Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive

Altenpflegeausbildung

Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege

Mit dem Anstieg der Lebenserwartung in Deutschland steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen älteren Menschen. Zugleich wächst der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal in der Altenpflege. Bedingt durch die demografischen Veränderungen sinkt die Zahl junger Menschen, die dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen; die Konkurrenz um den Berufsnachwuchs zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen nimmt zu.

Trotz steigender Ausbildungszahlen, die der Altenpflege mittlerweile einen der ersten Plätze im Vergleich aller Ausbildungsberufe sichert, ist die Altenpflege heute ein Engpassberuf: Im Juni 2018 kamen auf 100 gemeldete offene Arbeitsstellen für Altenpflegefachkräfte durchschnittlich nur 27 gemeldete Arbeitssuchende - durchschnittlich betrug die Zeit bis zur Neubesetzung einer offenen Stelle 175 Tage.

Ausbildungspakt für die Altenpflege

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Altenpflege startete die Bundesregierung unter Federführung des Bundesfamilienministeriums mit Beteiligung des Bundesarbeitsministeriums, des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Dezember 2012 die "Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege".

Als starke Gemeinschaftsinitiative mit einer dreijährigen Laufzeit bis zum Dezember 2015 stellte sich dieser erste bundesweite Ausbildungspakt für den Bereich der Altenpflege den Herausforderungen für das Ausbildungs-, Berufs- und Beschäftigungsfeld. Das Ziel: Die Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege zu fördern und die Attraktivität des Berufs- und Beschäftigungsfeldes zu erhöhen.

Partner der Offensive

Zu den rund 30 Partnern der Offensive zählten neben den beteiligten Bundesministerien die Länder, die Bundesagentur für Arbeit, die Wohlfahrtsverbände, die Verbände der privaten Einrichtungsträger, die Berufs- und Fachverbände der Altenpflege, die Kostenträger, die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, die Gewerkschaft ver.di sowie die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Vereinbarungstext mit zehn Handlungsfeldern

In dem Vereinbarungstext zur "Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege" wurden Zielvereinbarungen zu folgenden Handlungsfeldern formuliert:

  1. Verstärkte Ausbildungsanstrengungen und bedarfsorientierte Erhöhung der Ausbildungskapazitäten bei Einrichtungen und Schulen
  2. Erschließung des Nachqualifizierungspotenzials in der Altenpflege
  3. Weiterbildungsförderung durch die Agenturen für Arbeit und Jobcenter
  4. Weiterentwicklung der Pflegeberufe
  5. Verbesserte Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen im Pflegebereich
  6. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Familie und Ausbildung in der Altenpflege
  7. Attraktive Arbeitsbedingungen in der Altenpflege
  8. Gesellschaftliche Bedeutung des Berufsfeldes durch Öffentlichkeitsarbeit fördern
  9. Rahmenbedingungen für die Altenpflege verbessern - Pflegeversicherung reformieren
  10. Chancen der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit nutzen

Umsetzung von Zielvereinbarungen

Einige Maßnahmen waren auf die Laufzeit der Offensive bis Ende 2015 befristet; viele andere von vorneherein auf Dauer angelegt. So erweitert das Gesetz zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege bestehende Möglichkeiten, die Ausbildung zu verkürzen - sofern entsprechende Vorkenntnisse vorliegen. Gleichzeitig wurde eine bis 31. März 2016 befristete Vollfinanzierung auch von nicht verkürzbaren beruflichen Weiterbildungen durch die Arbeitsagenturen beziehungsweise die Jobcenter ermöglicht. Für alle Umschulungen in der Altenpflege, die bis zum 31. Dezember 2019 beginnen, wird die Förderung für drei Jahre durch das Pflegeberufereformgesetz geregelt. Für die neuen Pflegeausbildungen ist ab Januar 2020 die dreijährige Fördermöglichkeit nach dem Pflegeberufereformgesetz dauerhaft sichergestellt.

Die Ausbildungsoffensive hat zu einer erheblichen Steigerung der Ausbildungszahlen in der Altenpflege beigetragen. Diese konnte seitdem gehalten werden. Laut Schulstatistik des Statistischen Bundesamtes sind im Jahrgang 2016/2017 rund 68.300 Personen in einer Ausbildung zur Altenpflegefachkraft - so viele wie nie zuvor.

Internetportal und Beratungsteam Pflegeausbildung

Informationen zur Altenpflegeausbildung und den neuen Pflegeausbildungen bieten das Portal www.pflegeausbildung.net des Bundesfamilienministerium und das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) angesiedelte "Beratungsteam Pflegeausbildung". Die rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten vor Ort in allen Regionen Deutschlands und informieren Pflegeeinrichtungen, Pflegeschulen sowie alle an der Pflegeausbildung Interessierten. Darüber hinaus organisiert das Beratungsteam Ausbildungsverbünde sowie Netzwerke.