Frauen vor Gewalt schützen

Gewalt gegen Frauen: Täterarbeit

Täterarbeit ist ein Unterstützungs- und Beratungsangebot zur Verhaltensänderung für in Partnerschaften gewalttätige Männer. Ziel ist die Beendigung von gewalttätigem Verhalten; die Zielgruppe sind erwachsene Männer, die gegenüber ihrer (Ex-)Partnerin gewalttätig geworden sind.

Täterarbeit ist Bestandteil der Interventionskette gegen häusliche Gewalt, sie findet in Kooperation und Vernetzung mit Institutionen statt, die in ihrem professionellen Handeln mit häuslicher Gewalt befasst sind (unter anderem Justiz, Polizei, Frauenunterstützungseinrichtungen, Kinder- und Jugendhilfe). Gewalttäter können von Gerichten mit der Auflage oder Weisung belegt werden, an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen. Auch Staatsanwaltschaften können Beschuldigte im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens zur Kursteilnahme verpflichten. Schließt der Täter das Programm ab, erfolgt in der Regel keine weitere Sanktion. Bricht er ab oder wird er von der Teilnahme ausgeschlossen, soll gegen ihn Anklage erhoben werden.

Die Teilnehmer, die über die Weisung einer Staatsanwaltschaft in die Programme gelangen, sind in der Regel Beschuldigte eines Ermittlungsverfahrens wegen Körperverletzung. Die gesetzlichen Möglichkeiten wurden 2013 weiter verbessert. So ist es den Staatsanwaltschaften möglich, Täter und Täterinnen bis zu einem Zeitraum von einem Jahr zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs zu verpflichten statt wie bisher nur zu einem halben Jahr. Im Strafgesetzbuch sind die sozialen Trainingskurse jetzt in den Katalog der Maßnahmen aufgenommen, unter denen die Gerichte Verwarnungen mit Strafvorbehalt aussprechen können.

Die Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung der Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt in Deutschland bestätigen, dass Täterarbeit im Kontext von Interventionsprojekten eine sinnvolle Maßnahme für gewalttätige Männer ist(siehe Band III des Forschungsberichtes). Knapp zwei Drittel der Männer, die ein Programm begannen, schlossen es auch ab. Dabei hielten Täter, die aufgrund einer justiziellen Weisung oder Auflage an einem Täterprogramm teilnehmen, signifikant häufiger die Teilnahme durch. Es zeigte sich, dass Täter häuslicher Gewalt sich seltener aus eigener Motivation bei Täterprogrammen meldeten. Oftmals ist deshalb gerade ein äußerer Druck nötig, damit Täter an einem sozialen Trainingskurs teilnehmen und das Programm beenden.

Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt (BAG TäHG) hat in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen des Frauenunterstützungssystems bundesweite Qualitätsstandards für die Täterarbeit erarbeitet. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte dieses Vorhaben und fördert weitere Vorhaben der BAG TäHG.

Damit Täterarbeit auch weiterhin erfolgreich als wichtiger Baustein für die Bekämpfung von häuslicher Gewalt eingesetzt werden kann, ist es wichtig, dass qualifizierte Täterprogramme angeboten werden und Gerichte und Staatsanwaltschaften mehr als bisher von ihren Weisungsmöglichkeiten Gebrauch machen.