Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz Kunstvermittlung im Lehmbruck-Museum in Duisburg

Das Lehmbruck-Museum in Duisburg bietet spezielle Führungen für Menschen mit Demenz. Unter Leitung des Lehmbruck-Museums und in Kooperation mit dem Demenz Servicezentrum Westliches Ruhrgebiet wurde das Netzwerk Projekt "RuhrKunstMuseen sinnlich erleben“ aufgebaut. Mehr als 1,6 Millionen Menschen sind heute in Deutschland an Demenz erkrankt. Die Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz haben es sich zur Aufgabe gemacht, Demenzerkrankten und ihren Angehörigen ein besseres Leben mit ihrer Krankheit zu ermöglichen.

[Man sieht eine Skulptur des Lehmbruck-Museums und eine Gruppe von Besucherinnen und Besuchern.]

Sybille Kastner:

Wir sind hier im Lehmbruck-Museum. Das liegt in Duisburg und ist eins der 20 RuhrKunstMuseen hier im Revier und wir führen heute eine besondere Besuchergruppe durch’s Haus. Das sind nämlich Besucher mit demenziellen Herausforderungen. So ganz unnormal sind diese Führungen auch nicht. Es gibt natürlich Besonderheiten bei Menschen mit Demenz in der Art und Weise wie man den Zugang zu Kunst verschafft. Das sind zum Beispiel oft sehr sinnliche Zugänge, die wir hier anregen.

[Frau Kastner spricht mit den Besucherinnen und Besuchern über eine Plastik.]

Sybille Kastner:

Blech, Metall. Ist hohl innen drinnen. Deswegen klingt das so.

Sybille Kastner:

Es ist tatsächlich ganz anders was die Geschwindigkeit angeht. Ich muss mich wirklich auch darum bemühen, Raum zu lassen, ich muss Langsamkeit zulassen, weil das Gefühl für Zeit ist glaub ich einfach grundsätzlich anders bei Menschen mit Demenz.

[Eine Besucherin interessiert sich besonders für eine Büste.]

Besucherin:

Hat das auch was zu bedeuten… die Arme da?

Sybille Kastner:

Hier, ne? Es ist hier so abgeschnitten. Das heißt, der Künstler hat sich nur auf das Gesicht konzentriert.

Sybille Kastner:

Mich hat gerade am Anfang sehr stark berührt, wenn ich festgestellt habe, wie ernsthaft Menschen mit Demenz sich auseinandersetzen können mit einem Kunstwerk und wie wenig man ihnen das zutraut. Sehr oft ist es mir passiert, dass ich dann einfach festgestellt habe, dass Menschen mit Demenz die Gabe haben, sehr offen diese Kunst wahrzunehmen und manchmal Ebenen freizulegen, die ich durch meine gesellschaftlichen Zwänge nicht mehr so sehen kann. Wir schulen auch Kunstvermittler und es gilt, Ihnen mitzugeben: Wie ist das eigentlich, wenn ich mit Menschen mit Demenz kommuniziere, worauf muss ich achten?

[Man sieht Besucherinnen und Besucher, die die Kunstwerke interessiert betrachten und mit Frau Kastner sprechen.]

Gunther Krusch:

Das ist eigentlich eine sehr dankbare Aufgabe, muss ich sagen, weil die Menschen sind hier in dieser Veranstaltung richtig aufgelebt.

Elsa Cremers:

Ich bin seit ca. 2 Jahren hier im Lehmbruck ehrenamtlich tätig. Außerdem bin ich mit meinem Mann sehr häufig hier, der selbst auch leichte Demenz hat und wir machen hier im Lehmbruck-Museum das offene Atelier mit. Mein Mann hat sich früher nie so sehr für Bildende Kunst interessiert. Heute kriegt er eine Aufgabe, setzt sich hin und macht und das erleben wir hier auch bei diesen Gruppen. Viele, die nie vorher hier waren, sind so aufgeschlossen, dass sie Spaß daran haben.

[Die ART-Genossinnen und –Genossen bereiten alles vor, um nachher mit den Besucherinnen und Besuchern mit Demenz Kaffee zu trinken und Kekse zu essen.]

Swantje Klopfer:

Das gibt den Leuten einfach ein gutes Gefühl, teilzuhaben an so etwas, Teil der Gesellschaft zu sein einfach. Mitzumachen an Kultur und das weiter zu erleben.

Besucherin:

War schön. Sie hat das schön gemacht. Sie hat das erklärt.

Besucher:

Mir hat alles gefallen. Ich werde hundertprozentig nochmal wiederkommen.

Besucherin:

Schade, ich kann das ja nicht mit nach Hause nehmen.

Sybille Kastner:

Sie können sich das so richtig über die Schulter legen. Kann nichts passieren.

Sybille Kastner:

Ohne dieses Programm “Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ wäre diese Vernetzung sicherlich gar nicht so zustande gekommen. Das hat uns ganz, ganz stark unterstützt. Es haben sich tatsächlich 11 der 20 Kunstmuseen sofort bereiterklärt, bei diesem Netzwerkprojekt mitzumachen. In den 10 Jahren, wo wir das jetzt hier im Haus machen, hat sich unglaublich viel verändert. Ich erlebe das hier nicht mehr als Tabufaktor. Ich glaube, dass diese Führungen in Museen generell erstmal ungewohnt sind am Anfang; dass sich aber ganz viele Häuser einreihen und da das immer mehr wird, hoffe ich, dass es mehr Normalität wird.

[Man sieht wie alle gemeinsam zusammensitzen, weiter über Kunst reden und Kaffee trinken.]