Ältere Frauen schützen

Frauen vor Gewalt schützen

Gewalt gegen ältere Frauen

Bislang wurde das Thema häusliche Gewalt primär als Problem jüngerer Frauen und ihrer Kinder gesehen. Häusliche Gewalt endet jedoch nicht im Alter. Vielmehr ist von besonderen Problem- und Bedürfnislagen älterer Frauen auszugehen. Die Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen" kommt zu dem Ergebnis, dass besonders für ältere Opfer von häuslicher Gewalt Hilfsangebote eingerichtet werden müssen.

  • Ältere Frauen werden zwar seltener als jüngere Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Allerdings handelt es sich bei älteren Frauen um Gewalt in langjährigen Misshandlungsbeziehungen ebenso wie um Gewalt, die - auch bedingt durch altersbezogene Veränderungen - erst spät einsetzt.
  • Es ist für ältere Frauen häufig schwieriger, eine Gewaltbeziehung zu beenden und eine eigenständige Perspektive zu entwickeln. Besondere Gefährdungen entstehen, wenn misshandelte Frauen pflegebedürftig werden, und umgekehrt verstärken sich Verantwortungsgefühle, wenn misshandelnde Männer auf Pflege angewiesen sind.
  • Ältere Frauen sind der Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen" zufolge nur unzureichend über Unterstützungsangebote informiert und nehmen diese selbst dann kaum in Anspruch, wenn sie von schwerer körperlicher, sexueller und/oder psychischer Gewalt durch den Partner betroffen sind oder waren.

Aktionsprogramm "Sicher leben im Alter"

Basierend auf den Ergebnissen der Studie "Kriminalitäts- und Gewalterfahrungen im Leben älterer Menschen" hat das Bundesfamilienministerium von 2008 bis 2012 gemeinsam mit der Deutschen Hochschule der Polizei das modulare Aktionsprogramm "Sicher leben im Alter" durchgeführt.

Das Aktionsprogramm hat bereits vorhandene Angebote gebündelt und vernetzt und damit eine neue und übersichtliche Struktur der Hilfen geschaffen. So sollte etwa die Ermittlung von Todesursachen bei Menschen, die 75 Jahre und älter sind, optimiert werden, um mögliche Gefahrenquellen früher erkennen zu können. Hinzu kamen Maßnahmen zur Gewaltprävention, etwa bei Vernachlässigung älterer Menschen in der häuslichen Pflege oder auch bei Gewalt in Partnerschaften.

In Hamburg wurden in Kooperation mit der dortigen Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) verschiedene Maßnahmen im Hinblick auf Gewalt in Partnerschaften umgesetzt. Dabei wurden unter anderem Frauenhäuser und Beratungsstellen für Menschen mit Migrationshintergrund einbezogen. Die Aktivitäten richteten sich zum einen an ältere Opfer von Gewalt in Partnerschaften: Es gab angeleitete Gesprächsgruppen, offene Treffs, thematisch niedrigschwellige Veranstaltungen und insgesamt eine deutlich auf ältere Frauen ausgerichtete Zielgruppenansprache. Zum anderen richteten sich die Maßnahmen an Fachkräfte im Bereich der Altenarbeit und des Pflege- und Gesundheitswesens. Ziel war es, die Beteiligten zu informieren und zu sensibilisieren sowie Disziplinen übergreifend zu kooperieren.

Im Projektzeitraum hat sich die Zahl der älteren weiblichen Klientinnen mit häuslichen Gewalterfahrungen in den beteiligten Einrichtungen nahezu verdoppelt. Die Projekterfahrungen zeigen, dass ältere Frauen als eigene Zielgruppe angesprochen und längerfristig durch ein Netzwerk aus Fachkräften und Hilfeeinrichtungen begleitet werden müssen. Zudem sollten Angebote speziell für ältere Frauen geschaffen werden.

Bundesweites Hilfetelefon

Mit dem Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" gibt es unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 - 116 016 Unterstützung und Hilfe bei allen Formen von Gewalt gegen Frauen. Neben den betroffenen Frauen können sich auch Angehörige, Freunde und Menschen aus dem sozialen Umfeld sowie Fachkräfte an das Hilfetelefon wenden. Das barrierefreie, anonyme und mehrsprachige Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung.