Menschen stärken Menschen

Patenschaften

Patenschaft
Patenschaft© Bildnachweis: iStock/Deborah Cheramie

Schon lange unterstützen Freiwillige in ganz Deutschland Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund erfolgreich durch Lesepatenschaften, Hausaufgabenhilfe oder gemeinsame Freizeitaktivitäten. Auch den Übergang von der Schule in die Ausbildung oder in den Beruf begleiten zahlreiche Projekte. Im Bereich Patenschaften und Mentoring sind daher bereits wertvolle Erfahrungen und Strukturen vorhanden, auf denen weiter aufgebaut werden kann. Das Bundesfamilienministerium setzt mit dem Bundesprogramm "Menschen stärken Menschen" genau hier an und fördert und unterstützt vor allem Patenschaften zwischen geflüchteten und hier lebenden Menschen.

Patenschaften helfen bei der Integration

Denn Patenschaften können einen wichtigen Beitrag zu einer gelingenden Integration von Flüchtlingen leisten: Ein persönlicher Kontakt auf Augenhöhe ermöglicht es, voneinander zu lernen und längerfristige Beziehungen oder Freundschaften aufzubauen. Durch den direkten Austausch und das Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden lernen sich beide Seiten kennen und schätzen und profitieren voneinander. Vorurteile und Ängste können im alltäglichen Miteinander abgebaut werden. Gerade die freundschaftliche Beziehung zu Einheimischen ermöglicht Flüchtlingen das Gefühl gesellschaftlicher Akzeptanz.

Wie unterstützt der Bund das Patenschaftsprogramm?

Die zahlreichen guten Ansätze und Programme im Bereich von Patenschaften und Mentoring unterstützt der Bund mit dem Patenschaftsprogramm "Menschen stärken Menschen". Dies soll zur langfristigen Integration geflüchteter Menschen beitragen und beinhaltet folgende Maßnahmen:

  • Aufbau, Qualifizierung und Begleitung möglichst vieler neuer Patenschafts-Tandems
  • Aufbau eines systematischen Wissenstransfers zwischen den Programmträgern
  • Weiterentwicklung und Umsetzung von Qualitätsstandards für Patenschaftsprogramme

Das Patenschaftsprogramm "Menschen stärken Menschen" wird von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen mitgetragen. Hierzu zählen die freien Wohlfahrtsverbände, Organisationen aus dem Stiftungssektor, Migrantenorganisationen und weitere Akteure wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen sowie die Mehrgenerationenhäuser. Eine Liste der Programmträger ist hier abrufbar. Ziel über 2016 hinaus ist es, das Programm mit weiteren Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf ein breites Fundament zu stellen.

Liste der Programmträger

Das Patenschaftsprogramm wird von folgenden Organisationen mitgetragen:

Freiwilligenagenturen / Vereine und weitere Akteure der Zivilgesellschaft

Stiftungssektor

Freie Wohlfahrtsverbände

Migrantenorganisationen

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Mehrgenerationenhäuser

Eine ausführliche Liste der Programmträger inklusive Erläuterungen zu den einzelnen Projekten und Ansprechpartner ist hier abrufbar.

Welche Aufgaben kommen auf Patinnen und Paten zu?

Eine Patenschaft kann man mit einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis vergleichen. Rechtlich gibt es keine Auflagen, die Patenschaft richtet sich ganz nach den Bedürfnissen der geflüchteten Menschen und den Möglichkeiten der Patinnen oder Paten. Gemeinsame Unternehmungen, Begleitung zu Behörden, Nachhilfe, Unterstützung beim Deutschlernen, gemeinsames Kochen - vieles ist möglich. Trotzdem empfiehlt es sich, Aufgaben und Vereinbarungen zu besprechen und schriftlich festzuhalten.

Welche Voraussetzungen sollte ich für eine Patenschaft mitbringen?

Sie haben Lust und Zeit, sich um einen Flüchtling oder eine Flüchtlingsfamilie zu kümmern? Dann erfüllen Sie bereits wichtige Bedingungen für eine Patenschaft. Außerdem sollten Sie über soziale und kommunikative Kompetenzen verfügen und Offenheit für andere Kulturen mitbringen. Dazu kommt die Fähigkeit zum selbstständigen Gestalten der Patenschaftsbeziehung. Wichtig sind auch Verantwortungsbewusstsein und Verbindlichkeit, denn Flüchtlinge brauchen verlässliche Partnerinnen und Partner. Wer eine Patenschaft übernimmt, sollte in den nächsten Monaten vor Ort sein und ein paar Stunden Zeit pro Woche einplanen. Wenn das Patenkind minderjährig ist, muss die Patin oder der Pate volljährig sein. Auch ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge wird verlangt.

Welche zusätzlichen Voraussetzungen gelten, wenn ich eine Patenschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling übernehmen möchte?

Sofern Sie eine Patenschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling übernehmen möchten, sollten Sie offen und sensibel für die besonderen Erfahrungen von jungen Flüchtlingen sein. Sie sollten über Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen verfügen und Menschen aus anderen Kulturkreisen mit Offenheit begegnen und Verständnis für Verhaltensweisen aufbringen, die aus starker Belastung resultieren können oder die einfach nur "ganz anders" sind.

Die Patenschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in der Regel von den zuständigen Jugendämtern oder freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe vermittelt. Vor der Übernahme einer solchen Patenschaft müssen Sie ein erweitertes Führungszeugnis und in einigen Städten und Kommunen auch ein Gesundheitsattest vorlegen.

Habe ich Anspruch auf Schulung, Beratung und Vergütung?

Damit Flüchtlinge eine Patin oder einen Paten finden, der zu ihnen passt, führen die Organisationen bei der Zusammenführung ein "Matching" durch. Die Erfahrungen der geflüchteten Menschen können dennoch beide Seiten der Patenschafts-Tandems vor Herausforderungen stellen. Patinnen und Paten werden daher durch die jeweilige Organisation unterstützt. Es gibt auch Möglichkeiten zum Austausch bei Stammtischen oder gemeinsamen Aktivitäten sowie Supervisionsangebote.

Beratung und Schulung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gelten besondere Bedingungen. Bislang sind diese Patenschaften noch nicht flächendeckend in die Kinder- und Jugendhilfe integriert. Dort wo sie bereits installiert sind, durchlaufen Sie eine Vorbereitung und Schulung, die regional sehr unterschiedlich intensiv und umfänglich gestaltet sein kann. Themen, die in fast allen Schulungen vorkommen, sind die Aufgaben und Besonderheiten einer Patenschaft, die Stationen eines jungen Flüchtlings im asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren, die psychosoziale Situation von Jugendlichen mit Fluchterfahrung, Traumata und ihre Auswirkungen, Überblick über die Versorgungs- und Angebotsstruktur vor Ort sowie die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern.

Die Vorbereitung wird in Form von Gesprächen bei Ihnen zu Hause, bei einem freien Träger, in Einzelkontakten und/oder in Gruppen durchgeführt. Der gesamte Prozess der Vorberatung und Qualifizierung kann mehrere Wochen dauern, auch eine wichtige Zeit, um Entscheidungen in Ruhe überdenken zu können.

Patinnen und Paten haben während ihrer Tätigkeit keinen gesetzlich festgelegten Anspruch auf regelmäßige und bedarfsentsprechende Beratung und Unterstützung, oder eine Aufwandsentschädigung; zum Teil wird dies in den Jugendämtern dennoch vorgesehen.

Wie kann ich feststellen, ob ich für diese Aufgabe überhaupt geeignet bin?

Grundsätzlich gibt es keine Ausschlusskriterien, die sich auf eine nicht vorhandene Ausbildung (zum Beispiel eine pädagogische) und/oder fehlende Fachkenntnisse (zum Beispiel im Asyl- und Ausländerrecht) beziehen. Alle Menschen, die sich einer gesellschaftlich sinnstiftenden Aufgabe wie dieser widmen wollen, sind willkommen.

Es kann allerdings förderlich sein, wenn Sie sich bereits im Vorfeld mit einigen grundsätzlichen Fragen beschäftigen, wie etwa:

  • Verfüge ich über ausreichend Zeit und bin ich bereit, diese einzusetzen?
  • Macht es mir Freude, mich für einen anderen Menschen einsetzen zu können?
  • Bin ich bereit, mich mit ungewohnten Verhaltensweisen auseinanderzusetzen?
  • Kann ich es aushalten, mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert zu werden?

Wo finde ich weitere Informationen?

Das Wegweiser-Telefon des Bundesamts für zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ist Anlaufstelle für alle, die sich für die Übernahme einer Patenschaft oder Vormundschaft interessieren oder Gastfamilie sein möchten. Dort erfahren Sie, welche Organisationen in Ihrer Nähe Patenschaften vermitteln und welche Arten von Patenschaften es in Ihrem Umfeld gibt. Sie erreichen das Wegweiser-Telefon unter der Rufnummer 0800 200 50 70 von Montag bis Freitag zwischen 7.30 Uhr und 16.00 Uhr.

Weitere Informationen über Patenschaften für geflüchtete Menschen finden Sie auch auf folgenden Seiten: