Frauen vor Gewalt schützen

Sonderauswertung "Gesundheit-Gewalt-Migration"

Die Ergebnisse der Sonderauswertung "Gesundheit-Gewalt-Migration - Eine vergleichende Sekundäranalyse zur gesundheitlichen und Gewaltsituation von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland" zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen und der gesundheitlichen Situation der betroffenen Frauen.

Die Sonderauswertung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde 2008 veröffentlicht und basiert auf der Repräsentativstudie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“. Die Stichprobe der Analyse umfasst Frauen deutscher und türkischer Herkunft sowie aus Ländern der ehemaligen UdSSR.

Die Frauen, die von körperlichen Übergriffen, sexueller beziehungsweise psychischer Gewalt seit dem 16. Lebensjahr berichteten, bewerteten ihren Gesundheitszustand erheblich negativer. Sie gaben vor allem mehr Beschwerden im körperlichen wie auch im psychischen Bereich an - darunter Kopf- und Bauchschmerzen, Magen- und Darmprobleme, Zittern, Nervosität, Schwindel, Atemprobleme, Blutdruckschwankungen, Unterleibsschmerzen und andere gynäkologische Beschwerden.

Eine bedeutsame Zunahme der gesundheitlichen Belastungen wurde vor allem erkennbar, wenn sich Gewalterfahrungen im Laufe des Lebens wiederholen - zum Beispiel bei Missbrauch in der Kindheit und spätere Partnergewalt.

Die gesundheitliche Situation der betroffenen Frauen wird laut der Untersuchung zusätzlich durch ein negatives Gesundheitsverhalten belastet. Vor allem der wesentlich erhöhte Tabakkonsum ist auffällig. Zudem lassen sich Hinweise auf das erhöhte Auftreten von Suchterkrankungen und Essstörungen feststellen.

Die stärkere gesundheitliche Belastung von Migrantinnen ist nicht überwiegend auf deren stärkere Gewalterfahrung zurückzuführen. Gründe dafür sind vor allem eine andere Lebenssituation, wie etwa die soziale Lage. Frauen mit Migrationshintergrund haben außerdem durchschnittlich ein deutlich geringeres Bildungs- und Ausbildungsniveau, sind weniger stark in berufliche und soziale Netzwerke eingebunden und verfügen seltener über ein vertrauensvolles, enges Beziehungsnetz.