Grundrechte-Kolloquium in Brüssel

Katarina Barley: Geschlechterungleichheiten entgegenwirken

Am 20. November hat Bundesfrauenministerin Dr. Katarina Barley am jährlichen Kolloquium über Grundrechte in Europa teilgenommen. Schwerpunktmäßig ging es in diesem Jahr um das Thema Frauenrechte. In ihrer Rede vor der EU-Kommission hat die Ministerin auf die aktuelle Lage in Deutschland hingewiesen. So wurde in den vergangenen Jahren zwar viel erreicht, jedoch müsse Geschlechterungleichheiten weiter entgegengewirkt werden.

[Man sieht einen Runden Tisch mit Teilnehmenden am jährlichen Kolloquium. Die Moderatorin spricht. Der gesamte Text wurde in die Deutsche Sprache übersetzt.]

Moderatorin:

Bleiben wir nun in Deutschland und wenden wir uns an Katarina Barley, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Deutschland.

[Die Ministerin spricht nun vor der EU-Kommission]

Katarina Barley:

Ich danke Ihnen vielmals. Ich werde versuchen, es auch kurz zu halten, und ich werde mich auf das beziehen, was Étienne Davignon gesagt hat: Veränderung ist geschehen, aber es lohnt sich, sich anzusehen, was passiert ist, was nicht passiert ist und warum etwas passiert oder nicht passiert ist. Wie Sie sagten gab es kürzlich Wahlen und die politische Beteiligung von Frauen im Deutschen Bundestag sank in Folge dieser Wahlen von 37 % auf 31 %, was im Vergleich zum europäischen Durchschnitt immer noch hoch ist, aber ein Rückgang um 6 Punkte - was sehr viel ist und was natürlich mit der Quote zu tun hat. Die Parteien, die Quoten innerhalb ihrer Parteien haben, sind schwächer geworden und andere Parteien, die keine Quoten haben, sind ins Parlament eingetreten. Wir haben eine geschlechtsspezifisches Lohnlücke von 21 %, die um 2 Punkte zurückgegangen ist, was auf die Einführung eines Mindestlohns zurückzuführen ist, den wir vorher nicht hatten. Sie liegt immer noch weit über dem europäischen Durchschnitt, was zeigt, dass das, was Simone de Beauvoir sagt, nicht stimmt: Eine starke Wirtschaft bedeutet nicht, dass die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern automatisch kleiner wird. Wir haben ein Entgelttransparenzgesetz eingeführt, damit Sie ab dem nächsten Jahr das Recht haben, zu fragen, ob der Durchschnitt des anderen Geschlechts gleich oder mehr oder weniger verdient als Sie. Wir werden sehen, was das bringen wird. Und wir haben Daten für den Gender Care Gap erfasst. Die Arbeit, die ohne Bezahlung erfolgt - Kinderbetreuung, Bildung, Haushalt und so weiter, das sind 52% in Deutschland. Zur Ökonomie: Wir haben ein Gesetz eingeführt, das eine Quote von 30% in Aufsichtsräten einführte und dann die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder erhöhte. Meines Wissens ging keine der Firmen bankrott. Man fand die 105 qualifizierten Frauen, die gefunden werden mussten. Aber auf der anderen Seite sehen wir, dass der Anteil an Frauen in Vorständen bei 6 % bleibt, wo es keine Quote gibt.

Moderatorin:

Ich danke Ihnen.

Katarina Barley:

Lassen Sie mich noch eine Sache sagen, denn ich möchte mich wirklich gerne darauf beziehen, was Madi Sharma gesagt hat: Wir müssen diesen Moment wirklich nutzen, in dem jeder über #metoo spricht, um auf den Machtaspekt aufmerksam zu machen. Wir werden sexuelle Belästigungen, sexuellen Missbrauch, geschlechtsspezifische Gewalt haben, solange wir nicht die Ungleichheit von Macht bekämpfen und das müssen wir jetzt wirklich erzwingen.

Moderatorin: 

Ich danke Ihnen vielmals.

[Viele der Teilnehmenden geben Beifall.]