Frauen vor Gewalt schützen

Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland"

In der 2011 abgeschlossenen repräsentativen Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" wurden über 1500 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren in Privathaushalten und in Einrichtungen der Behindertenhilfe befragt. Befragt wurden Frauen zwischen 16 und 65 Jahren mit unterschiedlichen Behinderungen (zum Beispiel Frauen mit Lernschwierigkeiten oder Sinnesbeeinträchtigungen). Um einen Überblick über Ausmaß und Umfang von Gewalt gegen behinderte Frauen zu erhalten, wurde im Februar 2009 eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen mit Behinderungen viel öfter in ihrem Leben Gewalt erfahren, als andere Frauen und Mädchen.

Mit dem Forschungsvorhaben wurden Wissenslücken über das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen geschlossen. Nun gibt es eine solide empirische Basis, um gezielte Strategien gegen Gewalt und Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen zu schaffen.

Zentrale Ergebnisse der Studie

  • Frauen mit Behinderungen haben ein stark erhöhtes Risiko Opfer von Gewalt zu werden: Mit 58 bis 75 Prozent haben fast doppelt so viele Frauen im Erwachsenenalter körperliche Gewalt erlebt als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (mit 35 Prozent)
  • Von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren die Frauen der Befragung etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als der weibliche  Bevölkerungsdurchschnitt (21 bis 44 Prozent versus 13 Prozent)
  • Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend tragen maßgeblich zu späteren gesundheitlichen und psychischen Belastungen im Lebensverlauf bei: Sexuelle Übergriffe in Kindheit und Jugend durch Erwachsene gaben 20 bis 34 Prozent der befragten Frauen an. Sie waren damit etwa zwei- bis dreimal häufiger davon betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (zehn Prozent)
  • Psychische Gewalt und psychisch verletzende Handlungen in Kindheit und Jugend durch Eltern haben etwa 50 bis 60 Prozent der befragten Frauen erlebt (im Vergleich zu 36 Prozent der Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt)

Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und dem Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld.