Studie "Hohes Alter in Deutschland"

In der Pandemie nehmen Hochbetagte ihre Lebenssituation unterschiedlich wahr

Paar bei Videotelefonie
Ein Viertel der hochaltrigen Menschen nutzt digitale Angebote© iStock/Jovanmandic

Hochaltrige Menschen über 80 Jahre erleben die Veränderungen durch die Corona-Pandemie zumeist als Belastung - aber sie machen auch positive Erfahrungen. So haben viele ältere Frauen und Männer Angst oder fühlen sich hilflos. Es gibt aber auch diejenigen, die in der Pandemie ihr Wohlbefinden aufrechterhalten - aktiv durch individuelle Bewältigungsmechanismen. Das ist eines der Ergebnisse der vom Bundesseniorenministerium geförderten Studie "Hohes Alter in Deutschland" (D80+), die über drei Jahre angelegt ist.

Erfahrungen sind sehr unterschiedlich

Zur Studie liegt nun der erste Bericht "Wahrgenommene Auswirkungen der Coronapandemie auf die Lebenssituation älterer Menschen" vor. Er zeigt, dass die Erfahrungen Hochbetagter sehr unterschiedlich sind. Während manche zu Corona-Zeiten weniger soziale Unterstützung erhalten, bekommen andere mehr Hilfe als sonst. Die Kontaktbeschränkungen wurden überwiegend als Belastung wahrgenommen. Daneben gibt es aber auch positive Veränderungen, beispielsweise in der wahrgenommenen gesellschaftlichen Wertschätzung.

Immer mehr Menschen erreichen in Deutschland ein sehr hohes Alter, aktuell sind 5,9 Millionen Menschen über 80 Jahre alt. Dennoch ist über die Lebensqualität der Hochaltrigen wenig bekannt. Insbesondere in Zeiten von COVID-19 ist es notwendig, ein aktuelles Bild der Lebensqualität hochaltriger Menschen zu erhalten. Der erste Bericht des D80+-Projektes beschreibt die Veränderungen, die sehr alte Menschen selbst wahrgenommenen haben während der Pandemie. Er basiert auf Angaben von mehr als 10.000 zufällig ausgewählten Personen ab 80 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Zwischen November 2020 und April 2021 wurden sie befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts:

  • Insgesamt fünf Prozent der über 80-Jährigen berichten von einer eigenen Corona-Erkrankung. Insbesondere Frauen, Personen in älteren Altersgruppen und Heimbewohnerinnen und -bewohner sind häufiger erkrankt als andere.
  • Abstandsregelungen und Kontaktbeschränkungen sind das wichtigste Thema. Sozialen Kontakten und Zusammenhalt kommt eine immer größere Bedeutung zu. Erfreulich ist: Das Vertrauen in die eigene Nachbarschaft ist für einen erheblichen Teil der sehr alten Menschen in der Pandemie noch gestiegen.
  • Die meisten hochaltrigen Menschen geben an, dass sich ihre Lebenssituation in wichtigen Lebensbereichen durch die Pandemie nur wenig verändert hat.
  • Lange Lebenserfahrung und biographische Ereignisse wie Kriegs- und Nachkriegszeit helfen Hochbetagten, Erkrankungen und Einschränkungen zu bewältigen.
  • Viele sehr alte Menschen konnten von der pandemiebedingten Ausweitung digitaler Angebote nicht profitieren. Nur ein Viertel der hochaltrigen Menschen, die online sind, berichten über Veränderungen in der eigenen Nutzung des Internets durch die Corona-Pandemie.

Neun weitere Kurzberichte sind geplant

Die Studie "Hohes Alter in Deutschland" (D80+) wird vom Bundesseniorenministerium gefördert und vom Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) sowie dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) durchgeführt.

Bis Herbst 2022 sollen neun weitere Kurzberichte folgen, die die Themen soziale Ungleichheit und Einkommensungleichheit, digitale Teilhabe, Gesundheits- und Krankheitserleben, Versorgung von Menschen mit Demenz, Einsamkeit, soziale Unterstützung, Wohnumfeld und Alltagskompetenz, Präferenzen und Wünsche sowie Zufriedenheit und Wohlbefinden in den Blick nehmen.