EU-Ratspräsidentschaft Europäischer Gleichstellungsindex 2020 veröffentlicht

Zwei Frauen im Gespräch
Der Gleichstellungsindex 2020 zeigt, dass es in der Europäischen Union noch viel Nachholbedarf bei der Gleichstellung von Frauen und Männern gibt © BMFSFJ

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Gleichstellung von Frauen und Männern im täglichen Leben und in der Arbeitswelt aus? Damit beschäftigt sich der Gleichstellungsindex 2020, den das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) am 29. Oktober veröffentlicht hat. Auf der "Gender Equality Index Conference 2020" wurden die Ergebnisse digital diskutiert. Zentrale Fragen waren: Welche neuen Risiken entstehen für Frauen durch geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum? Können Algorithmen diskriminierend sein? Welches Potenzial bietet die Digitalisierung im Bereich unbezahlte Sorgearbeit, die meistens von Frauen übernommen wird?

Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesgleichstellungsministerium, nahm an der digitalen Veranstaltung teil - als Vertreterin der Bundesregierung im Rahmen der deutschen Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union (EU). Zu den weiteren Teilnehmenden der Konferenz gehörten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter anderer EU-Mitgliedstaaten und europäischer Institutionen sowie Fachleute aus der Wissenschaft.

Juliane Seifert:

"Der Gleichstellungsindex 2020 zeigt, dass es für uns noch viel zu tun gibt, bis die Gleichstellung von Männern und Frauen eine gelebte Wirklichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger Europas ist. Der Index macht deutlich, dass es noch 60 Jahre dauern würde, bis wir dieses Ziel erreichen, wenn wir unsere Anstrengungen nicht erhöhen. Für mich ist ganz klar: Wir dürfen nicht zulassen, dass noch zwei weitere Generationen von Frauen in Europa nicht gleichberechtigt an Führungspositionen teilhaben, schlechter bezahlt werden und zu oft häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft setzen wir uns dafür ein, dass es auf all diesen Gebieten Fortschritte gibt."

Index macht Fortschritte und Handlungsbedarfe sichtbar

Der Gleichstellungsindex 2020 bescheinigt der EU große Defizite bei der Gleichstellung der Geschlechter. Auf einer Skala von null bis 100 Punkten erreicht sie lediglich 67,9 Punkte. Das bedeutet, dass die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern europaweit erst zu zwei Dritteln verwirklicht ist. Besonders großer Handlungsbedarf besteht bei der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft. In diesem Bereich ist sie erst zur Hälfte erreicht.

Deutschland liegt mit 67,5 Punkten leicht unter dem EU-weiten Durchschnitt und schneidet am besten im Bereich Gesundheit mit 90,6 Punkten ab. Große Fortschritte gab es in den vergangenen zehn Jahren in der Wirtschaft bei der Beteiligung von Frauen an Führungspositionen. 2010 erreichte Deutschland 19 Punkte, im Jahr 2020 sind es 56,5 Punkte. Dennoch gibt es auch in diesem Bereich noch eine große Lücke zwischen den Geschlechtern.

Gleichstellung von Frauen und Männern erreichen

Das Bundesgleichstellungsministerium setzt sich besonders dafür ein, das Gebot des gleichen Entgelts für gleichwertige Arbeit für Frauen und Männer zu verwirklichen sowie geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen. Das Thema Gleichstellung ist einer der Schwerpunkte im Rahmen der deutschen Präsidentschft im Rat der Europäischen Union (EU). In diesem Kontext verhandelt Deutschland derzeit Ratsschlussfolgerungen, die eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern fordern.

Um Frauen auch in Krisenzeiten besser vor Gewalt zu schützen, hat das Bundesgleichstellungsministerium die Initiative "Stärker als Gewalt" ins Leben gerufen und setzt sich für die Ratifikation der Istanbul-Konvention durch die EU und alle Mitgliedstaaten ein.