Kinder- und Jugendschutz

Kinder besser vor Ausbeutung und Gewalt schützen

Menschenhandel und Ausbeutung von Kindern finden auch in Deutschland statt. Abseits von offiziellen Fällen gehen Fachleute von einer großen Dunkelziffer aus. Nur wenn Polizei, Jugendämter, Jugendhilfe, Fachberatungsstellen und Kinderschutzambulanzen eng kooperieren, können die Opfer erkannt und geschützt werden. Dafür soll das Bundeskooperationskonzept "Schutz und Hilfen bei Handel mit und Ausbeutung von Kindern" umgesetzt werden.

[Der Beitrag wird von Grafiken und Illustrationen unterstützt, die auf eine Relevanz der Thematik sowie auf eine überregionale Sensibilisierung hindeuten.]

Das BKA hat 2016 Zahlen veröffentlicht, die zum ersten Mal auch die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern beleuchten. Und diese Zahlen sagen, wir haben 118 Kinder, die von kommerzieller sexueller Ausbeutung betroffen waren und wir haben 96 Kinder, die dem Menschenhandel zum Opfer gefallen sind. Das heißt, wir haben 214 Kinder in Deutschland, die von Kinderhandel betroffen sind, und da können wir nicht mehr von einem gesellschaftlichen Randphänomen sprechen.

Wir sehen, dass in der Praxis viele Fachakteure uns sagen – sehen es Jugendämter, Vormünder, Polizei – sie hatten mit Fällen von Kinderhandel noch überhaupt nichts zu tun. Aber man muss um solche Fälle erst wissen, um sie erkennen zu können. Das heißt, wir können Kinder und Jugendliche erst dann schützen, wenn wir sie als Opfer des Menschenhandels und des Kindeshandels wahrnehmen. Und dieses Wissen erlangen Fachkräfte nur dann, wenn sie sensibilisiert sind für diese Thematik und wenn sie auch Fortbildungsmaßnahmen genossen haben.

Mit den bisherigen Kooperationsvereinbarungen, die schon Ende der 90er Jahre entwickelt worden sind, haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und für uns ist das der Schlüssel zum Schutz für Betroffene des Menschenhandels und auch zur Bekämpfung des Menschenhandels.
Es ist inzwischen in 13 Bundesländern implementiert, das ist tatsächlich ein Erfolgsmodell. Jetzt brauchen wir aber für minderjährige Betroffene des Menschenhandels weitere Akteure, die in den bisherigen Vereinbarungen nicht aufgenommen worden sind. Und zwar unter anderem Jugendämter, Jugendhilfeeinrichtungen, Vormünder, Schulen und so weiter.

Mit diesen neuen Akteuren wird es sicherlich gelingen minderjährige Betroffene des Menschenhandels besser zu schützen, besser zu unterstützen und auch besser den Menschenhandel zu bekämpfen.

Es ist notwendig, ein solches Konzept zu haben und ich glaube, ein Fall, der auftreten würde, wäre schon ein Fall zu viel. Und es ist notwendig, auf den Punkt genau, wenn wir einen solchen Verdachtsmoment haben, die richtigen Schritte einzuleiten und professionell zu agieren und dafür bedarf es einer guten Struktur und einer guten Zusammenarbeit.

Das Bundeskooperationskonzept kann helfen, dass die speziellen Bedarfe der Betroffenen gesehen werden und dass die notwendigen Fachkräfte zusammengebracht werden, um wirklich zu schauen welche Hilfen notwendig sind.

Die Kooperation hilft dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, geflüchtete Kinder besser und früher als Opfer von Menschenhandel zu erkennen und sie dann auch besser zu unterstützen.

Die Kooperation zum Schutz der Kinder vor Handel und Ausbeutung hilft der Polizei, minderjährige Opfer des Menschenhandels besser zu identifizieren und Straftäter zu verfolgen. Dies gelingt nur bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure, die im Sinne des Kindeswohls agieren.

Das Bundeskooperationskonzept hilft mir in meiner Arbeit, in meiner Sensibilisierungsarbeit richtig auf die Problematik aufmerksam zu machen und zusammen mit den Statistiken von BKA ist das ein gutes Instrument, für den Aufbau von Strukturen und den Bundesländern.

Es gibt natürlich mittlerweile schon Kontakte zwischen Polizei, Jugendämtern und Staatsanwaltschaft. Ich denke aber, dass es das Bundeskooperationskonzept in Zukunft schaffen wird, dass kürzere Wege zwischen den einzelnen Behörden geschaffen werden. Es gibt direkte Ansprechpartner und Vertrauenspersonen, sodass man, wenn es im Fall der Fälle in Ermittlungsverfahren akut ist, aus jeglicher Sicht weiß, wen man anspricht und mit wem man vertrauensvoll zusammenarbeiten kann.

Es kommt auf uns alle an, uns für Kinderschutz stark zu machen. Doch nur gemeinsam können wir Kinder vor sexueller Ausbeutung und anderen Formen des Kinderhandels schützen. Sie sind Teil der Lösung – wir zeigen Ihnen wie.