Frauen vor Gewalt schützen

Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen

Das gilt für alle Formen von Gewalt. So hat jede dritte bis vierte Frau mit Behinderung in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt erfahren. Das ist zwei- bis dreimal häufiger als bei Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Neben der direkten personalen Gewalt gegen Frauen mit Behinderung sind sie vielfältigen Formen von Diskriminierung und struktureller Gewalt ausgesetzt.

Seit Herbst 2011 liegen in Deutschland erstmals repräsentative Daten über Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen vor. Für die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführte Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" wurden über 1500 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren in Privathaushalten und in Einrichtungen der Behindertenhilfe befragt. Die Ergebnisse belegen die hohe Gewaltbetroffenheit von Frauen mit Behinderung.

Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung trägt der hohen Gewaltbetroffenheit von Frauen mit Behinderung Rechnung. Deutschland hat die Konvention und das Zusatzprotokoll am 24. Februar 2009 ratifiziert. Zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention hat die Bundesregierung Nationale Aktionspläne erarbeitet, die die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung in einer Gesamtstrategie zusammenfassen. Sowohl der erste Aktionsplan (NAP 1.0) als auch der weiterentwickelte NAP 2.0 zielen darauf, den mit der Ratifikation der Konvention auch in Deutschland verbürgten Rechten für Menschen mit Behinderung in allen relevanten Bereichen mehr Geltung zu verschaffen und ihre praktische Umsetzung zu verbessern. Den Maßnahmen für Frauen mit Behinderungen ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.

Projekt "SELBST - Selbstbewusstsein für behinderte Frauen und Mädchen"

Das Bundesfrauenministerium fördert seit Oktober 2016 für drei Jahre das Projekt "Bundes-Netzwerk für Frauenbeauftragte in Einrichtungen", das vom Verein Weibernetz e.V. durchgeführt wird: Ziel ist der Aufbau einer bundesweiten Vernetzungsstruktur für Frauenbeauftragte in Einrichtungen, ihre Unterstützerinnen und Trainerinnen.

In den vergangenen Jahren seit Beginn des ersten Projektes hat sich die Idee der Frauenbeauftragten in der Praxis als ein erfolgreicher Beitrag zur Stärkung von Frauen mit Lernschwierigkeiten und zum Gewaltschutz in Einrichtungen erwiesen. Die Erfahrungen zeigen deutlich, dass Frauen mit Lernschwierigkeiten sehr gut als Frauenbeauftragte arbeiten können, da sie oftmals einen besseren, direkteren Zugang zu den Frauen in Einrichtungen haben als pädagogisches Personal. Gleichzeitig können sie als Schnittstelle zwischen dem System der Behindertenhilfe und den Angeboten für gewaltbetroffene Frauen fungieren.

Dies waren wichtige Grundlagen für die gesetzliche Festschreibung der institutionalisierten Einrichtung von Frauenbeauftragten durch die Novellierung der Werkstätten-Mitwirkungsverordnung. Für die konkrete Umsetzung in den Einrichtungen bedarf es einer Begleitung, die die bisherigen Erfahrungen aus der Praxis weiterentwickelt und zudem die Interessen der Frauenbeauftragten bündelt und wirkungsvoll vertritt.

Projekt "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen"

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es wichtig ist, dass die Interessen behinderter Frauen in Gremien und auf Fachtagungen vertreten sind. Unverzichtbar ist auch, dass Stellungnahmen und Vorschlägen zur Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Mädchen mit Behinderung formuliert werden. Nur so können ihre spezifischen Belange berücksichtigt werden. Das Bundesfrauenministerium fördert darum das Projekt "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen - für Chancengleichheit und Schutz vor Gewalt" in Trägerschaft des Weibernetz e.V. von 2018 bis 2021.