Flüchtlingspolitik und Integration

Menschen stärken Menschen

Eine ältere Dame mit spielt mit einem Flüchtlingskind
Bundesprogramm "Menschen stärken Menschen" fördert Patenschaften© BMFSFJ

Manchen Menschen fehlen Bezugspersonen, von denen sie im Alltag oder auf ihrem Bildungsweg Unterstützung bekommen können. Über zwischenmenschlichen Kontakt bei ganz alltäglichen Dingen können Patenschaften diese Lücke schließen. Sie verbessern dadurch Teilhabechancen und führen zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Die Bundesregierung fördert daher das Engagement von Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen wollen mit dem Patenschaftsprogramm "Menschen stärken Menschen".

Das Bundesprogramm unterstützt Patenschaften, in denen persönliche Beziehungen Türen zu gleichberechtigter Teilhabe öffnen. Aufbauend auf den Erfahrungen mit dem Patenschaftsprogramm für geflüchtete Menschen und dem Erfolg von mehr als 75.000 gestifteten Patenschaften (Stand Mai 2019) ist das Konzept des Programms Ende 2018 mit den "Chancenpatenschaften" auf Menschen in benachteiligenden Lebenssituationen erweitert worden.

Seit dem Start von "Menschen stärken Menschen" Anfang 2016 haben 29 zivilgesellschaftliche Institutionen (Wohlfahrtsverbände, Stiftungen, Migrantenorganisationen und andere) eine Förderung erhalten, die Patenschaften stiften. Neben besseren Teilhabechancen und mehr Bildungsgerechtigkeit fördert das Programm einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt und bürgerschaftliches En-gagement nachhaltig. Inzwischen setzen die Trägerorganisationen mit über 500 Unterstrukturen das Programm bundesweit um.

Aufgrund vielfältiger Ausrichtungen der Programmträger und der verschiedenen Intensitäten der Patenschaften gibt es unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte, die sich an den individuellen Ressourcen, Interessen und Bedürfnissen der Tandempartner und Tandempartnerinnen orientieren. Auf diese Weise können Menschen in verschiedenartigen Lebensumständen so gut wie möglich erreicht werden. Die Patenschaften reichen von niedrigschwelliger Alltagsbegleitung über die Erschließung des Sozialraums oder Hausaufgabenbetreuung bis hin zu hochwertigen Bildungsmentorenschaften, um Schulabschlüsse zu erreichen. Bei den geförderten Patenschaften kann es sich um 1:1-Beziehungen, Familienpatenschaften oder Patenschaften für sogenannte Übergangsklassen handeln.

Das Bundesfamilienministerium hat im Juli 2017 die Ergebnisse einer Wirkungsanalyse des Patenschaftsprogramms "Menschen stärken Menschen" vorgestellt:

  • Über 90 Prozent der befragten Freiwilligen empfinden ihr Engagement in der Patenschaft als wichtigen Beitrag zur Integration geflüchteter Menschen. Durch die Patenschaft hat rund ein Drittel der Geflüchteten einen Praktikumsplatz, eine Ausbildung, einen Betreuungsplatz oder Ähnliches gefunden. In ähnlichem Umfang haben die geflüchteten Menschen durch ihre Patin oder ihren Paten Zugang zu einem Verein gefunden; ein Fünftel engagiert sich nun selbst ehrenamtlich.
  • Nahezu alle befragten Freiwilligen (94 Prozent) geben an, dass durch das Zusammentreffen in den Patenschaftstandems das gegenseitige Verständnis zunimmt. Die Patenschaften bleiben dabei vielfach nicht für sich, sondern wirken auch auf ihr Umfeld: Vielerorts nehmen weitere Personen an Aktivitäten der Tandems teil - dadurch erweitern sich die Kontakte und Wirkungen über die Patenschaft hinaus.
  • Auf Ebene der lokalen Organisationen trägt die Programmteilnahme zur erfolgreichen Netzwerkarbeit bei und führt zu mehr Kompetenz, auf die auch in anderen Projekten sowie in der alltäglichen Arbeit zurückgegriffen werden kann.

Das Institut Prognos AG hat die Analyse im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführt.

Um längerfristige Wirkungen der Patenschaften zu erheben und Effekte der Erweiterung des Programms um die "Chancenpatenschaften" zu evaluieren, soll 2019 eine weitere Wirkungsanalyse durchgeführt werden.