Ergänzendes Hilfesystem sexueller Missbrauch

Kinder- und Jugendschutz

Ergänzendes Hilfesystem für Betroffene sexuellen Missbrauchs

Logo des Ergänzenden Hilfesystems
Das Ergänzende Hilfesystem unterstützt Betroffene© Bildnachweis: BMFSFJ

Das Ergänzende Hilfesystem sexueller Missbrauch (EHS) unterstützt Betroffene, die als Kinder und Jugendliche sexuelle Gewalt im familiären Bereich oder in einem anderen Umfeld erleiden mussten. Ziel des Hilfesystems ist es, die aus dem sexuellen Missbrauch noch bestehenden Folgeschäden zu lindern.

Das Ergänzende Hilfesystem gewährt Hilfen in Form von Sachleistungen, die dazu dienen sollen, heute noch existierende Folgen des sexuellen Missbrauchs in der Kindheit oder Jugend abzumildern beziehungsweise auszugleichen. Die Leistungen werden ergänzend gewährt, das heißt nur dann, wenn ein gesetzliches Leistungssystem (zum Beispiel Krankenkasse, Jobcenter) die Leistung nicht oder nicht mehr finanziert.

Pro Person können Leistungen im Wert von maximal 10.000 Euro gewährt werden. Menschen mit Behinderungen können darüber hinaus Mehraufwendungen bis zu einer Höhe von 5.000 Euro beantragen, die notwendig und angemessen sind, damit sie die Hilfeleistungen auch tatsächlich in Anspruch nehmen können (zum Beispiel für Assistenzleistungen, erhöhte Mobilitätskosten).

Die Leistungen des Ergänzenden Hilfesystems sind freiwillig, es gibt keinen Rechtsanspruch. Wer Hilfen aus dem Ergänzenden Hilfesystem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich erhalten möchte, kann diese bei der Geschäftsstelle des Fonds Sexueller Missbrauch (GStFSM) in Berlin über die ursprüngliche Antragsfrist 30. April 2016 hinaus beantragen. Auch im institutionellen Bereich haben der Bund und die meisten der beteiligten nichtstaatlichen Organisationen sowie mehrere Länder die Antragsfrist verlängert.

Das EHS wird administrativ weiterentwickelt, um künftig den Betroffenen schneller die benötigten Hilfen zukommen lassen zu können. Zudem wurde das Personal in der GStFSM erheblich aufgestockt, um der erhöhten Zahl von Anträgen gerecht zu werden. Zur Erleichterung der Antragstellung wurden darüber hinaus die Antragsformulare überarbeitet.

Fonds Sexueller Missbrauch

Für Betroffene, die sexuellen Missbrauch in der Familie oder im familiären Umfeld erlitten haben, hat der Bund zum 1. Mai 2013 den Fonds "Sexueller Missbrauch im familiären Bereich" (FSM) errichtet. Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Hessen beteiligen sich finanziell an Anträgen, die bis zum 30.04.2016 eingegangen sind. Der Bund hat diese Frist ausgesetzt und stellt zunächst die Finanzierung für weiterhin eingehende Anträge alleine sicher.

Den Betroffenen stehen subsidiäre Hilfen zur Verfügung, die ihnen nach Antragstellung auf Grundlage der Beratung durch ein unabhängiges Gremium (die sogenannte Clearingstelle) per Bescheid zugesprochen werden können.

Ergänzendes Hilfesystem institutioneller Bereich

Betroffene, die sexuellen Missbrauch in staatlichen oder nichtstaatlichen Einrichtungen erlitten haben, können Hilfeleistungen aus dem Ergänzenden Hilfesystem erhalten, wenn mit dem Träger beziehungsweise der zuständigen (Dach-)Organisation oder dem jeweiligen Land eine Vereinbarung zur Beteiligung am Ergänzenden Hilfesystem besteht. Die Entscheidung über die Gewährung von Hilfeleistungen trifft die jeweilige Institution unter Berücksichtigung der Empfehlung der Clearingstelle.

Betroffene konnten ursprünglich bis zum 31. August 2016 Sachleistungen bis maximal 10.000 Euro beantragen. Der Bund und fast alle der am EHS beteiligten nichtstaatlichen Organisationen haben die Antragsfrist überwiegend bis zum 31. Dezember 2019 verlängert, so dass auch in diesem Bereich weiterhin Anträge gestellt werden können.

Am EHS institutioneller Bereich beteiligen sich folgende nichtstaatliche Organisationen: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Diakonie Deutschland, Deutsche Bischofskonferenz (DBK), Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB; bis 31.08.2016), Deutscher Caritasverband e.V., Deutsches Rotes Kreuz (DRK) e.V., Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband(DKSB) e.V., Arbeiterwohlfahrt Bundesverband (AWO) e.V., SOS-Kinderdorf e.V., DAK-Gesundheit, Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke Bundesverband e.V., Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) e.V., Internationaler Bund: Freier Träger der Jugend, Sozial- und Bildungsarbeit e.V. sowie die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken.

Darüber hinaus haben mehrere Bundesländer im Rahmen des EHS ihre Arbeitgeberverantwortung wahrgenommen und Hilfeleistungen für Betroffene sexueller Gewalt in Schulen oder anderen Landeseinrichtungen bereitgestellt. Die Freie und Hansestadt Hamburg, die Freistaaten Sachsen, Bayern und Thüringen sowie die Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bremen haben sich am EHS im institutionellen Bereich beteiligt. Die Antragsfrist lief für die meisten dieser Länder bis zum 31. August 2016. Berlin und Bremen haben sich entschieden, auch für Anträge, die bis zum 31. Dezember 2017 eingehen, Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat sich bereiterklärt, die Frist bis zum 31. Dezember 2018 zu verlängern. Anträge Betroffener in staatlichen Einrichtungen des Landes Nordrhein-Westfalen können bis zum 31. Dezember 2019 gestellt werden. Auch für das Land Brandenburg werden bis auf weiteres Anträge entgegengenommen.