Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz

Interkulturelle Demenzbegleitung in Bocholt

Die Stadt Bocholt unterstützt in besonderem Maße Lokale Allianzen und das Thema Migration durch städtische Strukturen. Auf Augenhöhe kümmern sich ehrenamtlich Engagierte um Menschen mit Demenz. Mehr als 1,6 Millionen Menschen sind heute in Deutschland an Demenz erkrankt. Die Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz haben es sich zur Aufgabe gemacht, Demenzerkrankten und ihren Angehörigen ein besseres Leben mit ihrer Krankheit zu ermöglichen.

[Eine ältere Dame und eine junge Frau sprechen miteinander. Die junge Frau ist eine sogenannte interkulturelle Demenzbegleiterin.]

Suzan Arslantas:

Ich heiße Suzan Arslantas, ich komme aus der Türkei gebürtig und ich bin hier ehrenamtlich Demenzbegleiterin, weil ich gerne mit den Menschen zusammen bin und das Krankheitsbild wird immer mehr in unserer Bevölkerung und unter Landsleuten auch. Irgendwie muss man ja auch helfen.

[Es erscheint die Einblendung: “Bildung und kommunales Engagement“]

Tülay Sahin:

Es geht darum, dass meine Mutter dann durch die Demenz, also durch diese Krankheit, vieles auch vergessen hat und diese Sprache ist noch die einzige Möglichkeit, mit der sie noch kommunizieren kann. Und auch diese kulturellen Hintergründe können halt nur wirklich Frauen, die das auch beherrschen. Dass man weiß, da sind andere, die auch meiner Mutter Gutes tun und sie auch unterstützen. Das ist, glaub ich, das, was mich entlastet. Dieses Gefühl zu haben, dass es meiner Mutter gut geht. Ich hab auch viele Seiten durch die Krankheit von meiner Mutter erlebt, die ich vorher gar nicht kannte. Sie ist viel lockerer geworden. Sie erzählt Sachen, von denen sie vorher nie geredet hätte.

[Suzan Arslantas liest zusammen mit der älteren Dame eine türkische Zeitung. Danach sieht man, wie deren Tochter Tülay Sahin mit ihrem Kind zu Besuch kommt.]

Tülay Sahin:

Dass die Stadt Bocholt da so viel macht, finde ich auch sehr wichtig. Durch die Ausbildung der Begleiterinnen ist es ja auch so eine Win-Win-Situation. Die tragen ja auch die Ausbildung oder die Kenntnis auch in den Familien weiter. Und dadurch wird die Krankheit auch erklärt und dadurch ist das halt auch ein zusätzlicher Gewinn für die türkische Gemeinde hier. Und Suzan begleitet sie auch zur Moschee. Meine Mutter geht auch zur Moschee und sie nimmt eigentlich auch teil an dem ganzen sozialen Leben dadurch.

[Die Demenzbegleiterin bringt die Frau wieder in ihr Zimmer.]

Jutta Ehlting:

Demenz ist bei den Deutschen schon ein Tabuthema, aber bei den Türken noch viel mehr. Bei den Türken ist es sozusagen… es wird bezeichnet als Allahs Rache. Das Projekt hilft, die Isolation aufzubrechen dadurch, dass die Demenzbegleiterinnen die Sprache – also die türkische Sprache – sprechen und die Ansprechpartnerinnen sind in den Moscheen bekannt. Die älteren türkischen Mitbürger wissen, an wen sie sich wenden können und es ist immer einfacher, sich an Menschen zu wenden, von denen man sowieso schon Vertrauen hat.

[Man sieht Frau Arslantas, die mit anderen Frauen in einer Schulung sitzt.]

Peter Nebelow:

Wir haben alle Pflegeeinrichtungen, alle ambulante Pflegeeinrichtungen und alle Organisationen, die sich mit Demenz und Menschen, die an Demenz leiden, befassen, zusammengeschlossen. Wir wollen in Bocholt eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Demenzkranken, aber auch ihre Angehörigen, angenommen, akzeptiert und gut aufgehoben fühlen.

Jutta Ehlting:

Das ist eine Schulung, die 40 Stunden umfasst und da werden unterschiedlichste Bereiche auch angesprochen.

Serpil Karakus:

Die Schulung die ist eigentlich perfekt, weil wir alles nötige an Wissen lernen können bei dieser Schulung. Wir haben als erstes die Aspekte, aus welchen Gründen man demenzkrank wird, welche Symptome eine Demenzerkrankung hat, wie man das erkennen kann, welche Angebote es für Demenzerkrankte gibt. Wenn es die nicht geben würde, dann würde es auch gar keine interkulturellen Demenzbegleiter geben, die türkisch sprechen. Unsere türkischen Mitbürger haben ja die Muttersprache auf Türkisch, also sie können alle Türkisch und wenn sie dann die deutsche Sprache irgendwann durch die Erkrankung verlernt haben, sind wir die richtigen Personen, die dann zum Einsatz kommen könnten.

[Man sieht die Teilnehmerinnen, die gemeinsam Ideen und Konzepte für interkulturelle Demenzbegleitung erarbeiten.]