Frauen vor Gewalt schützen

Gesundheit und Gewalt

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) hat 2013 evidenzbasierte Leitlinien zum Umgang mit Gewalt in Paarbeziehungen und sexueller Gewalt gegen Frauen veröffentlicht. Finanziert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurden diese Leitlinien auch in die deutsche Sprache übersetzt.

Sie richten sich an Ärztinnen, Ärzte und an alle anderen Beschäftigten im Gesundheitsbereich und bieten Empfehlungen zur angemessenen Versorgung von Gewaltopfern. Zudem verfolgen sie das Ziel, das Bewusstsein aller Akteure des Gesundheitswesens für Gewalt gegen Frauen zu schärfen. Die Leitlinien können auf der Internetseite von S.I.G.N.A.L e.V. heruntergeladen werden.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat zum Thema "Gewalt gegen Frauen" verschiedene Studien und Auswertungen in Auftrag gegeben und veröffentlicht:

Die 2004 in Auftrag gegebene Repräsentativuntersuchung "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" belegt das Ausmaß von häuslicher Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Alle Formen von Gewalt sind mit (zum Teil erheblichen) gesundheitlichen, psychischen und psychosozialen Folgen verbunden. Die Ergebnisse der Studie bildeten die Grundlage für gezielte Maßnahmen und Strategien zum Abbau von Gewalt im Geschlechterverhältnis und zur Verbesserung der Hilfe- und Unterstützungssituation für gewaltbetroffene Frauen. Für die Untersuchung wurden 10.000 Frauen befragt.

Die Sonderauswertung "Gesundheit-Gewalt-Migration – Eine vergleichende Sekundäranalyse zur gesundheitlichen und Gewaltsituation von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland" untersucht den Zusammenhang von Gewalterfahrungen und gesundheitlicher Belastung. Die Auswertung wurde 2008 veröffentlicht und basiert auf der Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland". Die Stichprobe der Analyse umfasst Frauen deutscher und türkischer Herkunft sowie Frauen aus Ländern der ehemaligen UdSSR.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat 2012 die Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" veröffentlicht. Frauen mit Behinderungen haben danach ein höheres Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Auch dürften (frühe) Gewalterfahrungen im Leben der Frauen maßgeblich zu späteren gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen und Behinderungen beitragen.

Ärztinnen und Ärzte sind oft die ersten Ansprechpartner von Frauen, die Gewalt erlitten haben. Ihnen kommt daher eine Schlüsselrolle bei der Versorgung von Gewaltopfern zu. Prävention im Gesundheitsbereich gehört deshalb zu den Schwerpunkten des "Aktionsplan II der Bundesregierung zur Bekämpfung der Gewalt an Frauen". Wegweisende Projekte im Krankenhausbereich wurden unter anderem in Kooperation mit dem Berliner Verein S.I.G.N.A.L e.V. durchgeführt.

Die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen im ambulanten Bereich war das Ziel des Modellprojektes "Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen (MIGG)". Das Modellprojekt wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Aktionsplans II der Bundesregierung gefördert.