Die Lohnlücke Teil 1

Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer

In Deutschland liegt die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bei 21 Prozent. Das hat vielschichtige Ursachen: Neben der unterschiedlichen Berufswahl ist auch die familienbedingte Erwerbsunterbrechung und der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit ein Grund – denn hier sind es oft nur die Frauen, die im Beruf kürzer treten. Und das hat Folgen – Stichwort Altersvorsorge. Der Film zeigt, an welchen Weichenstellungen im Leben die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen entsteht. Im zweiten Teil des Videos werden verschiedenene politische Maßnahmen für mehr Lohngerechtigkeit aufgezeigt.

[Großaufnahme von einem jungen Mann und einer junge Frau, die über ihre Zukunft nachdenken und einen Entschluss fassen. Optimistische Gesichter.]

Sprecher:

Das sind Anna und Steffen. Beide haben ihren Schulabschluss in der Tasche. Jetzt suchen sie einen Beruf, der zu Ihnen passt. Anna interessiert sich für Mode. Sie überlegt eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau zu machen. Steffen möchte Mechatroniker werden.

[Grafik zeigt die von Frauen bevorzugten Berufe: Gastronomie, Verkauf und der Gesundheitsbereich]

Sprecher:

70% aller jungen Frauen wählen unter nur 20 verschiedenen Ausbildungsberufen ihren Wunschberuf aus, meistens in recht ähnlichen Bereichen. Das war früher schon so. Und gilt heute noch immer.

[Anna und Steffen werden in ihrem Berufsalltag gezeigt. Anna sortiert Kleidung in einem Modegeschäft, Steffen arbeitet in einem Betrieb. Schnitt zur ersten gemeinsamen Wohnung, das Paar umarmt sich glücklich.]

Sprecher:

Zu Beginn der Ausbildung verdienen beide ungefähr gleich viel. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung werden beide von ihren Arbeitgebern übernommen und ziehen zusammen.

[Man sieht den beruflichen Werdegang der beiden, doch Anna schaut zunehmend frustriert.]

Sprecher:

Anna und Steffen arbeiten gerne in ihren Berufen und erwerben sogar Zusatzqualifikationen. Sie büffeln auch noch nach ihrem Arbeitstag. Anna möchte zur Teamleiterin aufsteigen und Steffen träumt von einem Meistertitel. Doch manchmal fühlt Anna sich in der Bewertung ihrer Arbeit nicht fair behandelt. Die Verkäuferinnen und Verkäufer in ihrem Kaufhaus werden für gute Umsätze mit einem Bonus belohnt. Der Bonus ihrer vorwiegend männlichen Kollegen aus der Technikabteilung fällt jedes Jahr viel höher aus.

[Bild der glücklichen Familie. Schnitt zu Steffen bei der Arbeit im Betrieb, während Anna sich zuhause um das Kind kümmert. Steffen wirkt wehmütig.]

Sprecher:

Anna und Steffen bekommen ein kleines Mädchen – Mara – sie freuen sich riesig! Steffen schließt erfolgreich eine erste Fortbildung ab und wird zum Schichtleiter befördert. Anna bleibt 12 Monate mit dem Baby zu Hause. Sie hätte sich gut vorstellen können, früher wieder in den Job einzusteigen – zum Beispiel in Teilzeit, wenn Steffen sich in dieser Zeit um Mara gekümmert hätte. Eigentlich hätte auch Steffen gerne mehr Zeit mit Mara verbracht, aber sein Chef meint, dass eine längere Auszeit als zwei Monate in Steffens Führungsposition nicht möglich sei.

[Grafik Väter und Kinderbetreuung]

Sprecher:

In Deutschland nutzt  nur jeder dritte Vater die Partnermonate im Elterngeld. Viele Väter würden sich gerne jedoch noch stärker an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen. So äußern rund 60 Prozent der Väter mit Kindern unter sechs Jahren den Wunsch, mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung zu übernehmen – weit mehr, als dies heute tatsächlich tun.

[Anna wird wieder voller Tatendrang bei der Arbeit gezeigt, doch nach dem Besuch bei der Kita ist sie niedergeschlagen.]

Sprecher:

Nach dem Jahr Elternzeit freut Anna sich, wieder arbeiten zu gehen. Sie beginnt in Teilzeit, Steffen bleibt weiter bei 100%. Anna würde ihre Arbeitszeit gerne aufstocken, aber die Kita bietet keine passenden Betreuungsmöglichkeiten an. Anna kann nicht mehr zu den Randzeiten arbeiten und dadurch auch nicht mehr die Teamleitung übernehmen. Ihr fehlen die Zulagen. Dafür macht Steffen jetzt Karriere.

[Grafik zeigt Anteil der Männern und Frauen, die in Teil- oder Vollzeit arbeiten.]

Sprecher:

88% der Männer zwischen 30 und 50 Jahren arbeiten in Deutschland Vollzeit. In der gleichen Altersgruppe sind nur 39% der Frauen vollzeit erwerbstätig.

[Ein Telefonanruf, der das Paar schockiert zurücklässt. Diskussionen zwischen den beiden. Anna wirkt verzweifelt.]

Sprecher:

Das Arbeiten macht Anna Spaß, auch mit der kleinen Mara klappt alles super. Anna möchte gerne wieder mehr arbeiten, wenn Mara zur Schule geht.  Eines Tages aber klingelt das Telefon: und Zack, die Schwiegermutter ist zum Pflegefall geworden. Anna und Steffen müssen umplanen. Steffen würde seine Mutter gerne mehr selber pflegen, aber seine Stellung lässt es einfach nicht zu. Er hat Angst nicht mehr in seine Vollzeitposition zurückkehren zu können, wenn er erst einmal in Teilzeit ginge. Also muss Anna die Pflege ihrer Schwiegermutter übernehmen. Schließlich finden die beiden für Stefans Mutter einen guten Platz in einem Pflegeheim. Anna würde jetzt gern für ein paar Jahre wieder voll in den Beruf einsteigen. Aber ihr Arbeitgeber lehnt das ab. Sie muss in Teilzeit bleiben.

[Blick in die Zukunft: Anna und Steffen sitzen als altes Paar gemeinsam am Tisch und trinken Tee. Steffen holt sein Portmonee heraus und steckt seiner Frau Geld zu.]

Sprecher:

Im Rentenalter angekommen muss Anna ihren Mann um Haushaltsgeld bitten, die Lücke zwischen ihrer und Steffens Rente beträgt satte 57%. Obwohl Anna als selbstbewusste Frau lange Zeit berufstätig war und immer auf eigenen Füßen stand, fühlt sie sich nun abhängig von ihrem Mann.