Erwerbs- und Sorgearbeit

Gleichstellungspolitik

Erwerbs- und Sorgearbeit gleichberechtigt gestalten

Für viele Menschen gehört es zum Alltag, die Zeiten für Familie, Arbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten zu organisieren. Man könnte meinen: Solche Verpflichtungen sind private Angelegenheiten, die Politik sollte sich da nicht einmischen. Jedoch haben die Menschen nicht immer die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Dazu zählen unter anderem Kita-Öffnungszeiten, die Verfügbarkeit eines Pflegedienstes, der Verdienst von Frauen und Männern und die Flexibilität der Arbeitszeiten.

Die Rahmenbedingungen sollten es Frauen und Männern gleichermaßen ermöglichen, einen dauerhaften existenzsichernden Beruf aufzunehmen und Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Bisher herrscht jedoch eine ungleiche Verteilung zwischen Frauen und Männern - was die bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorgearbeit betrifft. Das kann daran liegen, dass sich die Menschen selbst für die Verteilung entscheiden, aber auch weil eine andere Organisation schwerfällt.

Wie sich die Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern aufteilt, wird von Politik, Gesetzgebung und gesellschaftlichen Normen stark beeinflusst. In Deutschland diente das "Familienernährer-Modell" lange als Orientierung für staatliche Regelungen, Institutionen und Kultur. Nach diesem Modell sorgt ein Partner - in der Regel der Mann - für den Unterhalt der Familie. Währenddessen kümmert sich der andere Partner - in der Regel die Frau - um unbezahlte Sorgearbeit wie Kindererziehung und Haushalt. Das führte zu einer finanziellen Abhängigkeit der Frauen und dazu, dass sich Männer neben dem Beruf schwer um die Familie kümmern konnten.

Die letzten Jahrzehnte brachten einen Wandel: Da mittlerweile immer mehr Frauen berufstätig sind, veränderte sich das "Familienernährer-Modell" in ein "Zuverdiener-Modell". Der Zuverdienst stärkte aber weder wesentlich die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen, noch gewannen Männer grundsätzlich mehr Zeit für die Familie.

Um der ungleichen Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung bereits mehrere Maßnahmen umgesetzt:

Diese Schritte zielen auf eine Gleichberechtigung im Erwerbsleben und auf eine stärkere Betreuungsinfrastruktur - also bezahlte Sorgearbeit - ab. Bis zur gleichberechtigten Wahrnehmung der unbezahlten Sorgearbeit von Frauen und Männern sind noch weitere Schritte nötig. Denn noch leisten Frauen für Kinder, Haushalt und Ehrenamt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer.

Ein Ziel der Gleichstellungspolitik ist es, dass Frauen und Männer Erwerbs- und private Sorgearbeit gleichberechtigt leisten können. Gleichzeitig muss informelle Sorgearbeit jederzeit zusammen mit Erwerbsarbeit gelebt werden können. Diese Ziele wurde im Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung entwickelt.