EuroPride 2022

Sven Lehmann: Gewalttätige Übergriffe müssen aufgeklärt werden

Porträt von Sven Lehmann
Sven Lehmann© Bundesregierung/Steffen Kugler

Am 17. September demonstrierten in Belgrad über 2.000 Menschen unter massivem Polizeiaufgebot für die Rechte der serbischen lesbischen, schwulen, bi-, trans-, intersexuellen und queeren (LSBTIQ*)-Community, darunter auch viele europäische und nationale Botschafter*innen und Politiker*innen. Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, war ebenfalls bei der EuroPride 2022 und hat am Pride March teilgenommen. Nach dem Abschlusskonzert kam es zu gewalttätigen Übergriffen, die offenbar nur unzureichend von der Polizei unterbunden wurden.

Sven Lehmann: "Ich bin zutiefst beeindruckt von dem Mut und der Entschlossenheit der serbischen Aktivist*innen, die bis zuletzt um diesen öffentlichen Pride March verhandeln mussten. Gemeinsam mit der serbischen Community zu demonstrieren war der bewegende Höhepunkt der EuroPride 2022 in Belgrad.

Die serbische Community hat sich weder von den nationalistischen und christlich-orthodoxen Protesten noch dem Schlingerkurs der serbischen Regierung einschüchtern lassen. Dass die serbische Regierung bis zuletzt gezögert hat, ein klares Bekenntnis für den Schutz und das Recht auf Versammlungsfreiheit abzugeben zeigt, dass Serbien an einem Scheideweg steht. So umkämpft wie in diesem Jahr war ein Pride March in Belgrad schon lange nicht mehr. Umso wichtiger waren die internationale Aufmerksamkeit und Solidarität vor Ort. Diese Aufmerksamkeit darf nun nicht nachlassen. Die gewalttätigen Übergriffe nach dem Pride March müssen ebenso aufgeklärt werden wie mögliches Fehlverhalten von Polizeikräften.

Im serbischen Kabinett liegen wichtige Gesetzesvorlagen für die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare und von trans- und intergeschlechtlichen Menschen. Diese sollten nun zügig verabschiedet werden. Gleiches gilt für Maßnahmen zur Bekämpfung von Hassgewalt. In diesem Kampf um rechtlichen Schutz und gesellschaftliche Akzeptanz hat die serbische Community Deutschland und die Europäische Union an ihrer Seite."