Jungen und Männer

Abschlussbericht des Beirats Jungenpolitik

Gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium präsentierte der Beirat Jungenpolitik am 25. Juni 2013 seinen Abschlussbericht "Jungen und ihre Lebenswelten – Vielfalt als Chance und Herausforderung." Die im Bericht enthaltenen Empfehlungen des Beirats geben wichtige Anregungen zur Weiterentwicklung der Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer.

Zentrale Erkenntnisse des Beirats Jungenpolitik

Der Abschlussbericht des Beirats enthält einen guten Überblick über die Wünsche und Vorstellungen junger Männer. Aus gleichstellungspolitischer Sicht sind die folgenden Erkenntnisse des Berichts besonders erwähnenswert:

  • Jungen und junge Männer haben Lust auf Teilhabe und auf gesellschaftliche Mitgestaltung; sie fühlen sich aber häufig nicht angesprochen und nicht wirklich respektiert.
  • Jungen wollen keine getrennten Politikbereiche für Jungen und Mädchen. Sie wünschen sich eine Gleichstellungs- und Jugendpolitik, die geschlechtersensibel und gerecht ist.
  • Jungen sind sich des Wandels der Geschlechterbilder und der damit verbundenen Herausforderungen bewusst. Ihnen fehlen aber zu Themen des modernen Zusammenlebens von Frauen und Männern und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Vorstellungen, wie sich ein Leben jenseits traditioneller Muster führen lässt.
  • Bei der Berufswahl folgen Jungen wie Mädchen der meisten Jugendmilieus immer noch den traditionellen Geschlechterrollenbildern. Männlichkeit wird in hohem Maße mit Erwerbstätigkeit und beruflichem Erfolg verbunden. Dennoch zeigt sich bei den Jungen quer durch alle Milieus eine Familienorientierung und damit eine Erweiterung von Männlichkeitsvorstellungen.
  • Jungen stehen immer noch unter dem Erwartungsdruck, einmal eine Familie ernähren zu können. Diese Erwartungshaltung schränkt sie bei ihrer Berufswahl ein, obwohl ihnen bewusst ist, dass Haushalte mit nur einem Verdiener immer seltener werden. Berufe mit tatsächlich oder vermeintlich geringem Verdienst werden meist nicht gewählt, auch wenn sie dem eigenen Talent und der eigenen Neigung entsprechen.
  • Dass das traditionelle Männlichkeitsideal Probleme mit der Vereinbarkeit mit sich bringen kann, ist den Jungen bisher nicht bewusst. Fragen der Berufswahl und Familienplanung werden von ihnen noch nicht verknüpft.
  • Schule ist ein Ort, an dem Männlichkeit ausgehandelt wird: Sowohl zwischen den Jungen als auch in Abgrenzung zu Mädchen und in der Interaktion mit Lehrerinnen und Lehrern. Es gibt einen geradezu geschlechtstypischen Erwartungsdruck der Peer-Gruppe auf Jungen, sich vom System Schule zu distanzieren. Daraus kann unterschiedliches Verhalten resultieren, das schulischen Erfolg behindert. Inwieweit diese männliche Peer-Kultur dem schulischen Erfolg entgegensteht, ist nicht nur von der Persönlichkeit der Jungen abhängig, sondern auch von der Schulform, dem sozialen Milieu und der ethnischen Zugehörigkeit.
  • Jungen suchen – wie alle Jugendlichen – Orientierung, eine tiefgreifende Verunsicherung lässt sich aber trotz neuer Herausforderungen nicht beobachten.