Gesellschaftliche Teilhabe Einsamkeit im Alter

Besonders in der Corona Pandemie sind die negativen Auswirkungen mangelnder sozialer Kontakte deutlich geworden. Einsamkeit ist ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichsten Ursachen. Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys 2017 zeigen: Das Risiko für Einsamkeit im Alter hat in den letzten Jahrzehnten nicht zugenommen. Nur wenige Menschen im mittleren und hohen Alter fühlen sich einsam. Allerdings kommt es im sehr hohen Alter zu einem Anstieg der Einsamkeit - bei Frauen etwas stärker als bei Männern.

Gleichwohl alle Altersgruppen von Einsamkeit betroffen sein können, ist die besonders gefährdete Gruppe älterer Menschen im Fokus, da sie eher auf Hilfen angewiesen sind. Insbesondere bei Älteren über 80 Jahren besteht ein deutlich höheres Risiko einer sozialen Isolation, wenn multiple Problemlagen dazukommen, die Einsamkeit und soziale Isolation begünstigen oder auslösen können. Dazu gehören zum Beispiel Schicksalsschläge, Erkrankungen, abnehmende körperliche Mobilität, mangelnde Mobilitätsangebote, zunehmende Altersarmut oder Migrationshintergrund. Betroffene brauchen daher Unterstützung, um aus ihrer Vereinsamung und aus sozialer Isolation herauszufinden. Einsamkeit zu verhindern, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Modellprojekte für gesellschaftliche Teilhabe Älterer

In 2020 sind zwei große Modellvorhaben gegen Einsamkeit gestartet, die sich in ihrem Spektrum ergänzen und dazu beitragen, ältere Menschen in ihrem selbstständigen und gleichberechtigten Leben in der Gesellschaft zu unterstützen. Hierbei ist der Auf- und Ausbau von regionalen Kooperations- und Vernetzungsstrukturen für mehr Teilhabemöglichkeiten zentral.

Zum einen wird bis 2024 ein Projekt des Malteser Hilfsdienstes unterstützt: "Miteinander – Füreinander; Kontakt und Gemeinschaft im Alter". Damit sollen an mehr als 110 Malteser-Standorten besonders hochaltrige Seniorinnen und Senioren erreicht werden. Die neuen Besuchsangebote sind wertvolle Brücken in die Gemeinschaft.

Zum anderen werden seit Oktober 2020 für zwei Jahre 29 Modellprojekte gefördert, die ungewollter Einsamkeit entgegenwirken. Es ist das erste mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützte Programm dieser Art und richtet sich vorrangig an ältere Beschäftigte ab 60 Jahre, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Ziel ist es nicht nur, sozialer Vereinsamung vorzubeugen, sondern auch die finanzielle Absicherung im Alter zu stärken und die Weichen für ein aktives und selbstbestimmtes Leben im Alter zu stellen.

Mehrgenerationenhäuser

Mit dem Bundesprogramm "Mehrgenerationenhaus. Miteinander - Füreinander" fördert das Bundesseniorenministerium aktuell bundesweit rund 530 Mehrgenerationenhäuser. Diese sind Begegnungsstätten für Jung und Alt, die unter anderem das selbstbestimmte Leben im Alter fördern.

Mit niedrigschwelligen Begegnungsangeboten, zum Beispiel im offenen Treff, Kultur- und Kreativangeboten, Freizeit- und Sportaktivitäten sowie Informations- und Beratungsangeboten, tragen die Mehrgenerationenhäuser zur aktiven Alltagsgestaltung und gesellschaftlichen Teilhabe bei und wirken so Einsamkeit entgegen. Mit "Angeboten auf Distanz" sind die Mehrgenerationenhäuser auch während der Corona Pandemie für ihre Nachbarschaften aktiv. Viele Angebote werden nun digital durchgeführt und neue sind hinzugekommen - damit aus körperlicher Distanz keine soziale Distanz wird.