Gesellschaftliche Teilhabe Einsamkeit im Alter

Einsamkeit ist ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichsten Ursachen. Vor allem ältere Menschen sind betroffen und brauchen Unterstützung. Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys 2017 zeigen: Das Risiko für Einsamkeit im Alter hat in den letzten Jahrzehnten nicht zugenommen. Nur wenige Menschen im mittleren und hohen Alter fühlen sich einsam. Erst im sehr hohen Alter kommt es zu einem Anstieg der Einsamkeit, bei Frauen etwas stärker als bei Männern.

Insbesondere bei Älteren über 80 Jahren besteht ein deutlich höheres Risiko einer sozialen Isolation, wenn multiple Problemlagen dazu kommen, die Einsamkeit und soziale Isolation begünstigen oder auslösen können. Dazu gehören zum Beispiel Schicksalsschläge, Erkrankungen, abnehmende körperliche Mobilität, mangelnde Mobilitätsangebote, zunehmende Altersarmut oder Migrationshintergrund. Betroffene brauchen daher Unterstützung, um aus ihrer Vereinsamung und aus sozialer Isolation herauszufinden. Einsamkeit zu verhindern, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Engagement gegen Einsamkeit

In Berlin fand im März 2019 ein Fachkongress statt zum Thema "Einsamkeit im Alter vorbeugen und aktive Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen". Er förderte den fachlichen Austausch und die Vernetzung. Bei dem Fachkongress zeichneten das Bundesseniorenministerium und die BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. zum ersten Mal die besten Initiativen gegen Einsamkeit im Alter aus. Für den nationalen Wettbewerb "Einsam? Zweisam? Gemeinsam!" gab es insgesamt 601 Bewerbungen in fünf Kategorien. Eine Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kommune, Wissenschaft und Politik wählte die 15 herausragendsten Initiativen und Projekte aus.

Dadurch wird lokales Engagement öffentlich, sichtbar und gewürdigt. Der Wettbewerb und der Fachkongress zeigen außerdem, wie vielfältig das Engagement vor Ort ist und wie unterschiedlich die Ansätze gegen Einsamkeit sind. Gleichwohl besteht weiterhin der Bedarf, den fachlichen Austausch und die Vernetzung vor Ort zu fördern und gute Beispiele zu verbreiten.

Mehrgenerationenhäuser

Das Bundesseniorenministerium unterstützt engagierte Personen, Projekte und Einrichtungen, die Menschen aus der Einsamkeit holen. Mit dem Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus fördert das Bundesseniorenministerium aktuell bundesweit rund 540 Mehrgenerationenhäuser. Die sind Begegnungsstätten für Jung und Alt, die unter anderem das selbstbestimmte Leben im Alter fördern.

Mit niedrigschwelligen Begegnungsangeboten, zum Beispiel im offenen Treff, Kultur- und Kreativangeboten, Freizeit- und Sportaktivitäten sowie Informations- und Beratungsangeboten, tragen die Mehrgenerationenhäuser zur aktiven Alltagsgestaltung und gesellschaftlichen Teilhabe bei und wirken so Einsamkeit entgegen.

Austausch mit anderen EU-Ländern

Ende September 2019 führte das Bundesseniorenministerium in Berlin  ein internationales Seminar zum Thema "Strategien gegen Einsamkeit und soziale Isolation im Alter" durch. Die Teilnehmenden aus elf EU-Ländern diskutierten über von Isolation und Einsamkeit betroffene Risikogruppen sowie politische Strategien und Praktiken auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene. Am stärksten gefährdete Gruppen sollten identifiziert und gezielte Aktivitäten, um gesellschaftliche Ausgrenzung anzugehen, mehr in politische Maßnahmen integriert werden. Digitale Kommunikation kann neue Möglichkeiten eröffnen, jedoch auch Herausforderungen für einsame ältere Menschen mit sich bringen. Zu dem Thema werden weitere wissenschaftliche Erkenntnisse benötigt, auch um die Wirksamkeit von Maßnahmen besser einschätzen zu können. Das sogenannte Peer-Review-Seminar wurde von der EU-Kommission gefördert.