Frauen vor Gewalt schützen

Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung reicht von weniger schwerwiegenden Formen wie Anstarren, anzüglichen Bemerkungen oder Belästigungen per Telefon oder im Internet über unerwünschte sexualisierte Berührungen, sexuelle Bedrängnis bis hin zu sexualisierten körperlichen Übergriffen.

Je nach Form, Kontext und Ausmaß können sexuelle Belästigungen strafbare Handlungen sein, zum Beispiel Beleidigung, sexuelle Nötigung oder Nachstellung.

Seit 2016 gibt es einen neuen Straftatbestand der sexuellen Belästigung, mit dem auch Grabschereien bestraft werden können. Des Weiteren gibt es einen neuen Straftatbestand, wenn sexuelle Belästigungen aus Gruppen heraus begangen werden.

Die Beschäftigtenumfrage "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Beschäftigten in Deutschland" der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) von 2015 hat ergeben, dass 17 Prozent der befragten Frauen nach eigener Einschätzung bereits sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt haben. Fragt man konkret nach einzelnen Situationen, sind die Zahlen noch höher.

Zum Beispiel haben 22 Prozent der Frauen angegeben, unangemessene Fragen mit sexuellem Bezug zu ihrem Privatleben oder Aussehen gestellt bekommen zu haben. 19 Prozent haben am Arbeitsplatz unerwünschte körperliche Annäherungen erlebt. Die sexuelle Belästigung geht dabei in den meisten Fällen von Männern aus. 

Oft werden Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt. So sind Frauen überdurchschnittlich häufig von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen, wenn sie keine berufliche Qualifikation oder Ausbildung aufweisen, sich noch in der Probezeit befinden oder erst kurze Zeit im Betrieb sind.

Die betroffenen Frauen fühlen sich häufig verunsichert, abgewertet und in ihrer Würde verletzt. Konsequenzen daraus können sein: Verlust der Arbeitsmotivation, Depressionen, Angst, innere Kündigung, psychische Erkrankungen. Vielfach erleben diese Frauen negative Reaktionen, wenn sie sich an den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin wenden. Deshalb verharmlosen oder verschweigen sie die sexuelle Belästigung oft aus Angst vor Verleumdung oder Arbeitsplatzverlust.

Gegen sexuelle Belästigungen können sich Betroffene rechtlich zur Wehr setzen: Den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz regelt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Wer in Zusammenhang mit seinem Beschäftigungsverhältnis von sexueller Belästigung betroffen ist, hat nach dem AGG das Recht, sich bei den zuständigen Stellen des Betriebes oder der Dienststelle zu beschweren.

Diese sind verpflichtet, Beschwerden zu prüfen und den Betroffenen das Ergebnis mitzuteilen. Ergreift der Arbeitgeber keine oder offensichtlich ungeeignete Maßnahmen zur Unterbindung einer (sexuellen) Belästigung am Arbeitsplatz, sind die betroffenen Beschäftigten berechtigt, ihre Tätigkeit ohne Verlust des Arbeitsentgelts einzustellen, soweit dies zu ihrem Schutz erforderlich ist. Bevor Betroffene ihre Arbeit einstellen sollten sie sich unbedingt rechtlich beraten lassen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Arbeitgeber darüber hinaus zum Schadensersatz verpflichtet.

Laut der Studie "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" der ADA kennen 60 Prozent der befragten Personalverantwortlichen und Betriebsräte keine Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung in ihrem Unternehmen. Die Studie zeigt auch, dass es bei der Mehrzahl der Arbeitgeber an Betriebsvereinbarungen oder vergleichbaren Regelungen fehlt, die festlegen, wie bei Bekanntwerden von sexueller Belästigung zu verfahren ist.

Beratung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bietet unter anderen die ADS. Sie informiert und berät über die aktuelle Rechtslage und zeigt Möglichkeiten auf, die eigenen Rechte zum Schutz vor Benachteiligungen wahrzunehmen. Auf Wunsch vermittelt die Antidiskriminierungsstelle Hilfesuchende an regionale Einrichtungen, die Unterstützung im konkreten Einzelfall anbieten. Außerdem bietet sie Hilfe bei der gütlichen Beilegung in Streitfällen an. Neben der Beratung persönlich Betroffener bietet die Antidiskriminierungsstelle auch Arbeitgebern Informationen an, wie sie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verhindern können.

Für Beschäftigte, Arbeitgeber und Betriebsräte hat die Antidiskriminierungsstelle den Leitfaden "Was tun bei sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" herausgegeben.