Demografiestrategie

Demografiepolitik gemeinsam mit jungen Menschen gestalten

Die aktive Einbindung von jungen Menschen ist entscheidend für eine erfolgreiche Demografiepolitik. Dies gilt insbesondere für die ländlichen Räume, wo die Herausforderungen und Folgen des demografischen Wandels bereits deutlich zu spüren sind. Junge Menschen wollen gehört werden und mitentscheiden, wenn es um ihre Lebenslagen und um ihre Zukunft geht.

Die demografischen Entwicklungen verändern die Lebenswelten von allen Menschen. Für Jugendliche und junge Erwachsene sind sie jedoch von besonderer Bedeutung, da sie die Bedingungen für ihr Aufwachsen und ihre Entfaltungsmöglichkeiten wesentlich beeinflussen. Die Bevölkerung im Alter von 12 bis 27 Jahren in Deutschland wird laut aktuellen statistischen Berechnungen auch bei stärkerer Zuwanderung bis 2030 auf 12,2 Millionen beziehungsweise um 15 Prozent zurückgehen (2013: 14 Millionen beziehungsweise 17 Prozent), während Menschen über 60 Jahre über ein Drittel der Gesellschaft ausmachen werden (2030: 28 Millionen bzw. 35 Prozent).

Handlungsempfehlungen für eine jugendgerechte Demografiepolitik

Bis März 2017 hat die Arbeitsgruppe "Jugend gestaltet Zukunft" (AG JgZ) der Jugend eine Stimme in der Demografiestrategie der Bundesregierung gegeben. Im März 2017 hat die AG JgZ ihre Arbeit vorläufig beendet. In einem gemeinsamen Prozess mit Jugendlichen hat sie Handlungsempfehlungen unter dem Titel "Jugend gestaltet Zukunft – Gelingendes Aufwachsen in ländlichen Regionen" erarbeitet.

Gefragt nach ihren eigenen Interessen haben Jugendliche konkrete Vorstellungen, welche Themen mit Blick auf den demografischen Wandel besonders berücksichtigt werden sollen.

Die Handlungsempfehlungen greifen diese in neun demografiepolitischen Handlungsfeldern für ländliche Räume mit hoher Relevanz für Jugendliche und junge Erwachsene auf:

  • Zusammenhalt: Familie und Generationendialog fördern,
  • Strukturen: Daseinsvorsorge und Angebote der Jugendarbeit stärken,
  • Erreichbarkeit: Mobilität, Breitband-Internet und Mobilfunknetz ausbauen,
  • Jugendbilder: Darstellung und Wahrnehmung der Vielfalt junger Menschen fördern,
  • Mitwirkung: Jugendpartizipation und Engagement unterstützen,
  • Bildung: Kompetenzen vermitteln, Chancen eröffnen,
  • Arbeitswelt: Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten schaffen,
  • Integration: Teilhabe nach Zuwanderung ermöglichen,
  • Vielfalt: Wertschätzung und Toleranz erhöhen.

Projekte zur Jugendbeteiligung

Junge Menschen können ihre Interessen am besten selbst vertreten. Zudem wird durch die Einbeziehung junger Menschen in die Demografiepolitik der Zusammenhalt der Generationen gestärkt. Im Rahmen der AG JgZ wurde Jugendbeteiligung durch zwei Projekte umgesetzt:

Mit dem Projekt "Ichmache>Politik|Demografie" (Deutscher Bundesjugendring) hatten junge Menschen aus ganz Deutschland die Chance, die Themensetzung und die Handlungsempfehlungen der Arbeitsgruppe zu beeinflussen. Um den ländlichen Raum zu erreichen, wurden regionale Aktivitäten vor Ort unterstützt, durchgeführt und gefördert.

Im Projekt "Jugend-Demografie-Dialog" (Leuphana Universität Lüneburg) entwickelten Jugendliche in vier Modelllandkreisen (Friesland, Kyffhäuserkreis, Lichtenfels, Vorpommern-Rügen) eigene Ideen und Vorschläge zur Gestaltung des demografischen Wandels und brachten diese in die AG ein. Gleichzeitig wurden vor Ort konkrete Veränderungsprozesse für mehr und wirkungsvollere Jugendbeteiligung eingeleitet. Denn das Projekt hat gezeigt, dass eine nachhaltige Jugendbeteiligung ein wichtiger Haltefaktor für engagierte und interessierte Jugendliche in ländlichen Regionen ist.

Jugendbeteiligung als Zukunftsstrategie

Um auch andere interessierte Kommunen dazu zu motivieren und dabei zu unterstützen, Jugendbeteiligung zu realisieren, wurde als ein Ergebnis dieser Vor-Ort-Prozesse eine Handreichung erarbeitet. Die Broschüre "Jugendbeteiligung als Zukunftsstrategie zur Gestaltung des demografischen Wandels in ländlichen Regionen" bietet eine Übersicht über Methoden, Werkzeuge und Umsetzungshilfen für die eigenständige Durchführung und nachhaltige Etablierung von Jugendbeteiligungsprozessen. Gleichzeitig informiert sie über weiterführende Materialien und Unterstützungsmöglichkeiten.

Jugendpolitische Grundsätze

Um demografiepolitische Diskurse und Ergebnisse dahingehend zu reflektieren, ob Belange von Jugendlichen und jungen Erwachsenen betroffen sind, hat die AG JgZ außerdem eine Handreichung mit jugendpolitischen Grundsätzen erarbeitet. Bildlich gesprochen werden damit alle Gestaltungspartner der Demografiestrategie dazu angeregt, die "Jugend-Brille" aufzusetzen, um die Perspektiven von Jugendlichen einnehmen und berücksichtigen zu können. Die "Jugend-Brille" ist kein Ersatz für Jugendbeteiligung, soll aber sicherstellen, dass die Belange junger Menschen immer mitgedacht und auch dann berücksichtigt werden, wenn Jugendliche nicht unmittelbar beteiligt werden.