Neunter Familienbericht

Vater und Sohn liegen zusammen auf dem Sofa

Starke Familien für ein starkes Land

"Eltern wollen ihren Kindern 'gute Eltern' sein. Sie wollen, dass ihre Kinder alle Chancen im Leben haben. Dafür brauchen sie eine familienfreundliche Gesellschaft, in der Familie und Beruf gut miteinander vereinbart werden können und die Chancen auf gute Betreuung und Bildung gleich verteilt sind. Das ist unser Auftrag, dafür arbeiten wir."

Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin
Ein Junge legt den Arm um seine Mutter, die ihn vor einer Bücherwand hochhebt

Nachhaltige Familienpolitik bewährt sich - gerade in Krisenzeiten

Die Corona-Pandemie zeigt uns ganz aktuell, wie wichtig die Themen des Neunten Familienberichts für unsere Gesellschaft sind. Für viele Familien ist die Pandemie eine große Belastung und verlangt ihnen viel ab. Kitas und Schulen sind zeitweise geschlossen, der Alltag muss unter schwierigen Bedingungen und mit vielen Einschränkungen neu organisiert werden. Hinzu kommen finanzielle Sorgen: durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder durch Kurzarbeit. Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Familienpolitik Eltern auch in Krisenzeiten stärkt. Unterstützungsleistungen für Familien konnten schnell an die neue Lage angepasst werden, zum Beispiel mit dem Notfall-Kinderzuschlag oder einem flexibleren Elterngeld. Die aktuelle Situation hat vor allen Dingen bestätigt, wie wichtig eine gute und verlässliche Betreuungsinfrastruktur für Eltern ist. Dass sich Eltern auf Betreuungs- und Bildungseinrichtungen verlassen können, erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile. Außerdem sind die finanziellen Risiken durch Jobverlust oder Kurzarbeit geringer, wenn beide Eltern arbeiten. Eltern kommen besser durch solche Krisen, wenn sie finanzielle Risiken und Verantwortung partnerschaftlich teilen können.

Eine Mutter sitzt mit ihrer kleinen Tochter lachend vor einem Laptop

Eltern sein heute - Herausforderung Alltag

Die Welt um uns herum verändert sich. Mit ihr verändert sich auch das Familienleben. Was bleibt, ist, dass die Kinder für Eltern im Mittelpunkt stehen. Als Eltern wollen sie die beste Erziehung, Bildung und Förderung für ihre Kinder. Und jedes Kind hat eigene Bedürfnisse, die gesehen werden wollen.

Dieser Anspruch an gute Erziehung steht aber einem veränderten Alltag gegenüber. Nicht allen Ansprüchen können Eltern immer gerecht werden. Ihnen fehlt die Zeit, das Geld oder das Wissen. Dadurch ergeben sich ungleiche Bedingungen für Familien und für das Aufwachsen von Kindern, die es auszugleichen gilt. Damit es jedes Kind packt.

Worin sehen Eltern die Ursachen für gestiegene Erwartungen an das "Elternsein"?

Balkendiagramm ... Prozentuale Verteilung ...

Was Familien brauchen: Zeit, Geld und gute Kinderbetreuung

Eine Mutter zieht ihrem Sohn in der Kita Haussschuhe an
© BMFSFJ

Der Neunte Familienbericht sieht drei Punkte als zentral an, um Familien bei den täglichen Herausforderungen zu unterstützen:

Gute, passende und verlässliche Kinderbetreuung

Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, ist heute die größte Herausforderung für Familien. Eine gute Kinderbetreuung ist Voraussetzung dafür, dass Mütter und Väter beide arbeiten können. Mit dem Gute-KiTa-Gesetz unterstützt der Bund den Ausbau der Kindertagesbetreuung in den Bundesländern. Diese können selbst darüber entscheiden, wofür sie die bis 2022 zur Verfügung gestellten 5,5 Milliarden Euro des Bundes verwenden: für einen besseren Betreuungsschlüssel, neue Räume und Ausstattung, erweiterte Öffnungszeiten oder Entlastungen der Eltern bei den Kita-Gebühren. Die Sachverständigenkommission für den Familienbericht empfiehlt darüber hinaus den Ausbau ganztägiger Betreuungs- und Bildungsangebote für Grundschulkinder. Der für 2025 geplante Rechtsanspruch auf ein Ganztagsangebot für Grundschüler stellt dafür die Weichen.

Verantwortung partnerschaftlich teilen

Die Zeit in der Familie partnerschaftlich aufzuteilen, ist für viele Eltern noch immer eine Herausforderung. Viele Mütter möchten gerne in Vollzeit arbeiten oder ihre Teilzeit ausweiten. Auf der anderen Seite würden viele Väter gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Genau da setzen das Elterngeld und das ElterngeldPlus mit dem Partnerschaftsbonus an: Väter können mit der Elternzeit mehr Zeit mit der Familie verbringen und Mütter schneller wieder in ihren Beruf zurückkehren. Mit einer Reform des Elterngeldes wird die Flexibilität für Eltern ab September 2021 noch erhöht. Die Sachverständigenkommission für den Familienbericht empfiehlt darüber hinaus, beim Elterngeld noch stärkere Anreize für eine partnerschaftliche Aufgabenteilung zu setzen, zum Beispiel durch ein dynamisiertes Elterngeld.

Leistungen für Familien leichter zugänglich machen

Damit alle Familien gleiche Chancen haben, ist ihre finanzielle und soziale Sicherheit wichtig. Für Eltern mit kleinem Einkommen muss finanzielle Unterstützung einfach zugänglich sein. Der Bund unterstützt Familien mit verschiedenen Leistungen, wie dem Elterngeld, dem Kindergeld, dem Kinderzuschlag, dem Bildungs- und Teilhabepaket oder dem Unterhaltsvorschuss. Das Elterngeld oder der Kinderzuschlag können bereits online beantragt werden. Die Sachverständigenkommission empfiehlt die Bündelung von Leistungen und den Abbau von Schnittstellen, damit noch mehr Familien zu ihrem Recht kommen.

Kompetenzen der Eltern sehen und stärken

Eltern sind immer für ihre Kinder da. Mütter und Väter geben ihr Bestes, ihren Kindern all das mit auf den Weg zu geben, was sie für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit, ihre sozialen Kompetenzen und eine solide Bildung brauchen. Aber auch Eltern brauchen manchmal Rat und Unterstützung. Weil sie nicht alles alleine meistern können und auch nicht müssen, unterstützt Familienbildung und -beratung genau da, wo Eltern Hilfe brauchen: bei schwierigen Erziehungssituationen, schulischen Problemen, dem Umgang mit digitalen Medien oder in Fragen zum Kinderrecht.

Institutionen und Eltern verbinden

Eltern sind nicht allein. Sie teilen sich die Verantwortung für eine gute Entwicklung ihrer Kinder mit Kindertagesbetreuungen und Schulen. Der Familienbericht gibt Empfehlungen ab, um das Zusammenwirken zwischen Eltern und den Institutionen zu stärken. Durch ein gutes Zusammenspiel können vor allem Eltern mit Schulkindern entlastet werden. Dazu gehört eine gute, kooperative und respektvolle Lehrer-Eltern-Beziehung. Entscheidend ist aber auch die Unterstützung durch gemischte pädagogische Teams, die Lehrerinnen und Lehrer darin unterstützen, gemeinsam mit Eltern und Kindern den Schulalltag und wichtige Entscheidungen zu bewältigen.

Passgenaue Beratungs- und Bildungsangebote für Eltern

Passende Angebote für Probleme, die so vielfältig sind wie das Leben der Familien, sind wichtige Instrumente, um Familien zu unterstützen. Die Sachverständigenkommission des Neunten Familienberichtes empfiehlt, auch hier Hürden abzubauen, damit Angebote auch alle Eltern gleichermaßen erreichen: digital, mobil und direkt. 

Familienbildung und Elternbegleitung stärken

Eltern in ihren Kompetenzen zu stärken, ist ein wichtiger Baustein der Familienpolitik. Programme wie "Elternchance II - Familien früh für Bildung gewinnen" mit mittlerweile 13.000 qualifizierten Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern unterstützen ganz gezielt Familien mit kleinem Einkommen oder Familien, die sich in besonderen Lebenslagen befinden. Die Bundesstiftung Frühe Hilfen fördert Netzwerke für frühe Hilfen und kümmert sich um die Unterstützung von werdenden und jungen Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahre. Der Neunte Familienbericht empfiehlt, dass solche Hilfen auch für Eltern mit älteren Kindern und auf die Hilfe an Schulen ausgeweitet werden.

Lebensformen, in denen minderjährige Kinder leben

Lebensformen, in denen minderjährige Kinder leben Prozentuale Verteilung ...
Eine Muslima füllt mit ihrer Tochter zusammen ein Dokument aus

So bunt wie das Leben - Vielfalt von Familien

Familie ist heute vielfältiger und bunter als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Immer mehr Kinder wachsen nur bei einem Elternteil auf und auch die Zahl der Patchwork- und Regenbogenfamilien steigt. Und jede dritte Familie hat mindestens einen Elternteil mit einer Einwanderungsgeschichte. Die vielen Formen und Möglichkeiten, aus denen Elternschaft und Familie entstehen können, gehen über das klassische Bild von Vater, Mutter, Kind hinaus.

So bunt und vielfältig Familien in Deutschland auch sind, alle Eltern wollen dasselbe: Dass es ihren Kindern gut geht. Genau da will das Bundesfamilienministerium unterstützen.

Wir sind Familie: Wege in die Elternschaft

Familien beschränken sich nicht mehr nur auf eheliche Partnerschaften oder auf nur einen Haushalt. Dennoch sind traditionelle Rollen und gesellschaftliche Normen noch fest verankert.

Die Vielfalt der Familienformen auch im Recht anzuerkennen, ist deshalb ein wichtiger Schritt. Im Mittelpunkt sollte die Frage stehen, was alle Familien brauchen - ganz egal, wie sie sich zusammensetzen. Die Sachverständigenkommission regt an, die Übernahme von Elternverantwortung innerhalb wie außerhalb der Ehe sowohl durch verschieden- als auch durch gleichgeschlechtliche Paare rechtlich voll anzuerkennen. Auch soziale Elternschaft sollte im Recht Beachtung finden.

Gelebte Vielfalt: Familien mit Migrationshintergrund

Kinder in Familien mit Migrationshintergrund machen rund ein Drittel aller Kinder in Deutschland aus. 14 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund haben eine eigene Migrationserfahrung, das heißt, sie sind in einem anderen Land geboren. Für eine erfolgreiche Integration, von der alle profitieren, sind gute Startbedingungen und gleichberechtige Teilhabemöglichkeiten für Familien mit Migrationshintergrund besonders wichtig. Ein gutes Beispiel ist das Bundesprogramm "Sprach-Kitas", die bundesweit die sprachliche Bildung und Zusammenarbeit mit Familien in den Kitas fördern. Sie zeigen die Bedeutung einer guten Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und Eltern. Denn Sprache ist ein Schlüssel zu Bildung und Freundschaften. Bereits jetzt ist jede zehnte Kita in Deutschland eine Sprach-Kita, das sind mehr als 6000. Der Bericht empfiehlt begleitende Elternarbeit im Hinblick auf Sprachförderung als zusätzliches Angebot.

Familienpolitik - Eine Investition in die Zukunft

Ein älterer Mann spielt mit seinem Enkel Armdrücken
© BMFSFJ

Die Gesellschaft ist im Wandel. Vielfältige Familienkonstellationen, veränderte Rollenbilder, der Wunsch nach guter Kinderbetreuung und nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf prägen die Anforderungen an eine moderne Familienpolitik. Für das Bundesfamilienministerium stehen Kinder und ihre Bedürfnisse klar im Mittelpunkt - egal, in welcher Familie sie aufwachsen. Allen Eltern und Kindern in Deutschland soll es gut gehen.

Jeder Euro, den wir heute in die Förderung von Kindern und in gute Bedingungen für erwerbstätige Eltern investieren, ist gut angelegtes Geld. Nur durch die Investition in Familien und Kinder kann die "Vererbung" von Armut und Ungleichheit durchbrochen werden. Chancengleichheit für Kinder und Familien ist deshalb die zentrale Aufgabe für eine nachhaltige Familienpolitik.

Titelseite Neunter Familienbericht

Eltern sein in Deutschland - Kurzfassung

"Eltern sein in Deutschland“ - der Neunte Familienbericht bietet einen Überblick über die wichtigsten gesellschaftlichen Trends, die das Familienleben in Deutschland bestimmen und gibt Empfehlungen für eine wirksame Familienpolitik.