Frauen vor Gewalt schützen

Zwangsverheiratung

Zwangsverheiratungen stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar. Sie verletzen die menschliche Würde der Betroffenen, ihre persönliche Freiheit und eine selbstbestimmte Lebensführung ebenso wie den Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Leib und Leben der Betroffenen sind oft massiv gefährdet. Ein effektiver Schutz ist daher dringend notwendig. 

Zwangsverheiratung ist ein komplexes Problemfeld, das differenzierter Lösungen bedarf. Sowohl der Nationale Integrationsplan, der einen Schwerpunkt auf dieses Thema gelegt hat, als auch der 2. Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen enthalten Maßnahmen zur Bekämpfung von Zwangsverheiratung.

Studie "Zwangsverheiratung in Deutschland - Anzahl und Analyse von Beratungsfällen"

In Deutschland besteht - wie in anderen europäischen Ländern - ein erhebliches Defizit an empirischen Erkenntnissen über das Problem der Zwangsverheiratung. Diese Daten sind aber eine wichtige Voraussetzung für wirkungsvolles politisches Handeln. Das Bundesfamilienministerium hat daher eine Studie in Auftrag gegeben, mit der erstmals bundesweit das Wissen von Beratungseinrichtungen über Menschen, die von Zwangsverheiratung bedroht oder betroffen sind, erhoben und systematisch ausgewertet wurde. Die Ergebnisse wurden im November 2011 veröffentlicht.

Die Studie nimmt die Anzahl der Betroffenen, ihre gesellschaftlichen Hintergründe, Umstände von Zwangsverheiratung sowie spezifische Gruppen von Betroffenen und Bedrohten in den Blick. Sie wurde von einem Beirat begleitet, der aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Fachkräften aus der Praxis zusammengesetzt war und baut auf den Erkenntnissen des Sammelbandes "Zwangsverheiratung in Deutschland" auf, den das Bundesfamilienministerium 2007 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Menschenrechte veröffentlicht hat.

Online-Beratung bei Zwangsverheiratung

Die interkulturelle Online-Beratung bei Zwangsverheiratung ist ein niedrigschwelliges und anonymes Angebot, das Betroffene gut erreicht. Darüber hinaus konnten Beratungsangebote für den Freundeskreis der Betroffenen, professionelle Helferinnen und Helfer sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren geschaffen werden. Das entsprechende Projekt wurde von verschiedenen Bundesländern unterstützt. Projektträger war Papatya, eine Kriseneinrichtung für junge Migrantinnen in Berlin.

Bundesweites Hilfetelefon

Unterstützung erhalten Betroffene von Zwangsverheiratung auch über das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016. Außer von Zwangsheirat betroffenen oder bedrohten Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung.

Handreichung für die Kinder- und Jugendhilfe: Zwangsverheiratung bekämpfen - Betroffene wirksam schützen

Die Handreichung richtet sich an Fachkräfte der Jugendhilfe, aber auch an weitere Stellen, die mit der Unterstützung von Betroffenen von Zwangsverheiratung befasst sind. Sie klärt Zuständigkeiten und bietet Hilfestellung bei der Auswahl und Gewährung von Hilfen. Dabei wird zum Beispiel die Situation von besonders betroffenen jungen Volljährigen in den Blick genommen. Die Handreichung wurde von einer Arbeitsgruppe unter Federführung des Bundesfrauenministeriums erarbeitet und 2009 veröffentlicht. Seit Juli 2018 liegt eine Neufassung der Handreichung vor, die mit Unterstützung von TERRE DES FEMMES erstellt wurde.