Frauen vor Gewalt schützen

Fachkonferenz informiert zum Thema weibliche Genitalverstümmelung

Junge Frau hält abwehrend beide Hände von sich gestreckt
Zum Schutz von Mädchen und Frauen vor weiblicher Genitalverstümmelung braucht es mehr Aufklärung und Frühwarnsysteme © iStock/Deagreez

Am 14. September hat die interdisziplinäre Fachtagung "Genitalverstümmelung: Wirksame Hilfe und Schutz für Frauen und Mädchen in Thüringen" von SAIDA International e.V. an der Universität Erfurt stattgefunden. Die Konferenz war auf Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendschutz, psychosoziale Dienste und Hilfen für Geflüchtete ausgerichtet.

Bundesfrauenministerin Lisa Paus begrüßte die Teilnehmenden mit einem Videogrußwort. Auf der Fachkonferenz informierte SAIDA auch über zentrale Elemente des Modellprojektes "Prävention und Hilfe bei Genitalverstümmelung in Mitteldeutschland". Ziel des Projektes ist es, betroffenen und gefährdeten Mädchen und Frauen über ein mobiles Beratungsteam einen leichteren und nachhaltigen Zugang zur Hilfelandschaft zu ermöglichen.

Lisa Paus: "Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie verletzt die körperliche und seelische Unversehrtheit der betroffenen Frauen und Mädchen massiv. Viele von ihnen leiden ihr Leben lang unter den Folgen. Aus dem Bundesinnovationsprogramm 'Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen' fördern wir deshalb das Modellprojekt 'Prävention und Hilfen bei Genitalverstümmelung in Mitteldeutschland' des Vereins SAIDA. Um betroffene und gefährdete Frauen gut zu unterstützen, egal, wie entlegen sie wohnen."

Feste Hilfe- und Beratungsstrukturen etablieren

Das mobile Beratungsteam soll in Sachsen-Anhalt und Thüringen entlegene Erstaufnahmeeinrichtungen oder Notunterkünfte für Geflüchtete aufsuchen und Träger aus den Bereichen Kinderschutz, Migrationshilfe und psychosoziale Unterstützung über Hilfsmöglichkeiten aufklären. Viele Frauen haben somit erstmals Zugang zu Informationen und konkreten Hilfen. Im Laufe des Projektes will SAIDA feste Beratungsstrukturen etablieren, die auch nach Projektende Bestand haben und Beispiel für das gesamte Bundesgebiet sein können.

Weibliche Genitalverstümmelung

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Weltweit sind rund 200 Millionen Mädchen und Frauen betroffen. In Deutschland leben davon etwa 68.000. Bis zu 15.000 weitere Mädchen könnten hierzulande bedroht sein.

Fachkräfte informieren und aufklären

Ziel der Fachkonferenz war, Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen aufzuklären und fortzubilden, um Schutzmaßnahmen und Hilfsmöglichkeiten für Betroffene und Gefährdete von Genitalverstümmelung gewährleisten zu können. Denn gut qualifizierte Fachkräfte sind eine wichtige Voraussetzung, damit Frauen und Mädchen den Weg ins Hilfesystem finden und die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

Mit dem Modellprojekte SAIDA, welches vom Bundesförderprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" des Bundesfamilienministeriums bezuschusst wird, wird ein Beitrag zur Umsetzung der Istanbul-Konvention des Europarats geleistet. Zu den von der Istanbul-Konvention geforderten Präventions- und Schutzmaßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung aller Formen von Gewalt an Frauen zählen auch spezialisierte Hilfsdienste in angemessener geografischer Verteilung.