird von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen mitgetragen. Hierzu zählen die freien Wohlfahrtsverbände, Organisationen aus dem Stiftungssektor, Migrantenorganisationen und weitere Akteure wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen sowie Mehrgenerationenhäuser. Ziel ist es, das Programm mit weiteren Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf ein breites Fundament zu stellen.

Eine ausführliche Liste der Programmträger inklusive Erläuterungen zu den einzelnen Projekten sowie Ansprechpartnerinnnen und Ansprechpartnern ist hier abrufbar.

Das Patenschaftsprogramm wird von folgenden Organisationen mitgetragen:

Freiwilligenagenturen, Vereine und weitere Akteure der Zivilgesellschaft

Stiftungssektor

Freie Wohlfahrtsverbände

Migrantenorganisationen

Mehrgenerationenhäuser

Eine Patenschaft kann man mit einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis vergleichen. Rechtlich gibt es keine Auflagen. Die Gestaltung der Patenschaft richtet sich ganz nach den Bedürfnissen der vom Bundesprogramm angesprochenen Menschen und den Möglichkeiten der Patinnen oder Paten. Gemeinsame Aktivitäten der Tandems sind beispielsweise Hausaufgabenbetreuungen, Berufsorientierungstrainings oder Besuche von Kulturveranstaltungen oder aber Begleitung zu Behörden, Nachhilfe, Unterstützung beim Deutschlernen oder gemeinsames Kochen - vieles ist möglich. Trotzdem empfiehlt es sich, Aufgaben und Vereinbarungen zu besprechen und gegebenenfalls festzuhalten.

Wer Lust und Zeit hat, sich um einen anderen Menschen zu kümmern, erfüllt bereits wichtige Bedingungen für eine Patenschaft. Außerdem sollten Interessierte über soziale und kommunikative Kompetenzen verfügen und Offenheit für andere Kulturen mitbringen. Dazu kommt die Fähigkeit zum selbstständigen Gestalten der Patenschaftsbeziehung. Wichtig sind auch Verantwortungsbewusstsein und Verbindlichkeit, denn diese Menschen brauchen verlässliche Partnerinnen und Partner. Wer eine Patenschaft übernimmt, sollte in den nächsten Monaten vor Ort sein und ein paar Stunden Zeit pro Woche einplanen. Wenn das Patenkind minderjährig ist, muss die Patin oder der Pate volljährig sein. Auch ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge wird verlangt.

Damit Menschen eine passende Patin oder einen passenden Paten finden, führen die Organisationen bei der Zusammenführung ein "Matching" durch. Die bisherigen Lebenserfahrungen der Betroffenen können dennoch beide Seiten der Patenschafts-Tandems vor Herausforderungen stellen. Patinnen und Paten werden daher durch die jeweilige Organisation unterstützt, zum Beispiel bei Fragen zu Versicherungen oder zum Kinder- und Jugendschutz. Es gibt auch Möglichkeiten zum Austausch bei Stammtischen oder gemeinsamen Aktivitäten sowie Qualifizierungs- und Supervisionsangebote. Die Tätigkeit der Patinnen und Paten erfolgt unentgeltlich.

Wenn eine Patenschaft für eine minderjährige Person übernommen wird, ist die schriftliche Einwilligung eines Elternteils erforderlich. Zuvor muss die Patin oder der Pate ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegen. In einigen Städten und Kommunen ist auch ein Gesundheitsattest notwendig.

Sofern eine Patenschaft für einen unbegleiteten ausländischen Minderjährigen geplant ist, sollte eine besondere Sensibilität für dessen außergewöhnliche bisherige Lebenserfahrungen mitgebracht werden. Die Patin oder der Pate sollte Erfahrung haben im Umgang mit Jugendlichen, Menschen aus anderen Kulturkreisen offen begegnen und Verständnis für Verhaltensweisen aufbringen, die aus starker Belastung resultieren können.

Die Patenschaften für unbegleitete ausländische Minderjährige werden in der Regel von den zuständigen Jugendämtern oder freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe vermittelt.

Für unbegleitete ausländische Minderjährige gelten besondere Bedingungen. Bislang sind diese Patenschaften noch nicht flächendeckend in die Kinder- und Jugendhilfe integriert. Dort, wo sie bereits installiert sind, durchlaufen die Patinnen und Paten eine Vorbereitung und Schulung, die regional unterschiedlich intensiv und umfänglich gestaltet sein kann. In fast allen Schulungen kommen folgende Themen vor:

  • Aufgaben und Besonderheiten einer Patenschaft
  • Stationen eines jungen Flüchtlings im asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren
  • psychosoziale Situation von Jugendlichen mit Fluchterfahrung
  • Traumata und ihre Auswirkungen
  • Überblick über die Versorgungs- und Angebotsstruktur vor Ort
  • Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Vorbereitung erfolgt durch Gespräche bei den Patinnen und Paten zu Hause, bei einem freien Träger, in Einzelkontakten und/oder in Gruppen. Der gesamte Prozess der Beratung und Qualifizierung kann mehrere Wochen dauern.

Patinnen und Paten haben während ihrer Tätigkeit keinen gesetzlich festgelegten Anspruch auf regelmäßige und bedarfsentsprechende Beratung und Unterstützung oder eine Aufwandsentschädigung; zum Teil wird dies in den Jugendämtern dennoch vorgesehen.

Es ist auch möglich, eine ehrenamtliche Vormundschaft für unbegleitete ausländische Minderjährige zu übernehmen.

Grundsätzlich gibt es keine Ausschlusskriterien. Alle Menschen, die sich einer gesellschaftlich sinnstiftenden Aufgabe wie dieser widmen wollen, sind willkommen.

Es kann allerdings förderlich sein, sich bereits im Vorfeld mit folgenden grundsätzlichen Fragen beschäftigt zu haben:

  • Verfüge ich über ausreichend Zeit und bin ich bereit, diese einzusetzen?
  • Macht es mir Freude, mich für einen anderen Menschen einsetzen zu können?
  • Bin ich bereit, mich mit ungewohnten Verhaltensweisen auseinanderzusetzen?
  • Kann ich es aushalten, mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert zu werden?

Weitere Informationen über Patenschaften stehen auf folgenden Seiten: