Alleinerziehende

Chancen und Teilhabe für Familien

Allein- und getrennt Erziehende fördern und unterstützen

Familien in Deutschland sind bunt und ganz unterschiedlich. Die meisten Eltern in Deutschland sind verheiratet, aber auch immer mehr Paare ohne Trauschein gründen eine Familie. Doch nicht jede Beziehung oder Ehe hält. Deshalb wachsen immer mehr Kinder bei einem Elternteil auf. Wenn Eltern getrennt leben, betreut überwiegend ein Elternteil das Kind - oder beide teilen sich die Erziehung partnerschaftlich auf.

In Deutschland gibt es acht Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Davon sind 19 Prozent alleinerziehend, also Mütter oder Väter, die allein mit ihren Kindern im Haushalt leben. In der Zeit von 1996 bis 2018 ist die Anzahl der Alleinerziehenden von 1,3 Millionen auf 1,5 Millionen angestiegen. Von den 13,1 Millionen Kindern unter 18 Jahren leben inzwischen 18 Prozent mit einem Elternteil im Haushalt. In neun von zehn Fällen ist dies die Mutter.

Studien zeigen, dass der Phase des Alleinerziehens oft andere Familienformen vorausgegangen sind beziehungsweise neue Formen folgen, etwa in Stief- oder Patchworkfamilien. Ein Drittel der Alleinerziehenden lebt in einer neuen Partnerschaft - jedoch in getrennten Haushalten.

Das Familienleben und den Beruf miteinander zu vereinbaren, ist für Alleinerziehende, die keine oder wenig Unterstützung durch den anderen Elternteil erhalten, besonders herausfordernd. Die Mehrzahl will ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. 68 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren waren 2018 erwerbstätig. Viele, die nicht erwerbstätig sind, würden gerne arbeiten. Rund 38 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sind derzeit auf staatliche Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) angewiesen. Das sind 589.000 Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden (Stand 2017). Sie und ihre Familien sind besonders armutsgefährdet.

Damit allein- und getrennt Erziehende durch Erwerbstätigkeit unabhängig sein können, sind sie auf bedarfsgerechte Betreuungsangeboten und ein familienfreundliche Arbeitsumfeld angewiesen. Daher profitieren sie vom Ausbau der Kinderbetreuung durch das Kinderförderungsgesetz (KiföG) und dem Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr.

Eine Vielzahl von Familienleistungen, zum Beispiel Kindergeld, Unterhaltsvorschuss oder Kinderzuschlag tragen dazu bei, die finanzielle Situation für Alleinerziehende und ihre Kinder zu verbessern. Auch andere Sozialleistungen - beispielsweise das Wohngeld oder Grundsicherungsleistungen - unterstützen Alleinerziehende besonders.

Um alleinerziehende Familien gezielt zu unterstützen, können alleinerziehende Steuerpflichtige den sogenannten Entlastungsbetrag steuerlich geltend machen. Der Entlastungsbetrag liegt seit dem 1. Januar 2016 bei 1908 Euro. Zusätzlich wurde eine Staffelung von 240 Euro pro Kind ab dem zweiten Kind eingeführt. Der Entlastungsbetrag ist - wie die Ergebnisse der Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen gezeigt haben - eine besonders effiziente Leistung für Alleinerziehende. Sie erreicht rund 1,1 Millionen Haushalte, entlastet Alleinerziehende wirksam und erhöht die Attraktivität der Erwerbstätigkeit.

Erklärfilm: der Entlastungsbetrag

Als spezielle Leistung für Alleinerziehende, deren Kind keinen, nicht regelmäßig oder nicht rechtzeitig Unterhalt vom anderen Elternteil erhält, bekommen Alleinerziehende den Unterhaltsvorschuss. Hierbei ist das Einkommen des alleinerziehenden Elternteils unerheblich.

Den Unterhaltsvorschuss gibt es für Kinder bis zum 12. Geburtstag. Ist das Kind schon älter, kann Unterhaltsvorschuss bis zum vollendeten 18. Lebensjahr bezogen werden. Voraussetzung ist, dass das Kind nicht auf Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) angewiesen ist oder der alleinerziehende Elternteil im SGB II-Bezug mindestens 600 Euro brutto verdient.

Auf dem Familienportal finden Alleinerziehende weiterführende Informationen zu Leistungen und Ansprechpartnern.