Kinderrechte stärken

Berlin verstetigt Initiative "Trau dich!" gegen sexuellen Kindesmissbrauch

Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne beim Theaterstück "Trau dich!"
Vorführung im Berliner ATZE Musiktheater: Das Theaterstück "Trau dich!" informiert Mädchen und Jungen über ihre Rechte und zeigt ihnen, wo sie bei sexualisierter Gewalt Hilfe finden© Lars Hübner

Am 27. Juni hat das Land Berlin die Lizenz erhalten, die Initiative "Trau dich!" des Bundesjugendministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs eigenständig weiterzuführen. Damit wird sie dauerhaft etabliert. Zentrales Element der Initiative ist das Theaterstück "Trau dich! Ein starkes Stück über Gefühle, Grenzen und Vertrauen". Seine Themen sind: Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Kindesmissbrauch.

Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesjugendministerin, betont: "Starke Kinderrechte sind das Fundament für einen wirksamen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und Ausbeutung. Die Initiative 'Trau dich!' zeigt, wie gute Prävention gelingen kann: Kinder stärken, Fachkräfte weiterbilden, Eltern informieren und vor allem Schulen und Fachberatungsstellen besser vernetzen.

Seit 2017 kooperiert Berlin mit 'Trau dich!'. Viele Kinder haben das Theaterstück gesehen. Aber noch viel wichtiger ist, dass die Erwachsenen, als Eltern und Fachkräfte sensibilisiert und fortgebildet wurden. Denn eines ist klar: die Erwachsenen - nicht die Kinder selbst - sind für Schutz und Hilfen verantwortlich. Es ist gut, dass das Land Berlin Verantwortung für den Kinderschutz übernimmt und die Initiative des Bundes weiterführt. Nur gemeinsam können wir ein Klima schaffen, in dem Kinder vor sexualisierter Gewalt geschützt werden."

Im November 2017 ist die Kooperation zwischen "Trau dich!" und dem Land Berlin gestartet. Seitdem haben über 7100 Kinder von mehr als 85 Schulen das Theaterstück in Berlin gesehen.

Astrid-Sabine Busse: "Mit 'Trau dich!' richten wir uns in Berlin vornehmlich an Mädchen und Jungen der fünften und sechsten Klasse, klären sie über ihre Rechte auf und informieren sie über sexuellen Missbrauch. Darüber hinaus werden auch die Bezugspersonen wie Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende der Schule und deren Eltern im Vorfeld über das Thema sexueller Missbrauch informiert und sensibilisiert.

Als Bildungssenatorin des Landes Berlin freue ich mich, dass wir mit der Übernahme der Initiative 'Trau dich!' die bestehenden Präventionsangebote zum sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Land Berlin um einen weiteren Baustein erweitern. Mit der Schulgesetzänderung im September 2021 wurde das Thema Schutz von Kindern und Jugendlichen im Schulgesetz fest verankert. Das heißt: Schulen erarbeiten im Rahmen des Schulprogramms ein Kinder- und Jugendschutzkonzept, welches der Vermeidung von Kindeswohlgefährdungen, insbesondere durch sexuellen Missbrauch, Gewalt und Mobbing dient."

Berlin ist das sechste Bundesland, in dem die Initiative nun dauerhaft etabliert wird. Astrid-Sabine Busse, Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, hat die Schirmherrschaft übernommen.

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, erläutert anlässlich der Lizenzübergabe: "Im vergangenen Jahr mussten wir erneut eine Zunahme der gemeldeten Vorfälle von sexuellem Kindesmissbrauch verzeichnen. 17.498 Kinder wurden 2021 in Deutschland Opfer sexualisierter Gewalt. Das bedeutet, dass jeden Tag durchschnittlich 48 minderjährige Mädchen und Jungen Übergriffe durch Erwachsene erleiden mussten. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Deshalb ist es unser Ziel, mit 'Trau dich!' Eltern und Lehrkräfte für dieses Thema zu sensibilisieren und vor allem die Kinder zu stärken. Ich freue mich sehr, dass es im Rahmen der Kooperation zu der Verstetigung unserer Präventionsinitiative in Berlin kommt."

Ratgeber für Eltern und Fortbildungen für Lehrkräfte

Mit der Verstetigung in Berlin wird die Strategie von "Trau dich!" weiterverfolgt, Eltern und pädagogische Fachkräfte sprach- und handlungsfähig zu machen, um sich aktiv gegen sexualisierte Gewalt einzubringen. Im direkten Zusammenhang mit den Aufführungen des Theaterstücks werden dafür Workshops für Lehrkräfte und Elternabende angeboten sowie das Hilfesystem vor Ort eingebunden.

Alle Eltern erhalten vor den Aufführungen Informationen über das Theaterstück und Hinweise für das Gespräch mit ihren Kindern. Für sie bietet die Initiative "Trau dich!" einen Elternratgeber an.

Die Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte der Schulen nehmen an begleitenden Fortbildungen teil. Ein Methodenheft bietet Anregungen zur Vor- und Nachbereitung des Theaterstücks im Unterricht.

Im Jahr 2021 verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik für Berlin 917 aktenkundig gewordene Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Die Initiative "Trau dich!"

Ziel von "Trau dich!" ist es, Mädchen und Jungen zwischen acht und zwölf Jahren ihre Rechte zu erklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu informieren, wo sie im Falle eines Übergriffs Hilfe finden. Zusätzlich werden Lehrkräfte und Eltern zu Unterstützungsangeboten in der Region informiert und dazu ermutigt, sich mit dem Thema sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen und es zum Inhalt in ihrem Unterricht zu machen.

Bis heute kooperieren elf Bundesländer mit der Bundesinitiative: Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg, Berlin und Sachsen-Anhalt. Nach Hessen, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt ist Berlin das sechste Bundesland, das die Umsetzung der Initiative verstetigt hat.

Information, Beratung und Hilfe 

Eltern und pädagogische Fachkräfte finden auch online Informationen. Kinder spricht das Online-Portal mit altersgerechten Informationen direkt an.

Für die niedrigschwellige Beratung und Hilfe kooperiert die BZgA mit der kostenfreien, bundesweiten "Nummer gegen Kummer" unter 116 111, einem Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.