Umfrage zum Thema Familie

Moderne Familienpolitik gestalten

Ulla Fiebig, Dr. Franziska Giffey und Prof. Renate Köcher (von links) stellen die Umfrageergebnisse vor
Ulla Fiebig, Dr. Franziska Giffey und Prof. Renate Köcher (von links) stellen die Umfrageergebnisse vor© BMFSFJ

Am 9. September haben Bundesfamilienminsterin Dr. Franziska Giffey und Prof. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Thema Familie und Familienpolitik vorgestellt. Rund 1200 Personen wurden zwischen dem 1. Februar und 15. August 2019 befragt.

Wie denken Menschen über Familie, über die Förderung und  Betreuung von Kindern und über Familienpolitik? Was wird heute von Vätern und Müttern erwartet, und wie wollen sie leben? Diesen Fragen ist das Institut für Demoskopie Allensbach nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen, dass die stärkere finanzielle Förderung von Familien mit kleinen Einkommen und die Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Sicht der Bevölkerung wie der Eltern minderjähriger Kinder ganz oben auf der familienpolitischen Tagesordnung stehen.

Dr. Franziska Giffey:

"Um gute Politik machen zu können, müssen wir die Lebensrealitäten von Familien kennen und wissen, was sie wollen und brauchen. In den vergangenen Jahren hat sich einiges gewandelt. Vieles ist auch weiter in Bewegung. Die Ergebnisse der Allensbach-Umfrage zeigen nun, dass wir mit unserer Familienpolitik für Deutschland auf dem richtigen Weg sind. Dazu zählen das Starke-Familien-Gesetz, qualitativ gute Betreuung von Kindern in Kitas und Grundschulen sowie eine Reform des Elterngeldes.

Die Gesellschaft ist im Wandel. Vielfältige Familienkonstellationen, veränderte Rollenbilder, der Wunsch nach guter Kinderbetreuung von Anfang an und nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Pflege prägen die Anforderungen an eine moderne Familienpolitik. Daran arbeiten wir."

In der Bevölkerung wird die oft schwierige Lage von Alleinerziehenden und Familien mit kleinen Einkommen sensibel wahrgenommen und von der Politik eine bessere Unterstützung dieser Familien erwartet: 84 Prozent der Bevölkerung sind der Ansicht, dass Alleinerziehende stärker als bisher vom Staat unterstützt werden sollten, knapp 80 Prozent sprechen sich für eine stärkere finanzielle Unterstützung von Familien mit kleinen Einkommen aus. Dies wird mehrheitlich mit dem Wunsch nach gleich guten Chancen  für Kinder in Familien mit kleinen Einkommen begründet (93 Prozent der Bevölkerung).

Das Starke-Familien-Gesetz, das mit einem höheren Kinderzuschlag, der vor allem Alleinerziehende besser erreicht und verbesserte Bildungs- und Teilhabeleistungen für Kinder in Familien mit kleinen oder gar keinem Einkommen bereithält, entspricht diesen Erwartungen. Entsprechend sehen es rund 60 Prozent der Bevölkerung als spürbare Unterstützung für diese Familien.

Sprach- und Leseförderung sowie die Betreuung und Unterstützung der Kinder bei den Hausaufgaben haben aus Sicht von Eltern an Bedeutung gewonnen: Heute finden 80 Prozent der Eltern minderjähriger Kinder, dass Sprach- und Leseförderung zusätzlich zur Schule besonders wichtig für die Entwicklung eines Kindes sind. 2011 waren es nur 52 Prozent. Für 76 beziehungsweise 75 Prozent der Eltern sind Betreuung und Hilfestellung bei Hausaufgaben und Nachhilfeunterricht besonders wichtig.

Mit dem geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der bis 2025 eingeführt werden soll, wird dafür gesorgt, dass alle Kinder eine gute Sprach- und Leseförderung und Zeit für Musik, Sport oder Hausaufgabenbetreuung in der Grundschule bekommen.

Auch hierfür gibt es breite gesellschaftliche Zustimmung, wie die Befragung zeigt: 82 Prozent der Eltern, 77 Prozent der Kinderlosen unter 30 Jahren und 74 Prozent der Bevölkerung finden die geplante Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder gut. Aus Sicht der Befragten spricht nicht nur die zeitliche Entlastung berufstätiger Eltern und vor allem Alleinerziehender dafür (je 76 Prozent), sondern auch, dass so alle Kinder unabhängig von den Möglichkeiten ihres Elternhauses gefördert werden.

Dass immer mehr Väter Elterngeld nutzen und sich um ihre kleinen Kinder kümmern, wird gesellschaftlich stark wahrgenommen, positiv bewertet und hat die Erwartungen gerade an Väter verändert.

Heute sagen 84 Prozent der Bevölkerung, ein Vater sollte so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen.  80 Prozent meinen, er sollte die beruflichen Pläne seiner Partnerin unterstützen. Eltern selbst wünschen sich heute im Vergleich zu 2007 zunehmend eine gleichgewichtigere Aufteilung von Familie und Beruf, während das sogenannte "Zuverdienermodell" an Bedeutung verloren hat.

Entsprechend hoch geschätzt sind die Elterngeldleistungen, die Väter ermutigen, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen und eine partnerschaftliche Vereinbarkeit unterstützen,  in der Gesellschaft wie von den Eltern selbst. 92 Prozent der Eltern bewerten das 2007 eingeführte Elterngeld, 67 Prozent das jüngere ElterngeldPlus und 62 Prozent den Partnerschaftsbonus positiv. Letztere erfahren Elterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus nicht nur als wichtige finanzielle Unterstützung, sondern auch als ein "mehr an Zeit" für Mütter wie Väter und als Hilfe dabei, Familie und Beruf entsprechend den eigenen Vorstellungen zu verbinden.

Mit dem ElterngeldDigital, das bereits in sechs Bundesländern zur Verfügung steht, ist das Bundesfamilienministerium einen ersten und wichtigen Schritt auf dem Weg zum Digitalen Familienministerium gegangen. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey betonte bei der Pressekonferenz, dass zukünftig alle Familienleistungen digital zur Verfügung stehen sollen. Laut Allensbach-Befragung wäre die Online-Antragstellung von Familienleistungen sowie detaillierte Informationen über Leistungen im Internet oder automatische Hinweise auf infrage kommende Leistungen für eine Mehrheit der Eltern eine große Hilfe.