Frauen vor Gewalt schützen

Frauenhandel: Sexuelle Ausbeutung und Zwangsprostitution

Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung (§ 232 Strafgesetzbuch) liegt vor, wenn ein Täter oder eine Täterin die Zwangslage einer Person oder deren Hilflosigkeit, die mit dem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, ausnutzt, um diese Person zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder zu anderen Formen sexueller Ausbeutung zu bringen. Opfer sind nach bisherigen Erkenntnissen weit überwiegend Frauen.

Häufig werden die Betroffenen mit falschen Versprechungen für eine legale Arbeit im Ausland angeworben und dann in die Prostitution gezwungen. Aber auch Frauen, die wissen, dass sie für eine Tätigkeit in der Prostitution angeworben wurden, sind Opfer von Menschenhandel, wenn sie von den Tätern zum Beispiel durch Drohungen, durch physische oder durch psychische Gewalt gezwungen werden, die Prostitution gegen ihren Willen fortzusetzen. Frauen sind auch dann Opfer von Menschenhandel, wenn sie unter Bedingungen arbeiten, unter denen ihre persönliche Freiheit und ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht in massiver Weise verletzt werden. Dies kann der Fall sein, wenn ihnen keine Wahl bleibt, gefährliche Praktiken oder bestimmte Kunden abzulehnen. Hauptursachen des Frauenhandels sind die Perspektivlosigkeit beziehungsweise die Armut der Frauen in den Herkunftsländern sowie die Nachfrage in den Zielländern.

Über Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung liegen aufgrund der langjährigen Erfahrungen von Polizei und Fachberatungsstellen umfangreiche Erkenntnisse vor. Die nationalen und internationalen Instrumente und Strategien zur Bekämpfung des Menschenhandels sind bislang in erster Linie auf diese Form des Menschenhandels ausgerichtet. Gleichwohl bedarf es einer ständigen Weiterentwicklung vor allem im Hinblick auf die Identifizierung der Opfer und ihre Unterstützung, aber auch im Hinblick auf Maßnahmen, die auf die Verantwortung der Freier abzielen.

Die Bundesregierung wird daher auch weiterhin kontinuierlich prüfen, wie die Bekämpfung des Menschenhandels weiter verbessert und effektiver gestaltet werden kann.

In der aktuellen Legislaturperiode sind Verbesserungen im Aufenthaltsrecht für Opfer des Menschenhandels mit dem Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung zum 1. August 2015 in Kraft getreten. Zentrale Elemente des Gesetzes sind die Einführung eines Anspruchs auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis für Opfer von Menschenhandel sowie Verbesserungen bei der Bleibeperspektive und dem Familiennachzug.

Ein weiterer Gesetzesentwurf zur Änderung der Strafvorschrift befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren des Bundestages. Damit umgesetzt werden soll die Richtlinie 2011/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2011 zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer sowie zur Ersetzung des Rahmenbeschlusses 2002/629/JI des Rates.

Auch sollen neue gesetzliche Regeln zur Regulierung der Prostitution und zum Schutz von Prostituierten geschaffen werden.

Unterstützung erhalten Betroffene von Zwangsprostitution, Menschenhandel oder Ausbeutung in der Prostitution auch über das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016.  Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung.