Studie untersucht Wechselwirkungen zwischen Schule und Familie
Die Diskussion darum, dass Jungen ihre Bildungsmöglichkeiten nicht voll ausschöpfen und Mädchen trotz sehr guter Schul- und Examensergebnisse häufig nicht in Führungspositionen gelangen, hat das Bundesfamilienministerium veranlasst, gemeinsam mit der Konrad Adenauer-Stiftung einen Blick auf die Schulkultur in Deutschland und auf die Wechselwirkungen zwischen Schule und Familie zu werfen. Es stellte sich heraus, dass die Institution Schule tief in die Familien hineinwirkt und insbesondere die Erwerbstätigkeit von Müttern beeinflusst.
Jungen und Mädchen können heute die Schule ohne elterliche Unterstützung kaum noch erfolgreich durchlaufen: Schule bedeutet für Eltern, dass sie gefordert und eingebunden werden. Eltern machen die Erfahrung, dass ihre Kinder die Schule heute nur noch erfolgreich bewältigen können, wenn sie selbst als Mutter und Vater kontinuierliches Engagement, Assistenz und Führung in den einzelnen Fächern übernehmen.
Unterstützung durch die Eltern wird immer wichtiger
Die Unterstützung der Kinder durch die Eltern ist ein sozialer Indikator für eine "gute" Elternschaft: Die Mehrheit der Eltern fühlt sich durch das Schulsystem und die Schulkultur von vornherein eingebunden und durch die Benotung der Ergebnisse zur aktiven Mitarbeit aufgefordert. Nur eine Minderheit der Eltern unterstützt ihre Kinder nicht systematisch in der Schule, aufgrund etwa von Überforderung, Zeitmangel oder aber auch weil dies aufgrund guter Noten nicht erforderlich scheint. Dieses Engagement der Eltern ist nicht neu, hinzu kommt aber ein erhöhter Leistungs- und Erfolgsdruck: Ein "Scheitern" in der Schule beeinflusst das gesamte spätere Leben des Kindes und wird von Seiten der Eltern oft als eigenes Scheitern wahrgenommen.
Vor allem Mütter sehen sich, das macht die vorliegende Studie deutlich, ab dem Schulbesuch des ersten Kindes in der Pflicht und fallen dadurch in alte Geschlechterrollen zurück: Sie dehnen die Erwerbsunterbrechung aus und kehren später oder in geringerem Umfang in den Beruf zurück. Dies hat erhebliche Folgen für die Existenzsicherung der Familie, für die beruflichen Ambitionen der Frauen sowie für ihre eigene Existenz- und Alterssicherung.
Die Studie "Eltern - Lehrer - Schulerfolg" basiert auf 255 mehrstündigen Interviews mit Müttern und Vätern aus verschiedenen sozialen Milieus, mit und ohne Migrationshintergrund sowie mit Lehrerinnen und Lehrern.
Bundesprogramm "Elternchance ist Kinderchance"
Ziel des Bundesprogramms "Elternchance ist Kinderchance" ist es, vor- und außerschulische Bildungsangebote für einen verbesserten Bildungserfolg aller Kinder zu nutzen und Familien als Bildungsort dabei aktiv einzubeziehen. 4.000 Fachkräfte werden im Bundesprogramm zu Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern weiterqualifiziert, um Familien jenseits des Kita- und Schulalltags in Bildungsbelangen zu unterstützen.