Schutz vor sexueller Gewalt

Kinder- und Jugendschutz

Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt

Die Bundesregierung unternimmt eine Reihe von Maßnahmen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt kontinuierlich zu verbessern. Um einen wirksamen Schutz gewährleisten zu können, müssen Präventionsmaßnahmen möglichst früh ansetzen. Grundlegende Voraussetzungen sind dafür eine hohe Qualität in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ein Grundverständnis für den Kinderschutz bei allen, die mit jungen Menschen arbeiten, sowie die Umsetzung der Kinderrechte in der Praxis.

Gesamtkonzept für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt

Das Bundesfamilienministerium hatte bereits im September 2014 ein Gesamtkonzept für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt vorgestellt, das auf den Empfehlungen des Runden Tisches "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" sowie auf dem Aktionsplan 2011 zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung aufbaut.

In diesem Konzept werden fünf Themenbereiche beschrieben, in denen Verbesserungen erreicht werden sollen: Strafrecht, Strafverfahren, Recht auf Schutz, Beratung und Unterstützung von Betroffenen sowie digitale Medien. Nicht für alle Bereiche ist das Bundesfamilienministerium zuständig. Notwendig ist jedoch, dass alle Akteure auf allen Ebenen Hand in Hand arbeiten - unabhängig von Zuständigkeiten und Professionen. Über die Umsetzung der verschiedenen Handlungsfelder wird mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs den Bundesressorts, Ländern, Verbänden und den Betroffenen beraten.

Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch

Um Betroffene sexueller Gewalt zu unterstützen und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorzubeugen, wurde im März 2010 der Runde Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" eingerichtet. Den gemeinsamen Vorsitz übernahmen das Bundesfamilienministerium, das Bundesjustizministerium und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Zur Mitwirkung am Runden Tisch waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und aller relevanter gesellschaftlicher Gruppen eingeladen. Am 30. November 2011 beendete der Runde Tisch seine Arbeit mit einem Abschlussbericht, der dem Bundeskabinett daraufhin vorgelegt wurde. Darin sprechen die Mitglieder zahlreiche Empfehlungen aus.

Am 1. Mai 2013 startete der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich als erster Teil des von den Mitgliedern des Runden Tisches empfohlenen Ergänzenden Hilfesystems für Fälle sexuellen Missbrauchs (EHS) aus der Vergangenheit.

Ein weiterer Teil ist der sogenannte institutionelle Bereich, bei dem es um sexuellen Missbrauch in staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen geht.

Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich

Der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich richtet sich an Betroffene, die als Kinder oder Jugendliche in der Familie oder im familiären Umfeld sexuell missbraucht wurden und noch heute unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs leiden. Betroffene können nach Aufhebung der ursprünglichen Antragsfrist (30. April 2016) weiterhin Anträge auf Hilfeleistungen aus dem Ergänzenden Hilfesystem an die Geschäftsstelle des Fonds Sexueller Missbrauch richten. Es können Sachleistungen, zum Beispiel Therapien, bis maximal 10.000 Euro beantragt werden. Gewährt werden Leistungen, die vom gesetzlichen Hilfesystem nicht, nicht mehr oder nicht in ausreichendem Umfang finanziert werden.

Ergänzendes Hilfesystem im institutionellen Bereich

Das Ergänzende Hilfesystem im institutionellen Bereich richtet sich an Betroffene, die als Kinder oder Jugendliche in staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht wurden und noch heute an den Folgewirkungen leiden. Betroffene konnten ursprünglich bis zum 31. August 2016 Sachleistungen bis maximal 10.000 Euro beantragen. Der Bund und fast alle der am EHS beteiligten nichtstaatlichen Organisationen  haben die Antragsfrist überwiegend bis zum 31. Dezember 2019 verlängert, so dass auch in diesem Bereich weiterhin Anträge gestellt werden können.

Am EHS institutioneller Bereich beteiligen sich folgende nichtstaatliche Organisationen: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Diakonie Deutschland, Deutsche Bischofskonferenz (DBK), Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB; bis 31.08.2016), Deutscher Caritasverband e.V., Deutsches Rotes Kreuz (DRK) e.V., Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband (DKSB) e.V., Arbeiterwohlfahrt Bundesverband (AWO) e.V., SOS-Kinderdorf e.V., DAK-Gesundheit, Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke Bundesverband e.V., Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) e.V. sowie der Internationale Bund: Freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit e.V.

Darüber hinaus haben mehrere Bundesländer ihre Arbeitgeberverantwortung wahrgenommen und Hilfeleistungen für Betroffene sexueller Gewalt in Schulen oder anderen Landeseinrichtungen bereitgestellt. Die Freie und Hansestadt Hamburg, die Freistaaten Sachsen, Bayern und Thüringen sowie die Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bremen haben sich am EHS im institutionellen Bereich beteiligt. Die Antragsfrist lief für die meisten dieser Länder bis zum 31. August 2016. Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bremen haben ihre Frist jedoch bis zum 31. Dezember 2017 verlängert, Hamburg bis zum 31. Dezember 2018. Auch für das Land Brandenburg werden bis auf weiteres Anträge entgegengenommen.

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) ist das Amt der Bundesregierung für die Anliegen von Betroffenen und deren Angehörigen, für Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft sowie für alle Menschen in Politik und Gesellschaft, die sich gegen sexuelle Gewalt engagieren. Johannes-Wilhelm Rörig ist seit Dezember 2011 Unabhängiger Beauftragter, mit Kabinettbeschluss vom 26. März 2014 wurde seine Amtszeit um fünf Jahre verlängert. Seine Vorgängerin war Dr. Christine Bergmann.

Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Ende Januar 2016 hat der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf Grundlage des Beschlusses des Deutschen Bundestags vom 2. Juli 2015 die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (Kommission) berufen. Die Kommission untersucht Ausmaß, Art und Folgen von Kindesmissbrauch in Deutschland. Darunter fällt zum Beispiel Missbrauch in Institutionen, in Familien, im sozialen Umfeld, durch Fremdtäter oder im Rahmen von organisierter sexueller Ausbeutung.

Die Kommission möchte Strukturen aufdecken, die sexuelle Gewalt in der Kindheit und Jugend ermöglicht haben, und herausfinden, warum Aufarbeitung in der Vergangenheit verhindert wurde. Dabei wird die Kommission unter anderem Betroffene und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie Eltern, sonstige Verwandte, Freundinnen und Freunde, Lehrerinnen und Lehrer anhören, die in ihrer Kindheit von sexuellem Missbrauch betroffen waren. Sie bekommen die Möglichkeit, jenseits von Institutionen oder Gerichtssälen über das erlebte Unrecht zu reden und verjährtes Unrecht mitzuteilen.

Die Kommission hört zu, damit sich für Betroffene und Kinder etwas verändert. Aus ihren Erkenntnissen werden Handlungsempfehlungen an die Politik übermittelt und in die Gesellschaft eingebracht. Die Kommission wird darlegen, was geändert werden muss, damit sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen zukünftig verhindert wird.
Die Kommission ist in ihrer Arbeit unabhängig, ihre Laufzeit endet am 31. März 2019.

Hilfe und Beratung

Der UBSKM hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendministerium ein Online-Hilfeportal für Betroffene, Interessierte und Fachkräfte entwickelt. Ziel ist es, in Kooperation mit Beratungsstellen, Therapeutinnen und Therapeuten, Opferanwälten und anderen Akteurinnen und Akteuren für das gesamte Bundesgebiet eine Landkarte mit Hilfe- und Präventionsangeboten anzubieten und Checklisten für Einrichtungen und Eltern sowie gelungene Umsetzungsbeispiele zur Verfügung zu stellen.
Hilfe und Beratung gibt es auch bei der telefonischen Anlaufstelle des UBSKM unter der Telefonnummer 0800-2255530.

Medizinische Kinderschutzhotline

Die Medizinische Kinderschutzhotline ist ein vom Bundesjugendministerium gefördertes, telefonisches Beratungsangebot. Es richtet sich an medizinisches Fachpersonal, das mit Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung oder sexuellem Kindesmissbrauch konfrontiert ist. Beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder Pflegekräfte. Die Hotline ist deutschlandweit jeden Tag rund um die Uhr erreichbar und kostenfrei. Die Projektleitung hat Prof. Jörg M. Fegert von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm.

Die Kinderschutzhotline ist unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 19 210 00 zu erreichen. Weitere Informationen bietet die Internetseite www.kinderschutzhotline.de.

Initiative "Trau dich!" zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs

Die bundesweite Initiative "Trau dich!" des Bundesjugendministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert Kinder und Eltern zum Thema sexueller Missbrauch. Ziel der Initiative ist es, Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren über ihre Rechte und über das Thema Missbrauch aufzuklären. Sie sollen ermutigt werden, sich im Bedarfsfall Hilfe zu holen. Darüber hinaus sollen Lehrerinnen und Lehrer sowie Fachkräfte für das Thema sexuelle Gewalt in Aus-, Fort-, und Weiterbildung sensibilisiert und ihre Handlungssicherheit erhöht werden.

Internationale Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Bereits seit September 2010 läuft in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Aufklärungskampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus. Der Kampagne sind Anfang des Jahres 2013 weitere Länder beigetreten, unter anderem Frankreich und Luxemburg.

Die Kampagne beruht zum einen auf einer länderübergreifenden Aufklärungskampagne, die sich direkt an Reisende richtet. Zum anderen wird eine polizeiliche Meldeadresse in allen beteiligten Ländern eingeführt, an die sich Reisende wenden können.