Vielfalt und Teilhabe in der digitalen Gesellschaft

Familie und Digitale Gesellschaft

Vielfalt und Teilhabe in der digitalen Gesellschaft

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Patenschaften zwischen Freiwilligen und Geflüchteten entwickeln sich oft zu Freundschaften© Fotolia / Igor Mojzes

Digitale Technologien ermöglichen, dass sich mehr Menschen engagieren, vernetzen und organisieren, und so ihren Interessen auch politisch Ausdruck verleihen. Eine gerechtere, inklusivere und engagiertere Gesellschaft wird dadurch möglich. Gleichzeitig lassen sich diese Werkzeuge auch für das Gegenteil nutzen: Ausgrenzung, Hassrede, Mobbing, Desinformation und Überwachung.

Digitalisierung ist kein Selbstläufer in Richtung einer besseren Welt. Sie stellt lediglich Werkzeuge zur Verfügung und verändert Rahmenbedingungen - wie wir als Gesellschaft entscheiden, diese zu nutzen, bleibt uns überlassen. Die verantwortliche Gestaltung der Digitalisierung ist deshalb eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

Digitales und digitalisiertes Engagement und Ehrenamt stärken

Ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement ist zentral für den Zusammenhalt der Gesellschaft - auch der digitalen Gesellschaft. Unzählige Initiativen, Vereine und Verbände prägen gesellschaftliches Leben in seinen vielen Facetten. Digitale Hilfsmittel spielen dabei eine immer stärkere Rolle. Sie erlauben die bessere Vereinbarkeit von Engagement und Familie und Beruf. Sie verbessern die Koordination von kleinen Initiativen und die Organisation großer Verbände. In den neuen digitalen Welten entstehen auch ganz neue Formen digitalen Engagements. Das Bundesfamilienministerium will deshalb neues digitales Engagement fördern und die Digitalisierung "klassischen" Engagements unterstützen.

Hass und Unwahrheiten begegnen

Soziale Netzwerke sind niedrigschwellige Instrumente des Austauschs und der Kommunikation. Deshalb erlauben sie sowohl die Vernetzung im Dienste bürgerschaftlichen Engagements, als auch die Verbreitung von Unwahrheiten, Verschwörungsideologien, Hassrede und Hetze. Allein durch Regulierung und Kontrolle lässt sich das Problem nicht lösen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Menschen sich auch online engagieren. In Initiativen wie #Ichbinhier vernetzen sich Freiwillige und widersprechen Hassrede und Unwahrheiten in sozialen Netzwerken mit Respekt und Sachlichkeit. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zum demokratischen Gemeinwesen.

Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" förderte im Herbst 2017 Modellprojekte in den Themenfeldern "Stärkung des Demokratie und des zivilgesellschaftliches Engagements im Netz" und "Radikalisierungsprävention im Netz". Ebenfalls im Rahmen von "Demokratie leben!" wurde Jugendschutz.net gefördert. Es beobachtet, mit welchen Mitteln Rechtsextreme und islamistische Extremisten versuchen im Internet junge Menschen zu ködern, und wird gegen Angebote aktiv, die Jugendliche gefährden oder beeinträchtigen können. Verstöße können unter www.hass-im-netz.info gemeldet werden. Deutschland beteiligt sich zudem an der Umsetzung der "No Hate Speech"-Kampagne des Europarates.

Teilhabe an der Gestaltung der digitalen Welt stärken und Diversität sichern

In der digitalisierten Gesellschaft bilden Soft- und Hardware die grundlegende Infrastruktur. Deshalb ist es wichtig, dass die Bedürfnisse und Sichtweisen unterschiedlicher gesellschaftlichen Gruppen bereits in die Herstellung miteinfließen. Das ist heute noch nicht der Fall. Frauen sind zum Beispiel immer noch als Gründerinnen in der Digitalwirtschaft oder als Programmiererinnen unterrepräsentiert. Die weibliche Perspektive fehlt somit bei der Entwicklung von Anwendungen. Wenn diese aber an den Bedürfnissen unterschiedlicher gesellschaftlichen Gruppen vorbei entwickelt werden oder diese gar nicht aufgreifen, wäre das ein gesellschaftspolitischer Rückschritt. Gerade die digitale Gesellschaft lebt von Diversität. Der seit 2001 jährlich stattfindende Aktionstag Girls’ Day soll Mädchen deshalb dazu motivieren, naturwissenschaftliche oder technische Berufe zu ergreifen. Schülerinnen ab der 5. Klasse bekommen für diesen Tag praktischen Einblick in überwiegend männlich besetzte Berufe, unter anderem in der Informationstechnologie, und können sich ein Bild machen, ob diese für sie als späterer Beruf in Frage kommen.

Diskriminierungsfreie Algorithmen

Auch Algorithmen, die alle auf Datenverarbeitung und -auswertung beruhenden Anwendungen inzwischen beeinflussen, sind nie vollkommen neutral und können Stereotype und Benachteiligungen reproduzieren. Ihre Stärke liegt darin, in umfangreichen Daten Muster zu erkennen und diese für Entscheidungen und Vorhersagen zu nutzen. Darin liegt gleichzeitig ihre Schwäche: Muster in der Vergangenheit können Ausdruck überkommener Stereotype oder von Diskriminierung sein. Auf ihrer Basis Entscheidungen für die Zukunft zu treffen kann diese Muster noch verstärken und gesellschaftlichen Wandel übersehen. 

Für Personalabteilungen bieten sogenannte People Analytics zum Beispiel die Möglichkeit auf Basis verschiedenster Daten Arbeitszufriedenheit und das Risiko der Abwanderung von Fachkräften zu berechnen und darauf aufbauend Entscheidungen zu Beförderung, Bezahlung und Investitionen in Weiterbildung zu treffen. Neuere Entwicklungen wie das zunehmende Interesse junger Väter an partnerschaftlicher Vereinbarkeit von Familie und Beruf könnten von Algorithmen, die allein auf Vergangenheitsdaten basieren, fehlinterpretiert werden. 

Es ist deshalb wichtig, viele Perspektiven am Tisch zu haben, wenn digitale Werkzeuge entwickelt werden, um zu verhindern, dass sie Hürden und Hindernisse für bestimmte Bevölkerungsgruppen enthalten.