Smarte Gesellschaftspolitik

Zeichnung von Personen mit digitalen Geräten

Smarte Gesellschaftspolitik

Die Agenda

Die "Agenda für smarte Gesellschaftspolitik" ist die neue Digitalstrategie des Bundesfamilienministeriums. Sie richtet sich an alle Altersgruppen und Geschlechter. Ihre fünf Handlungsfelder zeigen, welche Vision das Bundesfamilienministerium bei einer Digitalisierung hat, bei der die Bürgerinnen und Bürger im Fokus stehen.

Neben der Begleitung der Menschen im digitalen Alltag geht es auch darum, 

  • wie Bürokratie mit Hilfe von smarten Services abgebaut werden kann,
  • wie die intelligente Nutzung von Daten dem Gemeinwohl dient und 
  • wie digitale Beteiligung für alle funktioniert.

In Leuchtturmprojekten werden die Vision smarter Gesellschaftspolitik umgesetzt und digitale Innovationen genutzt, um die Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger smarter, sozialer und sicherer zu machen. Für weitere Informationen zur "Agenda für smarte Gesellschaftspolitik" können Sie sich bei unserem Newsletter anmelden (Link).

Mit smarter Lebensführung den Alltag menschlicher machen

Digitalität ist Realität, die virtuelle Welt zum Alltag geworden: Neue Tools und Medien prägen die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren, wie sie arbeiten - wie sie ihr tägliches Leben organisieren. Die Frage nach der Digitalisierung umfasst somit auch die Frage, wie wir leben wollen. Als Gesellschaftsministerium stehen wir den Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen zur Seite und möchten helfen, diese Fragen zu beantworten.

Wir werfen einen Blick auf den gelebten digitalen Alltag unserer Zielgruppen und zeigen, wie digitale Technologien schon heute das tägliche Leben erleichtern und bereichern können.

In verschiedenen Projekten wollen wir Antworten auf die folgenden Fragen geben: Wie kann die Digitalisierung zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit auch zur Gleichstellung beitragen? Wie kann smarte Technik dabei helfen, auch im Alter selbstbestimmt zu leben? Und: Kann uns das alles einander näherbringen?

Die Leuchttürme:

Digitale Teilhabe und Beteiligung stärken

Die Digitalisierung hat das Potential, grundlegende Werte unserer demokratischen Gesellschaft zu stützen. Damit sie diesen positiven Effekt entfalten kann, muss ihr Rahmen immer wieder neu verhandelt werden. Die Herausforderungen müssen erkannt, benannt und angegangen werden.

Gleichzeitig müssen die technischen Möglichkeiten wiederum allen Menschen gleichermaßen zugänglich gemacht werden. Digitalisierung muss aus der Perspektive von Vielfalt und Inklusion gedacht und umgesetzt werden. Unsere Aufgabe als Gesellschaftsministerium ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern digitale Teilhabe und Beteiligung zu ermöglichen.

Wir sind uns sicher: Das tatsächliche Erleben von Chancen und Gestaltungsspielraum kann ein wichtiger Motor für eine Zivilgesellschaft sein, die sich aktiv für Würde, Respekt und Gerechtigkeit einsetzt. Wir stellen verschiedenen Projekte vor, mit denen wir uns zum Beispiel für digitales Engagement und gegen Hetze im Internet einsetzen oder die Verwirklichungschancen von Frauen innerhalb der Digitalbranche stärken.

Die Leuchttürme: 

Digitale Souveränität für alle Gesellschaftsgruppen ermöglichen

Es klingt erstmal ganz einfach: Wer ein Werkzeug für eigene Zwecke nutzen will, muss verstehen, wie es funktioniert. Die Digitalisierung hat allerdings nicht nur ein neues Werkzeug hervorgebracht, sondern unzählige neue - einen kompletten Werkzeugkasten. Wir setzen uns dafür ein, dass ihn so viele Menschen wie möglich nutzen können und dass sie das Wissen erhalten, um ihn sicher und zu ihren Gunsten zu bedienen.

Wir stellen vor, wie wir unsere Rolle als Gesellschaftsministerium nutzen, um den Menschen einen souveränen Umgang mit der Digitalisierung zu ermöglichen: Ein neues Gesetz wird den digitalen Raum für Kinder- und Jugendliche sicherer machen, eine neue Initiative soll Mädchen für das Coden begeistern, ein weiteres Projekt sorgt dafür, dass von Gewalt betroffene Frauen während der Pandemie verstärkt digitale Hilfsangebote nutzen können.

Die Leuchttürme:

Intelligente Services ausbauen, bürokratische Hürden abbauen

Papierstapel, streikende Drucker, langes Warten am Telefon bei Service-Hotlines: All das soll bald der Vergangenheit angehören. Wir haben verschiedene Projekte ins Leben gerufen, die unsere Anträge und Services  einfacher, bürgernäher und unmittelbarer machen. So sollen zukünftig smarte Bots und Assistenten die Fragen der Bürgerinnen und Bürger automatisiert und dadurch schneller und direkter beantworten.

Wir zeigen Ihnen, wie wir das Ausfüllen von Anträgen grundlegend vereinfachen: Anträge werden nicht nur ins Digitale übersetzt, sondern in vielen Punkten so angepasst, dass sie den Nutzerinnen und Nutzern Arbeit abnehmen. Dazu beziehen wir unsere Zielgruppen bei der Entwicklung von Serviceangeboten gezielt mit ein.

Die Leuchttürme: 

Innovative Datennutzung allen ermöglichen

Daten nehmen in unserer digitalen Gesellschaft eine Schlüsselrolle ein. Für eine faire Gesellschaft dürfen aber nicht nur Staat und Wirtschaft die zentralen Akteure innovativer Datennutzung sein. Auch Bürgerinnen und Bürger sowie die organisierte Zivilgesellschaft sollen profitieren. Deshalb gehört es zu unseren wichtigsten Aufgaben, die Datenkompetenz der Menschen und der Zivilgesellschaft zu stärken.

Unser Ziel ist ein offenes Datenökosystem in Deutschland, in dem Daten vertrauensvoll und sicher geteilt und gemeinsam genutzt werden können. Dafür schaffen wir eine neue Dateninfrastruktur, die es der organisierten Zivilgesellschaft erleichtern soll, datenbasierte Anwendungen zu entwickeln.

Wir erklären, wie wir im Sinne der Datenstrategie der Bundesregierung auf eine innovative und verantwortungsvolle Datennutzung hinwirken - angefangen bei uns im Haus.

Die Leuchttürme:

Cover der Publikation Smarte Gesellschaftspolitik

Gemeinsam im Wandel. Agenda für smarte Gesellschaftspolitik

Wie wir Digitalisierung vom Menschen für den Menschen denken.

Zeichnung von Professor Dr. Julia Knopf und Professor Dr. Oliver Thomas

"Die Nutzerinnen werden Teil einer lebendigen Community"

Aus der Wissenschaft in die Praxis - YouCodeGirls soll Mädchen und junge Frauen für das Programmieren begeistern. Dabei machen sich die Ideengeberin Professor Dr. Julia Knopf und Ideengeber Professor Dr. Oliver Thomas die Mechanik der sozialen Netzwerke zunutze. Ein Gespräch darüber, wie der Transfer gelingen kann.

Mit YouCodeGirls entwickeln Sie ein Produkt, das Mädchen und junge Frauen an das Programmieren heranführen soll. Was kann die Plattform besser als bisherige Angebote?

Julia Knopf: Es gibt bereits einige Programme zur Förderung der Codier-Fähigkeiten. Diese sind größtenteils regional angesiedelt, der Vernetzungsaspekt fehlt. Darüber hinaus sind junge Frauen es durch Plattformen wie Instagram oder TikTok gewohnt, selbst Inhalte zu erstellen. Sie wollen kreativ sein und eigenständig gestalten. Diese Eigenschaften haben uns auch bei Vergleichsangeboten gefehlt. Deshalb gestalten wir mit YouCodeGirls unser eigenes soziales Netzwerk - inklusive Kommentarfunktion und Newsfeed. Die Nutzerinnen werden Teil einer lebendigen Community.

Lesen Sie das gesamte Interview

Welchen Herausforderungen blicken junge Coderinnen aktuell entgegen?

Oliver Thomas: Schauen wir auf bestehende Angebote, ist es für junge Coderinnen vor allem schwierig, ein Angebot zu finden, das auf ihre Fähigkeiten eingeht. Die Generation Z und Millenials sind es gewohnt, passgenaue digitale Angebote zu nutzen. Dieses Prinzip übertragen wir auf YouCodeGirls. Das kann bedeuten, zunächst Interesse am Thema zu wecken, aber auch fortgeschrittenen Coderinnen ein Angebot zu machen.

Herzstück der Plattform wird ein Mentoring, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Was ist das Besondere an der KI?

Oliver Thomas: Die KI macht basierend auf dem individuellen Wissenstand personalisierte Vorschläge, gibt Feedback und motiviert. Wir trainieren die KI so, dass sie den Nutzerinnen konkret Dinge sagen kann wie: "Schau dir diese Aufgabe an. Die ist nun etwas kniffliger, baut jedoch auf deinen Vorkenntnissen auf." Aus den Erfahrungen des Homeschoolings wissen wir, dass Schülerinnen und Schülern aktuell das Feedback von Lehrkräften fehlt. Auf diesen Erfahrungen bauen wir auf, um die Nutzerinnen zu motivieren.

Was schätzen Sie, welche digitalen Kompetenzen benötigen Mädchen und Frauen 2050?

Julia Knopf: So weit brauchen wir gar nicht schauen. Der digitale Raum ändert sich stündlich. Das ist auch unser Ziel mit YouCodeGirls. Wir wollen die Initiative an gesellschaftliche Veränderungen anpassen. Denn nur so kann YouCodeGirls Berührungsängste abbauen und Neugierde wecken.

Wie schätzen Sie das Potential für Ihre Organisation durch Künstliche Intelligenz ein?

Befragung unter Vertreterinnen und Vertretern von Nicht-Gewinnorientierten-Organisationen in Deutschland; Digital Report 2020, S. 26

Diese digitalen Möglichkeiten für Familienleistungen wünschen sich Familien

Wir schätzen Sie das Potential für Ihre Organisation durch Künstliche Intelligenz ein? Prozentuale Verteilung ...

"Ich kann sagen, dass ich heute auf dem neuesten Stand bin. Auch mit meiner Familie kann ich jetzt leichter kommunizieren."

Helga Kirste, Teilnehmerin Computercafé
Zeichnung von Martin Hagen

"Die Verwaltung soll die Bürgerinnen und Bürger leiten"

Seit knapp sechs Monaten steht den Eltern in Bremen nach der Geburt ihres Kindes eine ELFE zur Seite. Die App "Einfach Leistung für Eltern" (ELFE) unterstützt bei der Namensbestimmung und Beantragung der Geburtsurkunde und schon bald auch bei den Anträgen auf Kinder- und Elterngeld sowie Kinderzuschlag. Warum das Pilotprojekt der Auftakt zur digitalen Behörde sein könnte, erzählt Dr. Martin Hagen, Staatsrat beim Senator für Finanzen des Stadtstaates im Interview.

Herr Dr. Hagen, das Land Bremen ist bundesweit Vorreiter in puncto digitale Bürgerservices, woher rührt das Erfolgsrezept?

Martin Hagen: Ein Erfolgsfaktor sind sicherlich die kurzen Kommunikationswege in unserer Verwaltung. Die zuständigen Mitarbeitenden haben in der Vergangenheit immer wieder davon berichtet, welche Hürden es für Eltern nach der Geburt ihres Kindes gibt, an Leistungen zu kommen, die ihnen zustehen. Dies reicht von komplizierten Formularen bis hin zur Organisation zahlreicher Nachweise, welche Eltern einreichen müssen. Diesen Herausforderungen sind wir mit Hilfe der ELFE App nun angegangen. Voraussetzung dafür waren natürlich auch die gesetzlichen Änderungen durch das Digitale-Familienleistungen-Gesetz auf Bundesebene.

Was ist das Besondere an ELFE?

Lesen Sie das gesamte Interview

Martin Hagen: ELFE bündelt Anträge und Nachweise auf einer Plattform. Um Geburtsurkunde, Kinder- und Elterngeld zu beantragen, kann ich nun dem Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Behörden, wie der Elterngeldstelle und der Rentenversicherung, zustimmen. Das erspart Eltern Zeit und Mühe, die eigenen Unterlagen zu durchforsten.

Die Anwendung ist Teil dessen, was Sie als "smarte Verwaltung" bezeichnen: Was versteht Bremen unter diesem Begriff?

Martin Hagen: Der Begriff ist eng verbunden mit der Idee einer "Smart City", also der ganzheitlichen Entwicklung der Stadt. Ziel ist es, Synergien zu nutzen und Städte so effizienter, technologisch fortschrittlicher und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Idee möchten wir auf die Verwaltung übertragen: Die Verwaltung soll die Bürgerinnen und Bürger leiten. Sie erbringt viele Standardleistungen automatisch, ohne komplizierte Antragsstellung. ELFE hat uns gezeigt, dass wir durch die Digitalisierung von Anträgen sowohl in der Verwaltung effizienter arbeiten können als auch die Bürgerinnen und Bürger so Teilhabe erfahren. Barrieren werden abgebaut.

Sind digitale Bürgerservices also die Zukunft der Verwaltung?

Martin Hagen: Auf jeden Fall. Das ist unsere Vision und an weiteren digitalen Leistungen arbeiten wir. Länder und Bund arbeiten hier Hand in Hand.

Unsere Organisation ist mit den neuesten Technologien ausgestattet.

Quelle: Digital Report 2020, S. 43

Diese digitalen Möglichkeiten für Familienleistungen wünschen sich Familien

Wie schätzen Sie das Potential für Ihre Organisation durch Künstliche Intelligenz ein? Prozentuale Verteilung ...

"Der größte Erfolg ist sicherlich, dass wir bislang über 600 Betroffene vertreten und über 350 Verfahren angestrengt haben. Unsere Klientinnen und Klienten haben sich nicht einschüchtern lassen."

Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin von HateAid
Ein Mann bringt eine Tüte mit Lebensmitteln

"Gründerinnen sind wichtige Innovationstreiberinnen"

Studien zeigen: Zwar steigt die Zahl der Gründerinnen in der Digitalwirtschaft, aber noch immer gründen deutlich mehr Männer in Deutschland (Quelle). Was es braucht, damit mehr Frauen gründen, erklären Dr. Katja von der Bey, Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft und Leitungsmitglied der bundesweiten gründerinnenagentur (bga), sowie Helene von Schwichow, Co-Gründerin MOTIF Institute for Digital Culture.

Was bräuchte es für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Feld der digitalen Gründungen?

Helene von Schwichow: Aus meiner eigenen Gründungserfahrung sind das vor allem drei Dinge: Netzwerke, in denen man sich austauschen kann, Peer Group Mentoring, um über Herausforderungen zu sprechen, und Finanzierungsmöglichkeiten speziell für Frauen und andere von Diskriminierung betroffene Gruppen.

Katja von der Bey: Zum Beispiel richten sich viele der Förderprogramme aktuell noch an Vollzeitgründerinnen und -gründer. Aufgrund familiärer Verpflichtungen oder aus finanziellen Gründen bauen Frauen ihr Unternehmen jedoch oft in Teilzeit auf. Auch bei Männern wird dieses Gründungsmodell immer beliebter.

Lesen Sie das gesamte Interview

Warum ist es wichtig, dass Frauen in der Digitalbranche vertreten sind?

Helene von Schwichow: Wenn Unternehmen digitale Produkte entwickeln, sollten diese für alle nutzbar sein, außerdem sind Gründerinnen wichtige Innovationstreiberinnen. Digitale Produkte und Services werden nach wie vor von Teams entwickelt, die überwiegend männlich sind. Die fehlende Einbeziehung diverser Perspektiven im Entwicklungsprozess wirkt sich auch auf die Technologien aus. Die Folge kann Diskriminierung sein, etwa wenn Frauen, queere Personen oder People of Colour nicht ausreichend in Datensätzen präsent sind.

Das Modellprojekt KITE soll Frauen für Benachteiligungen sensibilisieren, die Gründerinnen aufgrund ihres Geschlechts erfahren können. Was hat es mit dem Projekt auf sich?

Katja von der Bey: Keine Gründerin sagt: "Ich werde strukturell diskriminiert". Nach einiger Zeit merken die Frauen jedoch, dass es die kleinen Dinge sind, die den Weg erschweren. Zum Beispiel, wenn die Gründerin "nach dem Chef" gefragt wird, der sie selbst ist. Mit KITE werfen wir diese analogen Erfahrungen ins Digitale. Basierend auf Künstlicher Intelligenz soll das Programm Gründerinnen auf solche Situationen vorbereiten. Denn von den Erfahrungen einzelner können alle profitieren.

Einblick in das Projekt Jugendverstärker

Hinter dem Projekt Jugendverstärker verbirgt sich ein digitales Trendbarometer, das mittels Künstlicher Intelligenz relevante Jugendthemen sichtbar macht. Es soll Meinungen junger Menschen im Netz aufspüren, die die Politik bislang nicht sieht. Welche Knackpunkte die Entwicklung der Software mit sich bringen könnte, erzählen vier der Projekt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer im Blitzlicht: