Zeitzeugengespräch im Anne Frank Zentrum

Niemals vergessen!

Für ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Ben Lesser besuchte Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley am 31. Januar das Anne Frank Zentrum. Als Überlebender einer der schlimmsten Epochen der Menschheitsgeschichte hat Ben Lesser sein Leben der Erinnerung und dem Kampf für eine tolerante Gesellschaft verschrieben. Im Anschluss an das Gespräch traf Ben Lesser auf eine Berliner Schulklasse, die sich mit ihm über seine bewegende Lebensgeschichte austauschte.

[Man sieht ein Poster mit der Ankündigung zur Ständigen Ausstellung im Anne Frank Zentrum. Es erscheinen die Einblendungen "Zeitzeugengespräch mit Ben Lesser - einem der letzten Überlebenden des Holocaust", "Erinnerung wachhalten!" und "Prävention gegen Antisemitismus ausbauen!". Die Ministerin Katarina Barley kommt mit Ben Lesser einen Gang im Anne Frank Zentrum entlang. Herr Lesser sieht sich die Dauerausstellung an und spricht mit jungen Erwachsenen.]

[aus dem Englischen übersetzt]

Wenn man nicht will, dass sich die Vergangenheit wiederholt und dass es in der Welt wieder einen Holocaust gibt, dann muss man darüber reden. Denn die Nazis haben nicht angefangen, indem sie getötet haben – es begann mit Hass. Und als sie erst einmal mit dem Hassen begonnen hatten, fiel es ihnen leicht, zu töten. Und wir müssen den Hass stoppen.

[Es erscheint die Einblendung "Demokratie leben!". Die Ministerin, Ben Lesser, der Direktor des Anne Frank Zentrums und der Schauspieler Clemens Schick werden fotografiert. Herr Lesser spricht mit Jugendlichen über sein bewegtes Leben. Ein Poster mit der Aufschrift "NO WAR" hängt an der Wand.]

An diesem Tag habe ich heute die Ehre, mit einem der Überlebenden des Holocaust hier zusammenzutreffen: mit Ben Lesser und seiner Tochter. Wir sind im Anne Frank Zentrum in Berlin und wir sind gerade durch die Ausstellung gegangen und werden uns jetzt gleich noch mit Schülerinnen und Schülern über den Holocaust damals, über die Lehren für heute, unterhalten. Ben Lesser ist ein sehr warmherziger Mensch. Und was mir so gut gefällt, ist, dass er sagt: Hass und Liebe sind zwei sehr starke Gefühle und das ist die Entscheidung für jeden Menschen, wo er seine Energie hineinstecken möchte. Er hat sich für die Liebe entschieden und will seinen Teil beitragen, dass das nie wieder geschieht und das finde ich sehr, sehr beeindruckend. Die Erinnerungskultur ist sehr wichtig. Daraus, was in diesem Land ganz konkret geschehen ist und was unsere Vorfahren auch teilweise mit getan haben, erwächst eben eine Verantwortung dafür, dass es nicht mehr passiert.

[Katarina Barley spricht mit Herrn Lesser und dessen Tochter. Schülerinnen und Schüler sehen sich die Ausstellung an. Herr Lesser spricht auf dem Podium zur Schulklasse. Die Schüler hören interessiert zu. Es sind Bilder aus der Dauerausstellung zu sehen.]

[aus dem Englischen übersetzt]

Man muss darüber reden. Und ich habe dem mein Leben gewidmet, einfach weil die meisten Menschen darüber nicht reden können. Es schmerzt mich auch, aber jemand muss es tun. Und ich denke, es ist sehr, sehr wichtig, dass die Jugendlichen heute genau wissen, was passiert ist und wie es dazu kam.

[Einige Exponate sind zu sehen, unter anderem ein Cover des Time Magazine von 1945, ein Programmbuch der NSDAP und eine Postkarte. Die Schulklasse sieht sich einen Film an.]

Es ist einfach nicht zu begreifen, dass es Menschen gab, die eine Religionsgruppe vernichten wollten. Und deswegen ist es so wichtig, dass da so eine Begegnung mit jemandem stattfindet, der das erlebt hat.

[Clemens Schick spricht auf dem Podium. Schülerinnen hören interessiert zu.]

Ich bin davon überzeugt, dass wir die Gesellschaft, so wie sie heute funktioniert, nicht verstehen können, wenn wir uns nicht auch mit der Geschichte beschäftigen. Und dass wir heute Menschenrechte wahren, dass wir heute einen Rechtsstaat haben, eine funktionierende Demokratie, ist auch eine Folge der Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur. Von daher gibt es für mich eigentlich keine Gegenwart ohne Geschichte.

[Erneut sieht man einige Exponate der Ausstellung, unter anderem die erste Seite aus Anne Franks Tagebuch. Frau Barley und Herr Lesser unterhalten sich. Alle nehmen sich an den Händen und sprechen zusammen nach, was Ben Lesser sagt.]

[aus dem Englischen übersetzt]

Nie wieder.

Nie wieder.

[aus dem Englischen übersetzt]

Danke!