Ungewollte Schwangerschaft

Hilfen für Schwangere mit Anonymitätswunsch und vertrauliche Geburt

Am 1. Mai 2014 ist das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft getreten. Damit erhalten Schwangere die Möglichkeit, ihr Kind auf Wunsch vertraulich und sicher in einer Klinik oder bei einer Hebamme auf die Welt zu bringen. Während der Schwangerschaft und danach werden sie von Schwangerschaftsberatungsstellen beraten, betreut und begleitet.

Drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes wird deutlich: Die Hilfe für schwangere Frauen in Notsituationen kommt an. Von Ende 2014 bis September 2016 wurden rund 1.300 schwangere Frauen in Not in einer Schwangerschaftsberatungsstelle beraten. 60 Prozent der Frauen haben sich in dem beobachteten Zeitraum für eine Lösung im Sinne des Kindes entschieden. 249 Kinder wurden vertraulich geboren. Das geht aus einem Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Gesetzes zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt hervor, den das Bundeskabinett am 12. Juli 2017 verabschiedet hat. Der Bericht basiert auf den Ergebnissen einer Gesetzesevaluation die ein unabhängiges Institut für den Zeitraum vom Mai 2014 bis September 2016 durchgeführt hat.

In Deutschland steht Schwangeren ein gut ausgebautes System an Unterstützung und Hilfen zur Verfügung. Einigen Schwangeren ist das Hilfesystem allerdings nicht bekannt oder sie können sich einer Beratungsstelle nicht anvertrauen. In solchen Situationen kann es zu riskanten Geburten ohne medizinische Begleitung kommen. Selbst wenn Mutter und Kind die unbegleitete Geburt unbeschadet überstehen, werden manche Kinder in einer Babyklappe abgelegt oder sogar in lebensgefährdender Weise ausgesetzt.

Durch das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt sollen auch Schwangere für die Annahme von Unterstützung und Hilfe gewonnen werden, die bisher nicht den Weg in eine Beratungsstelle gefunden haben.

Damit die Hilfe auch wirklich bei ihnen ankommt, hat das Bundesfamilienministerium eine Reihe von Maßnahmen entwickelt:

  • Hilfetelefon: Das kostenlose, barrierefreie und 24 Stunden erreichbare Hilfetelefon "Schwangere in Not" (Nummer: 0800 40 40 020) ist eine erste Anlaufstelle, die bei Bedarf auch eine fremdsprachige Beratung anbietet. So wird Frauen, die ihre Schwangerschaft verdrängen oder verheimlichen, eine Brücke ins bestehende Hilfesystem gebaut. Das Hilfetelefon soll für die betreffenden Frauen ein erster Anlaufpunkt sein und ihnen den Weg zu qualifizierten Beraterinnen in den örtlichen Schwangerschaftsberatungsstellen aufzeigen, wo sie ebenfalls anonyme und kostenlose Beratung erhalten.
  • Online-Angebot: Informationen und anonyme Beratung gibt es auch online unter www.geburt-vertraulich.de. Schwangere können sich zudem anonym online beraten lassen.
  • Informationskampagne: Die Bundesregierung macht die Hilfen für Schwangere und insbesondere den Anspruch auf anonyme Beratung in den Schwangerschaftsberatungsstellen bekannt. In den Beratungsstellen werden Schwangere dabei unterstützt, ihre schwierige Situation zu bewältigen und ihr Kind anzunehmen oder notfalls zur Adoption freizugeben.

Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der anonymen Hilfen für Schwangere erfolgte durch das Bundeskinderschutzgesetz. Der Rechtsanspruch auf anonyme Beratung wurde durch das Gesetz auf alle Beratungen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft ausgeweitet (§ 2 Absatz 1 SchKG).

Für Frauen, die ihre Schwangerschaft und Mutterschaft auch nach eingehender psychosozialer Beratung weiter verheimlichen wollen, gibt es die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Sie ermöglicht eine geschützte und medizinisch betreute Entbindung und garantiert Müttern 16 Jahre lang Anonymität. Beraterinnen begleiten die betreffenden Frauen im Fall einer vertraulichen Geburt auch nach der Geburt, um ihnen bei der Lösung von Konflikten zur Seite zu stehen und ihnen Wege für ein Leben mit Kind aufzuzeigen. Entscheidet sich die Frau für die dauerhafte Abgabe des Kindes, wird es zur Adoption freigegeben. Die betroffenen Kinder können dann ab dem 16. Lebensjahr ihre Herkunft erfragen.

Mit der vertraulichen Geburt hat die Bundesregierung erstmals ein gesetzlich geregeltes Angebot für die Betroffenen geschaffen und damit Handlungssicherheit für Schwangere, Beratungsstellen, Kliniken und Behörden hergestellt.

Das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt basiert auf Ergebnissen der Studie "Anonyme Geburt und Babyklappen in Deutschland". Diese hatte die Motive und Probleme von Frauen untersucht, die eine Babyklappe oder das Angebot einer anonymen Geburt nutzten. Die Studie zeigte, dass sowohl die betroffenen Frauen als auch andere an der anonymen Kindesabgabe beteiligte Personen verunsichert waren, wie sie sich rechtssicher zu verhalten haben. Betroffenen Kindern blieb oftmals ein Leben lang die Kenntnis ihrer Herkunft verborgen. Die vom Bundesfamilienministerium beim Deutschen Jugendinstitut (DJI) in Auftrag gegebene Studie wurde von Juli 2009 bis Oktober 2011 durchgeführt. Der Abschlussbericht zur Studie steht seit Februar 2012 zur Verfügung und ist auf der Projektseite des DJI abrufbar.